Die vielfältigen Stimmen der Trümmelbachfälle

Der Rundgang führt an 10 Wasserfällen vorbei. (Bild: Schweiz Tourismus) switzerlandtourism

Die Trümmelbachfälle werden von Schmelzwasser aus Schnee und Eis der Gletscher an den Flanken von Eiger, Mönch und Jungfrau gespeist.

Dieser Inhalt wurde am 20. Februar 2003 - 17:24 publiziert

Das Schmelzwasser fällt nicht, wie bei den anderen Wasserfällen im Lauterbrunnental, über die Felsen, sondern sucht sich seinen Weg im Berginnern.

Kaspar von Allmen kümmert sich um die Trümmelbachfälle, wie man sich um einen Garten kümmert.

Mit seinem Schweizer Armeemesser entfernt er Kaugummi vom Weg, der zum Wasserfall führt. Einige Schritte weiter reinigt er mit der Spitze seines Schirms einen verstopften Ablauf.

Von Allmen verbrachte fast seine ganzen 76 Jahre bei den Fällen. Für ihn sind sie wie eine Melodie, von der er nie genug bekommt.

"Im Frühling ist es, als ob sie neu geboren würden", sagt er. "Akustisch ist es wie eine Stimme - eine, die mit den Jahreszeiten wechselt und mit dem wärmer werdenden Wetter immer fröhlicher wird."

Mit den Jahreszeiten

Die Trümmelbachfälle wurden über eine Reihe von Laufstegen und Brücken zugänglich gemacht, die von Allmens Grossvater 1877 gebaut hatte. Seither strömten Millionen von Menschen hin, um das Wunder der Natur im Verlauf der Jahreszeiten zu bestaunen.

"Im Sommer gibt es viel Wasser, weil die Gletscher schmelzen. Das Wasser ist eher grau oder weiss, es wird zur so genannten 'Gletschermilch'", erklärt von Allmen.

"Mit dem Herbst wird die Stimme langsam schwächer. Im Tal tönt es weniger wie ein Konzert. Man hört die einzelnen Fälle deutlicher - und schon steht der Winter wieder vor der Türe."

Höhlen ausbauen

In seiner Jugend entdeckte von Allmen beim Klettern neben den Fällen zusammen mit einem Freund eine Reihe von Höhlen. Nach ihrer Entdeckung bohrte von Allmens Vater tiefer in den Berg. Sein Sohn führte die Grabungen fort und grub vor rund 15 Jahren einen Schlusstunnel und eine Galerie.

Jetzt können die Besucherinnen und Besucher rund 600 Meter tief in die Trümmelbachschlucht vordringen, um die Kraft des Wassers von nahe zu fühlen, wenn es auf seinem Weg durch die Felsen donnert.

Zwischen April und Juni tosen pro Sekunde rund 20 Kubikmeter Wasser durch die Schlucht. Der Trümmelbach führt schätzungsweise 20'000 Tonnen Schutt durch das Tal, zumeist Sand und Lehm, und lagert ihn auf dem Boden des Brienzersees ab.

Drei Sterne

Der Michelin-Reiseführer gibt dem Bach drei Sterne, unter anderem dank von Allmens erfolgreichen Bemühungen, die Laufstege, Brücken und Stufen so in die Natur zu integrieren, dass sie gut in die Umgebung passen.

In der Schlucht gibt es nur wenig elektrisches Licht, gerade genug, um den Weg zu sehen und das wogende Wasser zu beleuchten, wo es kein Tageslicht hat.

"Die Strecken dazwischen sind dunkel, was den Eindruck der gesamten Schlucht und der Fälle verstärkt", erklärt von Allmen.

"So passt man besser auf, weil man unbewusst etwas Angst hat vor der Dunkelheit."

Auch nach 76 Lebensjahren bei den Trümmelbachfällen ist von Allmen noch immer fasziniert vom Wasser. "Wasser kommt gleich nach der Luft. Was wir am meisten brauchen, ist Wasser."

swissinfo, Dale Bechtel

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