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Ehre für Carla Del Ponte

Carla Del Ponte wird für ihren Kampf gegen Kriegsverbrechen und Völkermord geehrt.

(Keystone)

Carla Del Ponte, die Schweizer Chefanklägerin des Kriegsverbrecher-Tribunals der UNO in Den Haag, ist mit dem Westfälischen Friedenspreis ausgezeichnet worden.

Die frühere Schweizer Bundesanwältin teilt sich die mit 50'000 Euro (73'500 Franken) dotierte Auszeichnung mit der deutschen Jugendorganisation "Schüler Helfen Leben". Del Ponte und die Jugendorganisation wurden geehrt für ihr Engagement für Frieden und Gerechtigkeit nach den Kriegen auf dem Balkan.

Mut und Hartnäckigkeit

Carla Del Ponte sei "eine mutige Frau, die uns allen Mut macht", sagte Laudator Hugo Müller-Vogg am Samstag bei der Preisübergabe in der deutschen Stadt Münster. "Bisher galt die Regel, dass Tyrannen ausserhalb des eigenen Landes nichts zu befürchten haben", führte der Publizist aus. Das UNO-Tribunal habe diese Grundregel nun durchbrochen. "Es ist ein Triumph der Menschlichkeit, aber auch ein Triumph der Vernunft."

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement würdigte die Arbeit der 54-jährigen Tessinerin als "ein Stück Realpolitik im besten Sinne". Er sprach den Wunsch aus, dass auch die bisher noch nicht gefassten mutmasslichen Kriegsverbrecher auf dem Balkan wie Serbenführer Radovan Karadzic und sein Militärchef Ratko Mladic aufgespürt und nach Den Haag ausgeliefert werden. Weiter würdigte Clement Del Ponte als "personifizierte Hartnäckigkeit".

Grosser Ansporn

Del Ponte sagte bei der Verleihungsfeier im historischen Rathaus von Münster, mit dem Jugoslawien-Tribunal in Den Haag und dem Ruanda-Tribunal in Arusha werde verhindert, dass Kriegsverbrechen geleugnet und vergessen würden. "Die blosse Existenz dieser beiden Gerichte ist die kraftvollste Botschaft für alle potenziellen Täter, dass niemand, aber auch niemand über dem Gesetz steht."

Weiter erklärte die UNO-Chefanklägerin: "Keine Gesellschaft kann es sich leisten, Massenmörder frei herumlaufen zu lassen. Die Täter müssen bestraft werden. Das sind wir den Opfern einfach schuldig." Die Auszeichnung, sagte Carla Del Ponte weiter, sei "ein grosser Ansporn für mich und meine Institution".

Beeindruckende Jugendinitiative

Die zusammen mit der UNO-Chefanklägerin ausgezeichnete Jugendinitiative "Schüler Helfen Leben", an der sich Zehntausende Schüler und Schülerinnen aus Rheinland-Pfalz und Norddeutschland beteiligen, leistet seit 1992 freiwillige Arbeit auf dem Balkan. Die Jugendlichen engagierten sich unter anderem in Flüchtlingslagern und errichteten in Sarajevo ein Jugendbegegnungszentrum.

"Für mich ist die Aktion 'Schüler Helfen Leben' ein beeindruckender Beweis gegen Gleichgültigkeit und für die Bereitschaft junger Menschen, sich für ihre Mitmenschen und für den Frieden zu engagieren", sagte Wolfgang Clement über die Schülerinitiative als zweiten Preisträger.

Laudator Hans Koschnick, der als früherer EU-Verwalter von Mostar selbst mit Mitgliedern der Aktion zusammenarbeitete, würdigte die Schüler als selbstlos, risikobereit und hartnäckig in ihren Zielen.

Havel und Kohl

Der Westfälische Friedenspreis wird in diesem Jahr zum dritten Mal vergeben. Er erinnert an den Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück, der 1648 das Ende des Dreissigjährigen Krieges besiegelte. Der Preis wurde 1998 zum 350. Jahrestag des Westfälischen Friedens erstmals verliehen.

Gestiftet wurde der Preis von der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe. Eine internationale Jury bestimmt auf Vorschlag der Stifter-Gesellschaft die Preisträger.

Erste Preisträger waren der tschechische Präsident Vaclav Havel und die baskische Schülerorganisation "Gesto por la paz". Im Jahr 2000 ging der Preis an den deutschen CDU-Altkanzler Helmut Kohl und zwei Gymnasien aus Soest und Breslau. Kohl nahm die Auszeichnung wegen seiner Verwicklung in die CDU-Spendenaffäre erst im Herbst 2001 entgegen.

Scharfe Sicherheitsvorkehrungen

Während des Festakts galten scharfe Sicherheitsvorkehrungen. Ausser deutschen waren auch Polizeibeamte aus der Schweiz anwesend. Del Ponte hatte als Schweizer Bundesanwältin mit dem italienischen Mafia-Jäger Giovanni Falcone zusammengearbeitet und war 1988 gemeinsam mit ihm knapp einem Bombenattentat entgangen. Falcone fiel später einem weiteren Anschlag zum Opfer.

swissinfo und Agenturen


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