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Die zweifelhaften Geschäfte des Doktor Zäch

Der Prozess des Präsidenten der Schweizer Paraplegiker Stiftung (SPS) hat am Montag vor dem Strafgericht in Basel begonnen.

Dieser Inhalt wurde am 23. Juni 2003 - 13:41 publiziert

Prominenter Arzt, Armee-Oberst und CVP-Nationalrat, soll Guido Zäch mehrere Dutzend Millionen veruntreut haben.

Vor dem Basler Strafgericht musste am Montagmorgen jener Mann antreten, der in der Schweiz für seinen jahrelangen Einsatz für Querschnitt-Gelähmte bekannt ist: Guido A. Zäch, Präsident der SPS, Präsident der Schweizerischen Paraplegiker Vereinigung und Chef des von ihm gegründeten Paraplegiker-Zentrums im luzernischen Nottwil.

Vor dem Gerichtsgebäude in Basel wurde Zäch von Paraplegikern und deren Familien begrüsst, die ihre Unterstützung für den Angeklagten ausdrückten. Vor Medienschaffenden beteuerte dieser erneut seine Unschuld.

62 Mio. Franken Deliktsumme

Der 68-jährige Zäch muss sich wegen mehrfacher Veruntreuung und ungetreuer Geschäftsbesorgung verantworten.

Die Anklage wirft ihm vor, sich zwischen 1990 und 1999 selber unrechtmässig 1,5 Mio. Franken zusätzlich zu seinem Lohn ausbezahlt zu haben. Eine halbe Million Stiftungs-Gelder soll er in seine eigene Tasche abgezweigt haben.

Beim weitaus grössten Teil der Anklagesumme von insgesamt 62 Mio. Franken geht es aber um Gelder, welche die SPS bei verschiedenen verfehlten Immobilien-Investitionen verlor. Laut Staatsanwaltschaft soll sich Zäch als Stiftungspräsident über die Anlagerichtlinien der Stiftung hinweggesetzt haben.

Der Prozess gegen den prominenten Arzt soll drei Wochen dauern.

Ämter in Personalunion

Zäch ist dem medialen Rampenlicht nicht abgeneigt und spickt seine Internet-Auftritte mit persönlichen Details. Als im Winter 2001 der aufstrebende Skirennfahrer Silvano Beltrametti nach einem Unfall in sein Paraplegiker-Zentrum in Nottwil eingeliefert wurde, kümmerte sich der Arzt persönlich um ihn.

Gegen Artikel im Nachrichtenmagazin Facts und der Sonntagszeitung - diese hatte die Anklageschrift bereits Anfang Juli veröffentlicht - ist gegenwärtig eine Klage beim Presserat hängig.

Kritik an Zächs Geschäftsführung wird in den Medien seit ungefähr vier Jahren in regelmässigen Abständen laut. Besonders seine Präsidentschaft von Paraplegikerstiftung und -vereinigung in Personalunion mit seiner Rolle als Direktor von Nottwil, wird kritisiert.

Auch wurden oder sind Familienmitglieder oder Freunde in wichtigen Positionen platziert. Beispielsweise arbeitete seine Tochter als PR-Beauftragte oder ein Schwiegersohn als Architekt für die SPS.

Gütesiegel entzogen

Noch mehr Ämter hatte Guido Zäch 1991 inne, als der Stiftung das ZEWO-Gütesiegel entzogen wurde. Die ZEWO kontrolliert überwacht Vereine und Stiftungen auf Anfrage, und vergibt ein Gütesiegel.

"Wir stellten eine krasse Ämterkumulation von Herrn Zäch fest, so dass die internen Kontrollen nicht mehr gewährleistet waren", sagt ZEWO-Mediensprecherin Ariuscha Davatz gegenüber swissinfo.

"Wir haben ihn darauf hingewiesen, er wollte aber keine Entflechtung der Ämter vornehmen. In der Zwischenzeit ist er von einigen seiner Ämter zurück getreten."

swissinfo und Agenturen

Fakten

Schweizer Paraplegiker Stiftung (SPS)

Die SPS sammelte im Jahr 2002 53,3 Mio. Franken und zählt 1,2 Mio. Gönnerinnen und Gönner.
Damit ist die SPS die zweitgrösste Stiftung hinter der Rettungsflugwacht (REGA), die nach demselben System funktioniert.
Der Jahresbeitrag für ein Einzelmitglied beträgt 30 Franken.
Im Fall einer Querschnittlähmung zahlt die SPS 150'000 Soforthilfe.

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In Kürze

Die Anklage wirft Guido Zäch vor:
- Über 60 Mio. Franken der Schweizer Paraplegiker Stiftung (SPS) veruntreut zu haben.
- Über 500'000 Franken sollen in seine eigene Tasche geflossen sein.
- Sein eigenes Salär soll höher gewesen sein als vertraglich vorgesehen (1,5 Mio. zuviel zwischen 1990 und 1999).
- Die SPS soll auf sein Geheiss für 2 Mio. Fr. ein Haus gekauft, für 2,3 Mio. renoviert haben. Zwischen 1988 und 2000 soll er sich selber eingemietet haben, bevor er es für 1,8 Mio. an seinen Bruder weiterverkaufte.
- Seine Immobilien-Investitionen sollen der SPS grosse Verluste beschert haben (20 Mio. für ein Hotel in Herisau, 17,8 Mio. für eines in Dornach, 7,7 Mio. für ein Luxushotel in Grindelwald).

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