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Erste Schweizer Babyklappe

Verzweifelte Mütter können ihre Babys im "Babyfenster" in Einsiedeln zurücklassen. (Bild: SHMK)

Das Regionalspital Einsiedeln hat am Mittwoch (09.05.) ein sogenanntes Babyfenster eröffnet. Mütter, die ihr Neugeborenes nicht behalten können oder wollen, können es dort anonym abgeben. Für Fachleute ist dies rechtlich und ethisch problematisch.

Das Babyfenster, auch Babyklappe genannt, sei ein Hilfsangebot für Mütter in extremen Situationen, teilte die Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind (SHMK), Mitorganisatorin des Projekts, mit. Mütter in auswegloser Lage könnten ihr Neugeborenes anonym in das Fenster legen, dieses schliessen und sich entfernen.

Daraufhin gibt es im Spital verzögert Alarm, das Pflegepersonal nimmt sich des Kindes an. Damit komme das Baby in gute Hände, schreibt die SHMK. Die Mutter verdiene Achtung, denn sie wolle für das Kind nur das Beste. Sie hat dann während sechs Wochen das Recht, das Baby zurückzufordern.

Rechtlich und ethisch problematisch

Der Aussetzung macht sich gemäss Strafgesetzbuch schuldig, wer sein Kind in eine Gefahr bringt. Die SHMK erachtet die Abgabe eines Kindes durch das Babyfenster als legal.

Für Thomas Sutter hingegen, Jurist im Eidg. Justiz- und Polizeidepartement, ist das Zurücklassen eines Babys hinter dem Fenster dagegen «rechtlich problematisch». Ebenso wie die Aussetzung sei die anonyme Abgabe eines Kindes in einem Spital nicht zulässig.

Auch aus ethischer Sicht sei die Situation problematisch, sagte Rebecca Iseli vom Institut für Philosophie der Universität Bern. Heikel sei vor allem die Anonymität der Mutter. Es müsse eine umfassende Lösung gesucht werden, bei der neben dem Kind auch die Mutter einbezogen würde, die in ihrer verzweifelten Situation ebenfalls Hilfe benötige.

Kinderaussetzungen selten

Kindesaussetzungen kommen in der Schweiz nicht häufig vor. In den vergangenen drei Jahren wurden mindestens fünf Neugeborene ausgesetzt, die meisten davon 1998. Im Kanton Zürich gibt es laut Polizeiangaben durchschnittlich einen Fall von Kindesaussetzung pro Jahr.

Die SHMK ist die Initiantin der im November 1999 eingereichten Initiative «Für Mutter und Kind». