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Ein Mann mit einer Mission - Bertrand Piccard in Boston

Bertrand Piccard (r.) und der US-Astronaut Jeffrey A. Hoffmann im Hörsaal am MIT.

(swissinfo.ch)

Der Schweizer Psychiater und Abenteurer Bertrand Piccard hat mit seinem Projekt SolarImpulse einen Paradigmenwechsel hin zu einer nachhaltigen Entwicklung im Visier.

Bei einer Vortragsserie in Boston sprach Piccard über sein Projekt für eine Erdumrundung mit einem Solarflugzeug, aber auch über Pioniergeist und die Symbolkraft des Ballonfahrens für das Leben.

"Bei SolarImpulse geht es mir nicht um einen persönlichen Rekord", sagt Piccard im Gespräch mit swissinfo in Boston.

"Wir wollen ein Zeichen setzen für die nachhaltige Entwicklung. Wir müssen neue Lösungen finden im Umgang mit den Ressourcen, denn die heutige Energieverschwendung bedroht die Zukunft unseres Planeten", so der Ballonfahrer.

"Die nachhaltige Entwicklung, die neben umweltrelevanten auch soziale Aspekte umfasst, ist eine der grössten Herausforderungen unserer Zeit", ist Piccard überzeugt. Es brauche dringend mehr Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Ökologie.

Die Umrundung der Erde im Heissluftballon, mit der Piccard und Brian Jones 1999 international Schlagzeilen machten, wird oft als letztes Abenteuer des 20. Jahrhunderts bezeichnet. "Bei den Abenteuern des 21. Jahrhunderts geht es um die Erforschung besserer Lebensqualität", sagt Piccard.

Mit seinen Auftritten will er einerseits den Dialog zwischen verschiedensten Kreisen fördern, andererseits eine Seite der Schweiz zeigen, die über Klischees wie Schokolade, Banken und Uhren hinausgeht.

Sein Projekt ist ein Beispiel für eine innovative Schweiz, wobei diese in jenem Bereich nach seiner Ansicht noch mehr tun könnte.

Kein Traum, eine Vision

"Ich will das Verständnis dafür wecken, dass nachhaltige Entwicklung nicht bedrohlich ist für die Zukunft, sondern eine wirtschaftlich verlockende Herausforderung, die sich für alle lohnt." Es sei höchste Zeit, dass politische Entscheidungsträger und Wirtschaftskapitäne dies realisierten.

Piccard: "Das ist kein Traum, sondern eine Vision." Visionen könne man umsetzen, Träume hingegen seien zu Ende, sobald man aufwache.

Um neue Wege zu finden, müsse man eingefahrene Denkmuster verlassen. "Wir alle sollten im Leben immer wieder neue Türen öffnen, neue Horizonte erforschen. Wir müssen uns dem Unbekannten stellen, Herausforderungen annehmen, aus Krisen lernen."

Die Sackgasse

Das Vorhaben, um die Welt zu fliegen, ohne Treibstoff zu verbrauchen, sei nicht verrückt, sagt der Waadtländer Psychiater. "Verrückt wäre es, wenn wir weiter so viel Erdöl verbrauchen wie heute."

Das führe nur in eine Sackgasse. Vor vier Jahren habe ein Fass Rohöl noch 29 Dollar gekostet, mittlerweile seien es fast 100. Wenn das Erdöl noch viel teurer werde, drohten Unruhen und Kriege. Menschen, die nichts mehr zu verlieren hätten, würden schliesslich auch gefährlich.

Schon allein deshalb sei es schlicht dumm, nicht mehr zu tun für den Schutz der Umwelt und für soziale Gerechtigkeit. Der Kampf gegen die Armut sei nicht nur eine Frage der Moral.

"Wir können es besser machen, wir können einen Paradigmenwechsel herbeiführen. Und jeder Einzelne kann dazu beitragen."

Winde des Lebens

An der Boston University, am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge und am Flughafen Logan sprach Piccard dann anhand seiner Erfahrungen als Ballonfahrer über die Herausforderungen der heutigen Zeit.

