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Die Schatztruhe der Berge

Ein riesiger transparenter Kalzit - der Stolz des Naturhistorischen Museums Sitten.

(Keystone)

Es sind zwar keine Diamanten, das Interesse ist dennoch gross: Beim Bau des neuen Eisenbahntunnels durch den Lötschberg wurden einzigartige Kristalle gefunden.

Im Innern der Alpen offenbaren die "Edelsteine" einen Blick auf Millionen Jahre der Erdgeschichte.

Die Neue Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) schlägt alle bisherigen Rekorde in Sachen Arbeitsdauer – 20 Jahre –, investierte Milliardengelder und Anzahl Beschäftigte, die dort Tag und Nacht arbeiten.

Die "Edelsteine" des Alpentransits



Die "Baustellen des dritten Millenniums", welche die Alpenkette durchschneiden und so Deutschland und Italien einander wesentlich näher bringen, erfreuen viele Geologen.

Bereits wurden im Innern des Lötschbergs seltene Mineralien von grossem Wert gefunden. Der wissenschaftliche Wert liegt darin, dass Geologen und Mineralogen andernorts kaum derartige Muster von Felsstücken und Kristallen beobachten und katalogisieren könnten wie auf den riesigen NEAT-Baustellen tief im Berg.

"Die Anzahl der entdeckten Mineralien-Arten ist zwar relativ bescheiden, aber die Reichhaltigkeit und die Formenvielfalt sind bemerkenswert", sagte der Geologe André Henzen gegenüber swissinfo. Vier der Funde seien besonders spektakulär.

Es handelt sich dabei um einen 12,7cm grossen Pyrrhotit-Kristall und einem 3,7cm grossen Fluorapophyllit. Das seien die beiden grössten bisher in der Schweiz bekannten Exemplare, so Henzel.

Weiter hat man zwei Kalzit-Kristalle gefunden, die von der Länge (über 30cm) und der Feinheit her (1cm) aussergewöhnlich seien.

Nicht nur im Lötschberg sondern auch im Gotthard, Kanton Uri, hatten die Forscher Glück: Bei den Ausgrabungen für den Schutzwall des Gotthard-Tunnels wurden bisher 22 verschiedene Mineralien entdeckt: von den geläufigsten bis zu den seltensten Quarzen wie dem Monazit.

Wiedergefunden hat man zudem auch einen "Amstegit", ein Mineral, das ursprünglich bei einem Aushub in Amsteg entdeckt wurde.

Im Süden wird noch gehofft. "Im Rahmen der Norm" seien die bisherigen Funde bei den Portalen von Bodio und Faido gewesen, erklärte Marco Antognini, Beauftragter im Kanton Tessin. "Der Schönste muss noch kommen; wenn der Durchstich im Bereich des Gotthards vorangetrieben wird, werden auch wir sicherlich schöne Überraschungen erleben." Noch bewegen sich die Bauarbeiten im (ebenfalls mineralienreichen) Gneis, unter dem Gotthard folgt jedoch dann Granit.

Für die Geologen von grossem Interesse



Im Gestein sind die Umweltbedingungen zu einer gewissen Zeit an einem gewissen Ort festgeschrieben. Wie waren vor Millionen Jahren die Bedingungen in den Alpen, Wind, Wasser und Lebewesen?

Für Marco Antognini, der auch für die Mineralien im Naturhistorischen Museum in Lugano verantwortlich ist, wird alles, was man in den unterirdischen Stollen findet, Antworten finden helfen. Denn in dieser Tiefe hat sich in den Millionen Jahren nichts verändert.

Der Bau dieses 57km langen Tunnels, des weltweit längsten Eisenbahntunnels, ist eine einmalige Gelegenheit, um wissenschaftliche Informationen über die Geologie der Alpen zusammenzutragen. Und eben auch, um Mineralien in grosser Tiefe zu finden – zum ersten Mal machen diese grossen Arbeiten den Fels in 2000 Metern Tiefe zugänglich.

"Es ist wirklich eine einmalige wissenschaftliche Gelegenheit, diese Strukturen – Kluften voller Kristalle – innerhalb der Felsmassen zu sehen."

Von Sammlern begehrt



Da die seltenen Steine von Sammlern sehr gesucht sind, erzielten die aus dem Berg geborgenen Stücke hohe Marktpreise, einige sind durchaus über 10'000 Franken wert. Allerdings gehören die Steine den entsprechenden Kantonen – auch wenn nicht ganz zu verhindern ist, dass einige Arbeiter Stücke illegal verkaufen.

Um hier Einhalt zu gebieten, haben die Kantone beschlossen, diejenigen Mineure zu belohnen, die den Geologen Funde melden. Denn frühere Erfahrungen aus dem Wallis sollen sich nicht wiederholen: Das Tal, reich an Mineralien, hat nur wenig in den Museen zu bieten. Die meisten Fundstücke sind im Ausland oder in Privatbesitz.

swissinfo, Maddalena Guareschi, Lugano
(Übertragung aus dem Italienischen: Eva Herrmann)

Fakten

Die unter Lötschberg und Gotthard gefundenen Mineralien sind für die Geologen von grossem Wert.
Auch Sammler interessieren sich für gewisse Steine, deren Wert mehr als 10'000 Franken betragen kann.
Der grösste je in der Schweiz gefundene Quarz ist einen Meter gross und wiegt 800 Kilo.

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