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Die Schweiz löst den Holocaust-Fonds auf

Dokumente von Arie Schpirer, Überlebender des Holocaust. Hugues de Wurstemberger/ Schweizer Fonds für Opfer des Holocaust

Der Bundesrat hat den Holocaust-Spezialfonds aufgelöst. Die verbleibenden 12 Mio. Franken gehen an die jüdische Organisation WJRO und an das Schweizerische Rote Kreuz.

Dieser Inhalt wurde am 18. Dezember 2002 - 19:03 publiziert

Der Fonds wurde 1997 im Zusammenhang mit der Debatte über die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg eingerichtet.

309'000 Personen haben aus dem Spezialfonds für Holocaust-Opfer Geld erhalten - jeweils 600 bis 2000 Franken gingen vor allem an Bedürftige in Osteuropa.

Der Bundesrat hatte die Oberaufsicht über den von Rolf Bloch, ehemaliger Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds, geleiteten Fonds.

An ihrer letzten Sitzung dieses Jahres hat die Regierung nun grünes Licht für die Auflösung gegeben, da die Zahlungen weitgehend abgeschlossen sind. Das Rest-Vermögen von 12 Mio. Franken geht zu zwei Dritteln an die jüdische Organisation WJRO und zu einem Drittel ans Schweizerische Rote Kreuz (SRK) für Opferhilfe.

Hilfe näher an traumatisierte Menschen bringen

"Die 4 Millionen werden konkret dafür verwendet, das Angebot des Ambulatoriums für Folter- und Kriegsopfer auszuweiten. Und zwar sowohl geografisch, das heisst neue Ambulatorien in Zürich und in der Westschweiz, wie auch bezüglich der Therapie-Angebote", sagte Beat Wagner vom SRK gegenüber swissinfo.

Zur Zeit betreut das Ambulatorium jedes Jahr 130 bis 150 Patienten und hat ein Budget von knapp 1,3 Mio. Franken pro Jahr für Therapie und Ausbildung von Fachpersonal.

Dank den zusätzlichen Mitteln könne man nun näher an die Betroffenen herangehen. Zudem solle auch Fachpersonal ausgebildet werden, das ausserhalb der Ambulatorien arbeiten könne, erklärt Wagner.

Künftig sollen zudem nicht nur anerkannte Flüchtlinge, sondern auch andere ausländische Folter- und Kriegsopfer vom Betreuungsangebot profitieren können. Die Unterstützung des Bundes werde mit eigenen Mitteln - durch einen Beitrag der Humanitären Stiftung SRK - aufgestockt.

WJRO: Geld weiterhin für bedürftige Holocaust-Opfer

Rund 8 Mio. Franken werden der World Jewish Restitution Organisation (WJRO) in Jerusalem zur Verfügung gestellt. Die Verwendung dieser Mittel soll unter der Auflage erfolgen, dass rund neun Zehntel in soziale Hilfeleistungen für bedürftige Holocaust-Opfer fliessen und ein Zehntel für Programme auf dem Gebiet der Forschung, Ausbildung und Erinnerung an den Holocaust eingesetzt wird.

Die WJRO, eine Organisation für Wiedergutmachungen an Holocaust- Opfer, ist auch am 1,25 Mrd. Dollar schweren schweizerischen Bankenvergleich beteiligt.

Akten ans Bundesarchiv

Der Bundesrat behält überdies noch 950'000 US-Dollar in Reserve - für noch nicht getätigte Auszahlungen, etwa an Begünstigte, deren Adressen noch nicht ermittelt werden konnten.

Sämtliche Akten des Spezialfonds wurden dem Bundesarchiv übergeben. Für Folgearbeiten, die sich in den kommenden Monaten noch ergeben können - namentlich Anfragen Dritter aus dem Ausland - wird eine Anlaufstelle im Finanzdepartement respektive im Departement für auswärtige Angelegenheiten bezeichnet.

300 Millionen verteilt

Der Spezialfonds war im Frühjahr 1997, im Zuge der Debatte über die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg, vom Bundesrat als humanitäre Geste eingerichtet worden.

Bis Ende Juli 2002 hat der Spezialfonds knapp 300 Mio. Franken an bedürftige Überlebende des Nazi-Terrors verteilt.

Die Mittel stammten aus Spenden von Nationalbank, Banken, Wirtschaft und Privaten sowie aus Zinsen. Die Begünstigten, die in über 60 Ländern leben, sind meist zwischen 73 und 83 Jahre alt.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Der Fonds wurde 1997 gegründet.
Ausbezahlt wurden über 300 Mio. Fr.
Präsident des Fonds war Rolf Bloch.
4 Mio. Fr. des Rest-Vermögens geht an die Opferhilfe des SRK.
8 Mio. Fr. soll die WJRO, Jerusalem, vor allem an bedürftige Holocaust-Opfer verteilen.

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