Ein Dorf wehrt sich gegen die Klimaerwärmung

Der Schafberg: Mächtiger Wächter über Pontresina. swissinfo.ch

Pontresina trifft Sicherheitsvorkehrungen: Weil der Permafrost schmilzt und das Dorf gefährdet, baut es einen Damm. Damit wappnet sich das Bünder Dorf gegen mögliche Gefahren, welche durch die Klima-Erwärmung ausgelöst werden könnten.

Dieser Inhalt wurde am 09. September 2001 - 13:52 publiziert

Das Dorf im Kanton Graubünden ist das erste Bergdorf, das auf die Klimaerwärmung reagiert. Für 7 Mio. Franken wird hinter dem Dorf ein Damm gebaut, der Steinschlag und Erdrutsche aufhalten soll.

Eine Studie zeigt, dass der Schafberg hinter dem Dorf nicht nur aus Fels besteht. Teile des Berges sind Permafrost, festgefrorene Erde und Gestein. Die Forschungen, die zwischen 1987 und 1999 gemacht wurden, zeigen, dass die Grundtemperatur ständig steigt. In gewissen Gebieten erreicht sie gar den Schmelzpunkt.

Schuld ist die Klimaerwärmung

Wahrscheinlich ist die Klimaerwärmung verantwortlich für den Temperaturanstieg, meint Felix Keller, Permafrost-Experte der Engadiner Akademie und Mitglied des Forschungsteams.

"Permafrost passt sich dem Wetter und klimatischen Veränderungen an. Dessen Schmelze in den Alpen zeigt, dass die Klimaerwärmung ernst genommen werden muss."

Schmilzt der Permafrost des Schafberges, wird Pontresina weggeschwemmt, warnt Keller. "Wir haben hier 100'000 Kubikmeter Erde und Gestein. Kommt es zu einem Erdrutsch, wäre dies für Pontresina katastrophal."

Zwar sei die Wahrscheinlichkeit eines Unglücks sehr gering, so Keller. Wenn aber die Temperaturen steigen, steigt auch die Gefahr.

Grosser Bau ohne Opposition

Der Damm ist das grösste Bauvorhaben Pontresinas. Bagger, Bulldozer und Lastwagen sind Tag für Tag im Einsatz. Über 1'000 Bäume wurden bereits abgeholz, um dem Damm Platz zu machen. Doch Opposition gegen den Bau hat es in Pontresina nicht gegeben. Weder von der Bevölkerung, noch von Umweltverbänden.

"Niemand will mit der Bedrohung einer Naturkatastrophe leben", begründet Gemeindepräsident Eugen Peter die fehlende Opposition. "Auch wenn das Risiko noch so gering ist, will niemand die Verantwortung tragen, trotz Warnung nicht gehandelt zu haben."

Den Pontresinern ist das Bild von Gondo präsent, wo eine Schlammlawine 13 Menschen in den Tod riss. Und nicht nur Pontresina ist gefährdet. Vier bis sechs Prozent der Schweiz ist mit Permafrost bedeckt. Über 300 Gondelbahnen und Sessellifte sind im Permafrost verankert. Doch nicht nur die Schweiz, ganz Europa leidet an den Folgen der Erderwärmung.

Imogen Foulkes

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