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Die Sicherheit

(Keystone)

In Davos wurde ein noch nie gesehenes Sicherheits-Dispositiv vorbereitet. Die Befürchtungen gehen von krawallbereiten WEF-Gegnern bis hin zu terroristischen Anschlägen. Die Polizei arbeitet deshalb kantonsübergreifend zusammen: Sie wird unterstützt von Armee, Grenzwache und Geheimdienst.

"Ein Attentat auf einen der WEF-Teilnehmer oder die Blockierung des ganzen Forums sind die schlimmsten Szenarien die ich mir vorstellen kann" sagte Albert A. Stahel, Militärexperte der Universität Zürich, gegenüber swissinfo.

Ein Terror-Attentat abzuwehren ist klassische Terrorismus-Bekämpfung. Eine Blockade von WEF-Gegnern zu verhindern erfordert jedoch Mittel für den sogenannten unfriedlichen Ordnungsdienst.

Auf beide Bedrohungslagen hat sich die Kantonspolizei Graubünden gut vorbereitet. Sie hat die Befehlsgewalt über alle Einsatzkräfte: "Wir haben im Rahmen der Lageberichte alle möglichen Vorkehrungen getroffen", erklärte Alois Hafner, Pressesprecher der Bündner Polizei, gegenüber swissinfo.

Polizeikräfte aus der ganzen Schweiz werden im Rahmen der Polizei-Konkordate in die Bündner Bergwelt beordert. Der Bundesrat hat zudem 300 Festungswächter in den Schnee geschickt. Ausserdem wurden 600 Angehörige der Territorialregimenter in Alarmbereitschaft versetzt. Hinzu kommen noch persönliche Sicherheitsbeamte von WEF-Teilnehmern.

Diese umfassenden Sicherheitsvorkehrungen scheinen den USA jedoch nicht zu genügen. Das US-Aussenministerium hat amerikanischen Staatsbürgern deshalb davon abgeraten, während des Weltwirtschaftsforums nach Davos zu reisen. Hintergrund des Appells sind Befürchtungen, angekündigte Proteste von Globalisierungsgegnern könnten in Ausschreitungen münden.

Festungswächter als Bodyguards

Dieses Jahr werden zwei Drittel der 300 Festungswächter die WEF-Teilnehmer als Bodyguards in Zivil beschützen. Die Personenschützer fallen nur noch durch den berühmten Knopf im Ohr auf - und den aufmerksam schweifenden Blick. Die restlichen Festungswächter überwachen nach Beginn des WEF, so Guido Balmer vom Festungswachkorps (FWK), im Gelände Strom-Masten und andere mögliche Ziele für Anschläge.

Für Anti-Terror-Aufgaben wie zum Beispiel Geiselbefreiungen hat jede Schweizer Kantonspolizei ein eigenes Spezialisten-Team. Die Bündner Polizeigrenadiere werden während des WEF von ausserkantonalen Einheiten unterstützt.

Videoaufnahmen und Personenlisten

Hilfe aus dem Unterland beansprucht Davos auch bei der Kontrolle der WEF-Gegnerschaft. Beamte des Sicherheitsdienstes der Stadtpolizei Zürich haben Filme der letztjährigen Demonstration ausgewertet. Daraufhin wurden Listen mit unerwünschten Personen erstellt. Solche "erkannten Störer" sollen laut Kapo Graubünden bereits an der Landesgrenze oder entlang der Zufahrtsstrassen angehalten werden.

Auch dieses Jahr werde in Davos gefilmt, allenfalls sogar Luftaufklärung betrieben, vermutet Strategie-Experte Stahel. Einer der fünf Super-Puma-Helikopter der Schweizer Luftwaffe in Davos ist gar mit einer Infrarot-Kamera ausgerüstet, wie das FWK bestätigte. Der Luftraum um Davos soll von Privatfliegern gemieden werden.

Polizeiliche Taktik und Gegentaktik der Demonstrierenden

Der Schweizer Nachrichtendienst hat zu Handen der Bündner Polizei einen Bericht verfasst. Eine Schweizer Polizei-Delegation hat bei einem Geheim-Treffen mit Kollegen aus Seattle, Prag und Nizza Erfahrungen ausgetauscht. Dort fanden teils gewalttätige Proteste gegen die Wirtschafts-Globalisierung statt.

Wer nach Davos reist wird kontrolliert. Auf der Strasse zwischen Klosters und Davos stehen Strassensperren, im Regionalzug sind Beamte ab Landquart präsent. Wenn der Zug im Bahnhof einfährt wird er von Beamten umstellt. Nur wer unverdächtig aussieht darf passieren. Deshalb fordert die Anti-WTO-Koordination die Demonstrierenden per Internet auf, entweder sehr elegant gekleidet oder im Wintersport-Outfit anzureisen.

Militär für den Hilfsdienst

Die 600 Angehörigen der Armee werden nur bei Bedarf von den Kantonen angefordert. Denn der Personalbestand der Kantonspolizeien ist wegen des WEF strapaziert. Entgleitet die Situation der Kontrolle der Polizei, kann sie Armeeangehörige anfordern. Beispielsweise wegen Kundgebungen oder andern Aktionen. Bereits wurden Teile des Berner Territorialregimentes 18 in Alarmbereitschaft versetzt. Diese seien, so FWK-Sprecher Balmer, sehr schnell einsatzbereit.

Rund ein Dutzend Luftwaffe-Soldaten sind in Davos stationiert, vor allem Piloten und Bodenpersonal. Hinzu kommen noch die Soldaten am Flughafen Zürich. Die Angehörigen der Militärpolizei sollen vor allem Verkehrsleit-Aufgaben übernehmen.

Keine Abriegelung

Die Bündner Polizei hat beschlossen, die Stadt nicht hermetisch abzuriegeln. Stichproben und Kontrollen sollen genügen. Die Lage von Davos ist dazu optimal. Stahel zu swissinfo: "Davos ist kein Seattle, ist nicht Zürich. Dort könnten die Kontrollen niemals so rigoros ausfallen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Hundertschaft gewaltbereiter Demonstranten nach Davos hineinkommt."

Was die Polizei genau plant, bleibt jedoch streng geheim. Wie immer bei Sicherheits-Angelegenheiten wollen sich die Profis nicht allzu sehr in die Karten schauen lassen.

Philippe Kropf


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