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Durchzogene Bilanz

Die chinesischen Medien haben ausführlich über die Präsenz der Schweizer Delegation berichtet.

Welche Bilanz lässt sich von der Swiss Innovation Week in China ziehen? Die Meinungen gehen auseinander und vieles bleibt offen. China ist eben doch ein wesentlich komplexeres Land als angenommen.

Am Sonntag ist die Swiss Innovation Week zu Ende gegangen. Es handelte sich um ein Pilotprojekt, um in einem erstmaligen Schulterschluss von Wirtschaft, Wissenschaft und Technik in den chinesischen Markt vorzudringen.

"Global ist die Reise sehr positiv verlaufen", unterstreichen Staatssekretär David Syz für die Wirtschaft und Staatssekretär Charles Kleiber für Forschung und Wissenschaft. "Unsere atypische Mission hat ein breites Echo gefunden, sowohl auf Regierungsseite als auch in den Medien. Wir konnten das Bild einer dynamischen und innovativen Schweiz übermitteln." Trotzdem ist bei der Premiere nicht alles rund gelaufen.

Zu wenig interne Kommunikation

So haben die Synergien in der Schweizer Delegation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft nicht gespielt. "Wir haben zu wenig untereinander kommuniziert, vielleicht auch auf Grund des zu dichten und reichhaltigen Programms", meint Charles Kleiber gegenüber swissinfo. Besser als die vielen Einzelthemen wäre vielleicht ein einziges, aber fächerübergreifendes Thema gewesen.

Nicht immer geglückt ist auch die Integration von chinesischen Teilnehmern in die diversen Seminare. Auf extrem geringes Interesse stiess der Workshop zum öffentlichen Verkehr. Nur wenige chinesische Gäste kamen; zudem waren sie passiv und wenig interessiert. Allerdings waren auch die Referate einiger Schweizer Delegierte wenig anregend....

Zu viele Hoffnungen?

Vielleicht waren die Erwartungen zu hoch geschraubt. Vielleicht hatte man sich nicht genügend auf China und seine Kultur vorbereitet. Jedenfalls blieb ein Teil der 90 Schweizer Delegationsteilnehmer am Ende der Reise sichtlich enttäuscht.

"Für viele handelte es sich um eine Erkundungstour. Und dies haben wir schon vor der Reise klar gemacht. Nicht alle Teilnehmenden wussten, was sie erwartet", bilanziert David Syz.

Doch welche konkreten Ergebnisse bringt die Swiss Innovation Week? Kurzfristig gibt es kaum welche. Die Wirtschaftsvertreter hoffen, dass die Kontaktaufnahme zu konkreten Projekten der Zusammenarbeit führt.

Die Vertreter aus Wissenschaft haben gemäss Charles Kleiber eine neue Strategie in Bezug auf China festlegen können: "Es handelt sich nicht um Entwicklungshilfe: der Standard ist weit fortgeschritten. Es geht jetzt um neue Partnerschaften, beispielsweise um Joint-Labs in Shanghai und anderen Orten. Wir müssen die Finanzierung dieser Projekte angehen."

Neue Ansätze finden

Eines wurde klar: China ist kein "jungfräulicher" Markt. Im Jahr 2001 haben insgesamt 70 internationale Delegationen das Reich der Mitte besucht. Dieses Kommen und Gehen hat mit Sicherheit das Interesse auf chinesischer Seite für diese Art der Kontaktaufnahme sinken lassen. Zudem besteht ein kulturelles Problem.

"Die westliche und die chinesische Welt sind vollkommen unterschiedlich, auch in Bezug auf die Abwicklung von Geschäftsbeziehungen", meint der Sinologe Gérald Béroud. In China sei alles auf den persönlichen Kontakt der Geschäftspartner ausgerichtet. Die zwischenmenschliche Beziehung sei wesentlich wichtiger als eine Marktstudie oder irgendein Workshop.

"Das Vertrauen von chinesischen Partnern muss langsam und geduldig erworben werden. Gemeinsame Abendessen und das Gespräch über die jeweiligen Familien und andere persönliche Angelegenheiten, die in der westlichen Welt keine Rolle spielen, sind in China fundamental", unterstreicht Béroud. Diese Beziehungen müssten gepflegt werden, zwischen den einzelnen Politikern, aber auch zwischen den Unternehmen.

Wer also im Geschäft mit dem Reich der Mitte Erfolg haben will, hat einen langen und steinigen Weg vor sich. Mega-Events wie die Swiss Innnovation Week reichen sicher nicht aus.

Marzio Pescia, Peking-Shanghai
(Übertragung aus dem Italienischen: Gerhard Lob)

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