Die Schweiz gehört zu den Hauptziel-Ländern

Nach Schätzungen der IOM, der Internationalen Organisation für Migration, werden jährlich 600'000 Frauen und Minderjährige verschleppt und zur Prostitution gezwungen. Präzise Statistiken über den Menschenhandel existieren nicht, denn Menschenhändler agieren versteckt und ihre Opfer sagen selten gegen sie aus.

Dieser Inhalt wurde am 01. Mai 2001 - 13:58 publiziert

"Das Ausmass wird noch zunehmen", sagt IOM-Sprecher Jean-Pierre Chauzy. Für die Menschenhändler handle es sich um ein sehr lukratives Geschäft mit einem weltweiten Umsatz von schätzungsweise sechs bis zehn Mrd. Dollar.

Seit dem Fall des eisernen Vorhangs hat vor allem die Zahl verschleppter Frauen und Mädchen aus Zentral- und Osteuropa sowie den ehemaligen Sowjet-Staaten dramatisch zugenommen. Die IOM schätzt die Zahl auf 250'000 bis 300'000 pro Jahr. An der Spitze steht Moldawien (über 70 Prozent), gefolgt von Rumänien und der Ukraine.

Der Balkan als Drehscheibe

"Die Frauen werden zuerst oft in Balkan-Staaten gebracht, allen voran Kosovo, Mazedonien und Albanien", sagt Chauzy. Dort werden sie auch gezwungen, sich bei KFOR-Soldaten zu prostituieren, bevor sie nach Westeuropa weiterverkauft werden.

Heutige Gesetze lückenhaft

Strafen in vielen Herkunfts- und Transitländern seien "praktisch inexistent". Das Risiko, geschnappt zu werden, sei für die Menschenhändler äusserst gering. In Albanien gaben von der IOM befragte Frauen zudem an, dass rund 10 Prozent der Polizisten Komplizen der Menschenhändler sind.

In den Zielländern wiederum gehen die Opfer kaum vor Gericht, da sie dort als Illegale gelten. Gemäss einem Hintergrundpapier der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) aus dem Jahre 1999 gehört auch die Schweiz innerhalb der OSZE-Region zu den Hauptzielländern für den Menschenhandel.

Die aktuellen Gesetze und Gegenstrategien reichen nicht aus, um den Menschenhandel effizient zu bekämpfen. Anfang März forderte die EU die Mitgliedstaaten auf, die Rechtsvorschriften anzugleichen und Schlupflöcher zu stopfen.

Prävention vorrangig

Im Kampf gegen die gut organisierten kriminellen Netzwerke des Menschenhandels setzt die IOM deshalb vorrangig auf Prävention. In Zusammenarbeit mit Regierungen und NGOs hat die IOM in zahlreichen Ländern Informationskampagnen lanciert.

Auch Trainingsseminare für Sicherheitskräfte sowie Erziehungs-Massnahmen in den Schulen wurden gestartet. Zudem organisiert sie für befreite Frauen Polizeischutz und bietetmedizinische und psychiatrische Betreuung an.

swissinfo und Matthias Kägi (sda)

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