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Drogenprobleme: Iran sucht Lösungs-Modell

Hilfe per Fahrrad: Persepolis-Mitarbeiter kümmern sich in Teheran um Drogenabhängige. 

(Bijan Nassirimanesh)

Die Schweizer Drogenpolitik könnte in Iran zum Modell werden. Ein iranischer Arzt hat in der Schweiz ausgelotet, wie deren Erfahrungen angewendet werden könnten.

Die Schweiz betreibt eine Vier-Säulen-Strategie, bestehend aus Prävention, Therapie, Schadenminderung wie Heroinabgabe-Programme sowie Repression.

Bijan Nassirimanesh ist Direktor von Persepolis, einer Nichtregierungsorganisation, die nach neuen Wegen für den Umgang mit Drogensüchtigen in Iran.

Er folgte einer Einladung von Ambros Uchtenhagen, einem führenden Schweizer Drogenfachmann und besuchte Projekte in Bern und Zürich.

"Iran ist dabei, die Vier-Säulen-Strategie einzuführen. Das Drogenproblem gehört in den Bereich der öffentlichen Gesundheit. Dazu gehören aber auch Repression sowie Behandlung und Prävention", sagte Nassirimanesh gegenüber swissinfo.

"Das Problem ist jedoch gross, sind doch bei uns rund zwei Millionen Drogensüchtige registriert, die meisten davon konsumieren Opiate. Weiter haben wir ein grosses Aids-Problem, überfüllte Gefängnisse und zerrüttete Familien."

Perspolis betreibt als erste NGO im Iran Methadon-Programme und bietet Süchtigen, von denen viele obdachlos sind, Aids-Tests und saubere Spritzen an.

Die Akzeptanz des Programms zeige, dass Iran langsam realisiere, dass es von seiner früheren Repressionspolitik gegenüber Drogenkonsumenten abweichen müsse, fügte er hinzu.

Vor dem iranischen Arzt besichtigte im letzten Jahr eine hochrangige iranische Delegation diverse Drogenprojekte in der Schweiz.

Vorwärts gehen

Nassirimanesh glaubt, dass die Vier-Säulen-Strategie Iran weiterbringen werde. Wie in der Schweiz vor 20 Jahren müsse man jedoch eine gesellschaftliche Akzeptanz erreichen.

"Wir haben einige Massnahmen übernommen: Aber es ist wahrscheinlich zu früh für Räume zum sicheren Drogenkonsum oder Heroinabgabe-Programme. Wir hoffen aber, unser Ziel langsam und stufenweise zu erreichen."

Als Beispiele nannte er, wie in der Schweiz Parks von Drogenabhängigen gesäubert wurden durch Projekte wie sichere Drogenkonsum-Räume in Parknähe und Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Menschen.

"Die Politik ermöglichte eine annehmbare und respektvolle Behandlung, welche der Gesellschaft nützt sowie Drogenkonsumenten und ihre Familien unterstützt", sagte Nassirimanesh.

Die Schweizer Drogenpolitik zielt darauf ab, die Schädigung der Gesundheit von Drogenabhängigen durch unreines Heroin von der Strasse zu vermeiden und die Drogenkriminalität zu reduzieren.

Einige dieser Massnahmen, wie die Heroinabgabe-Programme seien als zu liberal kritisiert worden, sagt Uchtenhagen, Chef des Instituts für Sucht- und Gesundheitsforschung an der Universität Zürich. Die Politik habe sich jedoch bewährt.

"Wir haben einen konstanten Rückgang von Überdosis-Todesfällen, von Menschen, die in den Heroinkonsum einsteigen und von HIV-Ansteckungen durch nicht-sterile Spritzen", sagte er gegenüber swissinfo.

Vorbild für andere

Uchtenhagen ist weiter der Ansicht, dass das Schweizer Modell auch in Ländern mit grossen kulturellen oder religiösen Unterschieden brauchbar ist.

"Man kann nicht alles, was wir machen, exportieren", sagte er. Das Grundkonzept sei jedoch überall auf der Welt anwendbar.

"Wir können unsere Erfahrungen teilen. Die Interessierten können entscheiden, was für sie am besten ist. So können wir ihnen helfen, einige der Fehler zu vermeiden, die wir machten."

swissinfo, Isobel Leybold-Johnson
(Übertragung aus dem Englischen: Etienne Strebel)

In Kürze

Das Bundesamt für Gesundheit definiert die vier Elemente der Schweizerischen Drogenpolitik mit Prävention, Therapie, Schadenminderung und Repression.

Das Konzept des Vier-Säulen-Modells zur Reduktion der Drogenprobleme wurde in den frühen 1990er-Jahren entwickelt.

Ein Experiment aus den 1908er-Jahren, Süchtigen die Benutzung des Zürcher Platzspitzes ("Needle Park" genannt) zu erlauben, wurde Mitte der 90er-Jahre aufgegeben.

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