Mit dem Ausdruck "Winde des Lebens" zeigte Piccard die Symbolkraft des Ballonfahrens für das Leben auf. Wenn man im Ballon in die falsche Richtung fahre, müsse man die Flughöhe ändern, um bessere Winde zu finden.

Auch im Leben solle man sich immer wieder anpassen, Ballast über Bord werfen. Ein Abenteuer sei vor allem die Nutzung des eigenen Potenzials. "Dazu brauchen wir wie der Ballonfahrer auch im Leben 'Meteorologen', Leute, die uns helfen."

Zur Gestaltung der Zukunft brauche es Pioniergeist. Das bedeute neben Neugierde und Ausdauer Respekt vor dem Unbekannten, aber auch vor den Mitmenschen. Man müsse die eigenen Erfahrungen mit denen anderer vergleichen, andere Meinungen respektieren, um neue Ideen zu finden.

Neugierde bringe Menschen dazu, Gewissheiten und Sicherheiten zu hinterfragen, neue Wege zu suchen. Damit stosse man zwar oft auf Unverständnis oder Ablehnung, sagte Piccard unter Hinweis auf Beispiele aus der Vergangenheit wie Galilei oder seinen Grossvater Auguste Piccard.

Begeistertes Publikum

Mit seinem engagierten Votum, den Bildern, die seine Ausführungen untermalten, und dem zum Schluss eingespielten Song "Imagine" von John Lennon zog Piccard das Publikum in seinen Bann.

Jung und alt im Publikum, Studierende genauso wie gestandene Professoren zeigten sich für die Botschaft empfänglich. "Inspirierend, brillant": Das waren Worte, die man in den Reaktionen immer wieder hörte.

Viele Leute aus dem Publikum verwickelten Piccard in Gespräche, die sich von Gesundheitsfragen bis hin zu Atomenergie, Wasserproblemen aber auch über weitere technische Belange zu seinem Solarflieger erstreckten.

swissinfo, Rita Emch, Boston

In Kürze

Organisiert wurden die Auftritte Piccards von Swissnex, dem Schweizer Wissenschafts- und Forschungskonsulat in Boston, im Rahmen von "ThinkSwiss", dem diesjährigen Programm von Präsenz Schweiz in den USA.

Beteiligt sind auch das Staatssekretariat für Bildung und Forschung und das schweizerische Aussenministerium.

"ThinkSwiss" soll der Schweiz neue Partnerschaften mit amerikanischen Institutionen und der Privatwirtschaft bringen. Besonderes Augenmerk wird auf die Bereiche Forschung, Bildung und Innovation gelegt - dazu passt Piccard mit seinem Projekt SolarImpulse bestens.

Im Verlauf seines Besuchs führte der Waadtländer auch eine ganze Reihe von Gesprächen mit Professoren verschiedenster Forschungsrichtungen. Darunter der frühere Astronaut Jeffrey A. Hoffmann, der auch mit dem Schweizer Claude Nicollier im All unterwegs gewesen war.

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Eine Familie von Pionieren

Die Schweizer Familie Piccard hat schon in drei Generationen Pionier-Geschichte geschrieben.

Bertrand Piccard (und Brian Jones) umrundeten 1999 als erste Menschen die Welt in einem Ballon (Längenrekord).

Bertrands Vater Jacques Piccard hält seit 1960 mit 10'914 Metern den Tiefsee-Tauchrekord; mit dem U-Boot Bathyscaphe war er mit Don Walsh in den Marianengraben getaucht.

Und Bertrands Grossvater Auguste stiess 1931 mit einem Ballon als erster Mensch in die Stratosphäre (auf über 15'000 Meter) vor.

Es heisst auch, das Auguste Piccard den belgischen Comicautor Hergé für die Figur des Professor Bienlein in den Geschichten von Tim und Struppi inspiriert hatte.

Jetzt plant Bertrand Piccard mit seinem Partner André Borschberg im Jahr 2011 mit einem Solarflugzeug (Spannweite: 80 Meter, Gewicht: 2 Tonnen) in fünf Etappen die Welt zu umrunden. Piccard ist verheiratet und Vater von drei Töchtern im Alter von 13, 15 und 17 Jahren.

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