Elf-Aquitaine-Skandal ohne Ende

Brisant und immer noch ungeklärt sind die Hintergründe der Privatisierung der ostdeutschen Ölraffinerie Leuna (im Bild). Kassierten die deutschen Christdemokraten bei dieser Gelegenheit von Elf-Aquitaine Schmiergelder? Keystone Archive

Die Korruptions-Affäre Elf-Aquitaine kommt nicht zur Ruhe: Die Genfer Justizbehörden eröffnen gegen einen griechischen Financier ein Verfahren wegen Geldwäscherei.

Dieser Inhalt wurde am 22. Oktober 2001 - 15:43 publiziert

Der griechische Financier wird verdächtigt, Alfred Sirven bei der Verwischung der Herkunft von 50 Mio. Schweizerfranken unterstützt zu haben. Sirven war die Nummer Zwei des französischen Ölkonzerns Elf-Aquitaine, dem einstigen Staatsunternehmen, das in der Zwischenzeit im Konzern Total-Elf-Fina aufgegangen ist.

"Direktor für Allgemeine Angelegenheiten"

Alfred Sirven war eine der Hauptfiguren in der Korruptions- und Schmiergeld-Affäre, welche die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" als "einen der grössten Finanzskandale der Fünften Republik" bezeichnete. Sirven leitete in seiner bei Elf ausgeübten Funktion als so genannter "Direktor für Allgemeine Angelegenheiten" zwischen 1989 und 1993 mehrere Milliarden Francs in eine "schwarze Kasse", die zur Bezahlung von Schmiergeldern verwendet wurde.

Nach fast vierjährigem Untertauchen war Sirven im vergangenen Februar auf den Philippinen verhaftet und über Deutschland nach Frankreich zurückgebracht worden. In der Folge blieb er dem gegen ihn laufenden Prozess fern und harrte stumm in der Untersuchungshaft-Zelle im Santé-Gefängnis aus. Das Gericht bestrafte Sirven wegen Veruntreuung von Firmengeldern mit 4 Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von über 2 Mio. Francs.

Politische Hintergründe nicht geklärt

Aus formaljuristischen Gründen kam am Prozess das mutmassliche Motiv der Schmiergeld-Zahlungen nicht zur Sprache: Dunkle Machenschaften, in welche Politgrössen wie François Mitterand und Helmut Kohl verwickelt gewesen sein sollen.

Diese Verdachts-Momente nährten sich unter anderem von einer viel zitierten Aussage, die Alfred Sirven kurz vor seinem Untertauchen gemacht hatte: "Ich könnte die Republik zwanzig Mal in die Luft sprengen."

Der griechische Financier, gegen den die Genfer nun ein Verfahren eingeleitet haben, ist gemesssen an den riesigen Ausmassen des Skandals ein verhältnismässig "kleiner Fisch". Die vom Griechen angeblich gewaschenen Millionen soll Sirven für seine Flucht aus Frankreich und für den anschliessenden Aufenthalt auf den Philippinen benutzt haben.

Über Lausanne nach Lichtenstein

Laut einer mit der Untersuchung vertrauten Person wurde das von Alfred Sirven ursprünglich in Lausanne deponierte Geld 1996 nach Liechtenstein überwiesen.

Ein Teil davon kam zurück in die Schweiz, der andere Teil des Geldes tauchte in Finanzinstituten auf Jersey wieder auf. Ungefähr 12 Mio. Schweizerfranken stellten die Genfer Behörden sicher.

Im Rahmen der laufenden Untersuchungen hatten die Genfer Justizbehörden bereits ein Dutzend Personen angeklagt. Darunter sind sowohl schweizerische als auch französische Staatsbürger.

Felix Münger und Agenturen

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