Engere Forschungs-Kooperation

Der Schweizer Wissenschafter Peter Schmid in den Höhlen von Gladysvale bei einem Ausgrabungsprojekt in der südafrikanischen Provinz Gauteng. swissinfo.ch

Die Schweiz und Südafrika wollen ihre Zusammenarbeit in der Forschung verstärken. Hochschulen sollen sich gegenseitig bereichern.

Dieser Inhalt wurde am 01. Juli 2005 - 14:48 publiziert

Die beiden Länder haben deshalb in Bern ein "Memorandum of Understanding" unterschrieben.

Das Dokument wurde vom südafrikanischen Minister für Wissenschaft und Technologie, Mosibudi Mangena, und Staatssekretär Charles Kleiber unterzeichnet. Mangena weilte zu einem viertägigen Besuch in der Schweiz.

Ziel des Memorandums sei, den Austausch von Wissen zu institutionalisieren, sagt Claudio Fischer, Chef der Abteilung bilaterale Forschungs-Zusammenarbeit beim Staatssekretariat für Bildung und Forschung (SBF).

"Das Memorandum ist ein weiteres Zeichen eines Prozesses, der letztes Jahr mit einem Besuch von Staatssekretär Kleiber in Südafrika begonnen hat, wo eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet wurde", so Fischer zu swissinfo.

Ein politischer Schritt

Mit dem Memorandum ist jetzt eine formelle Arbeitsgruppe gebildet worden, die von Fischer und seinem südafrikanischen Partner geleitet wird. "Wir möchten die Arbeiten der wissenschaftlichen Experten begleiten, die wir beauftragt haben, eine Strategie zu entwickeln und die Bedürfnisse und Interessen der Hochschulen zu definieren."

In einem weiteren Schritt möchte man - als politischen Abschluss - ein formelles Abkommen unterzeichnen und in der nächsten Finanzierungsphase Mittel von beiden Seiten zur Verfügung stellen, um die Zusammenarbeit dann wirklich zu unterstützen, so Fischer weiter.

Mehrwert für beide Seiten

Die Bereiche, die sich für eine konkrete Zusammenarbeit herauskristallisieren, sind laut Fischer noch nicht definitiv bestimmt, "ausser Life Sciences, Nanotechnologie und Physik, die allerdings sehr breit sind". Hier müsse man noch im Detail schauen, wo die Stärken und die Schwächen lägen.

"Unser Ansatz ist eigentlich, dass alles relativ offen sein sollte." Man müsse versuchen, die Interessen aller Institutionen mit einzubeziehen. "Die Frage muss sein: Wo ist eine verstärkte Zusammenarbeit ein Mehrwert für beide Seiten?"

Vorstellbar sei eine Kooperation bei der Malaria- oder vor allem der Aids-Forschung, sagte Fischer weiter. "Da kann man von beiden Seiten lernen, hier vielleicht mehr das theoretische Know How, in Südafrika vor allem die klinischen Versuche, die immer sehr wichtig sind."

Engagement für Bildung und Forschung

Wie in vielen anderen Ländern gebe es auch in Südafrika gute und schlechte Forschungs-Möglichkeiten, erklärt Fischer. Die südafrikanische Regierung habe aber ganz klar den Willen, in Bildung und Forschung zu investieren. Das sei ein wichtiger Schritt für den Demokratisierungs-Prozess und den sozialen Zusammenhalt des Landes.

"Dieser Wille und die Tatsache, dass es in Südafrika bereits heute Spitzenuniversitäten gibt, die nicht nur im Land selber tätig, sondern für eine ganze Region Standort sind, macht das Land für die Schweiz interessant."

Im August 2002 hatten der Schweizerische Nationalfonds (SNF) und die südafrikanische Stiftung für Forschungsförderung ein Abkommen geschlossen zur Unterstützung der wissenschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. In einem Pilotprojekt für drei Jahre war die Schweiz in Südafrika mit einer Diplomatin als Wissenschaftsattaché vertreten.

Durchzogene Bilanz

Fischer zieht eine durchzogene Bilanz der dreijährigen Pilotphase. "Ehrlich gesagt, man hat das Abkommen zu wenig genutzt. Und das wurde von beiden Seiten bestätigt. Es ist relativ wenig passiert. Dieses Abkommen sollte ja dazu dienen, dass Workshops und Seminare finanziert werden, bei denen die Forscher zusammenkommen."

Mit dem Besuch des südafrikanischen Ministers sei jetzt aber eine neue Dynamik entstanden. "Wichtig ist, dass wir vom Staatssekretariat für Bildung und Forschung mit dem Nationalfonds und der südafrikanischen Stiftung für Forschungsförderung konkret zusammenarbeiten und die beiden Institutionen in unsere Strategie einspannen", so Fischer.

Zukunftsgerichtet

Man wolle das Abkommen jetzt ausnutzen und gewisse Mittel zur Verfügung stellen, um die Forscher aus beiden Ländern zusammenzubringen. "Schlussendlich sollen die Forscher uns sagen, wie die Strategie aussehen muss", sagt der SBF-Vertreter.

Beim Nationalfonds will man nicht auf die dreijährige Pilotphase zurück, sondern nach vorne blicken. Jean-Jacques Possa, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim SNF, gibt sich nach dem Besuch des südafrikanischen Ministers gegenüber swissinfo optimistisch.

Für Possa besonders erwähnenswert im Rahmen des Abkommens mit dem südafrikanischen Partner ist das Projekt "Science studies in the south" an der Universität Kapstadt. Es wird von einer Wissenschafterin geleitet, die schweizerisch-südafrikanische Doppelbürgerin ist. "Für uns ist es sehr wichtig, dass die Forscherinnen und Forscher das Land gut kennen."

swissinfo, Jean-Michel Berthoud

Fakten

August 2002: Schweizerisch-südafrikanisches Abkommen zur Förderung der wissenschaftlichen Beziehungen.

November 2004: Gemeinsame Absichtserklärung zum Ausbau der Beziehungen in den Bereichen Wissenschaft und Technologie.

Juni 2005: Memorandum of Understanding.

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In Kürze

Südafrikas Minister für Wissenschaft und Technologie, Mosibudi Mangena, besuchte Ende Juni die Schweiz. Dabei traf er Innenminister Pascal Couchepin.

Mangena besuchte auch die Universitäten Bern und Basel, die ETH Lausanne sowie das CERN und das Institut universitaire d'études du développement (IUED) in Genf.

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