Die Schweiz, eine Hochburg des Drogenkonsums

Nicht wenige Schweizer und Schweizerinnen haben Übung im Joint drehen. Keystone

Beim Konsum von Cannabis nimmt die Schweiz in Europa einen Spitzenplatz ein. Nur in Italien wird noch eifriger gekifft, wie aus dem jüngsten Drogenbericht der Vereinten Nationen hervorgeht.

Dieser Inhalt wurde am 26. Juni 2007 - 09:00 publiziert

Weltweit haben im letzten Jahr Konsum und Anbau von Drogen stagniert. Beim Kokain liegen Zürich, Basel und St. Moritz unter den 10 Städten der Welt mit dem höchsten Konsum.

Auffällig ist laut dem neusten Bericht das Ausmass des Cannabiskonsums in der Schweiz. Mit 9,8% der Bevölkerung, die in der Schweiz Cannabis missbrauchen, handelt es sich um eine der höchsten Konsumraten in Europa, hinter Italien (11,9%) und vor Frankreich (8,5%).

Auch beim Kokainkonsum liegt die Schweiz weit vorne. Bei einem neuen Verfahren wurde mittels Abwasseranalysen die Höhe des Kokainkonsums in einer Stadt ermittelt. Nach Ergebnissen dieser Analysen schlägt New York hier alle Rekorde. St. Moritz, Zürich und Basel rangieren in dieser Liste unter den ersten zehn Städten.

Drogenmissbrauch ist rückläufig

Aus dem am Montag in Genf veröffentlichten Jahresbericht des UNO-Büros für Drogenkontrolle und Verbrechensbekämpfung (UNODC) geht auch hervor, dass sich im vergangenen Jahr Konsum und Anbau von Drogen erstmals weltweit nicht ausgeweitet haben.

Die jüngsten Zahlen zeigten auf, dass der Drogenmissbrauch gar rückläufig sei, sagte Antonio Maria Costa, Direktor des UNODC. Bei den meisten Drogen (Kokain, Heroin, Cannabis und Amphetaminen) seien Produktion, Handel und Konsum im Jahr 2006 stabil geblieben.

Hingegen bleibe die Opiumproduktion in Afghanistan weiterhin eines der gravierendsten Probleme. Die dortigen Opiumkulturen hätten ein Ausmass angenommen, welches Erfolge bei der Vernichtung anderer Zulieferquellen neutralisiere, sagte Costa weiter.

Erfolgreicher Kampf

Bei der Bekämpfung des Drogenschmuggels durch die Behörden konnten weltweit Erfolge erzielt werden. Mehr als 45% des weltweit hergestellten Kokains und mehr als ein Viertel des Heroins werden mittlerweile aus dem Verkehr gezogen. 1999 waren es erst 21% beim Kokain, beziehungsweise nur 15% beim Heroin.

Bis zu 200 Millionen Personen, 5% der Weltbevölkerung, konsumierten im Jahr 2006 Drogen. 159 Millionen von ihnen Cannabis - im vorhergehenden Jahr waren es noch 162 Millionen. Bei 25 Millionen, das heisst bei 0,6% der Weltbevölkerung, ist von einer schweren Drogensucht zu sprechen.

Ecstasy-Markt in Europa

Die Partydroge Ecstasy wird dem UNODC zufolge vor allem in Europa hergestellt. Europa gilt insgesamt als das Zentrum für die Produktion von amphetaminhaltigen Stoffen. Mit rund 25 Millionen Konsumenten weltweit sei der Markt für Amphetamine grösser als jener für Kokain oder Heroin.

Der Bericht des UNODC fordert trotz der stagnierenden Zahlen, dass Drogenprävention, Therapie und Reintegration von Drogensüchtigen weiter als zentrale gesundheits- und sozialpolitische Aufgaben wahrgenommen werden.

swissinfo und Agenturen

Opiumhölle Afghanistan

Die Opium-Produktion in Afghanistan ist im vergangenen Jahr laut UNO dramatisch gestiegen.

Insgesamt wurden 6100 Tonnen des Grundstoffs für die Heroin-Herstellung produziert, fast die Hälfte mehr als im Jahr zuvor.

Mittlerweile stammen mehr als 90% der weltweiten Opium-Menge aus Afghanistan.

Die Anbauflächen von Schlafmohn stiegen um fast 60% auf 165'000 Hektaren.

End of insertion

Schweizer Drogenpolitik

Sie ist auf dem so genannten Vier-Säulen-Modell aufgebaut: Vorbeugung, Therapie, Reduzierung der Risiken und Repression.

Die Drogenpolitik liegt in der Kompetenz der Kantone. Der Bund kümmert sich um die Koordinierung, die Förderung, die Innovation und die Entwicklung dieser Politik.

Diese liberale Politik ist auf internationalem Niveau umstritten und wird regelmässig von der UNO kritisiert.

Acht Schweizer Städte betreiben Injektionsräume (Fixerstübli) unter medizinischer Kontrolle. Bern war 1986 Pionierin, gefolgt von Zürich, Basel, Biel, Olten Schaffhausen und Solothurn.

In der Romandie sind in Genf und Lausanne Fixerstübli in Diskussion.

Die Fixerstübli zielen darauf ab, Hepatitis- und HIV-Infektions-Risiken zu reduzieren und den Drogensüchtigen einen medizinisch-sozialen Rahmen zu bieten.

Ziel: Aussteigen aus der Sucht.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen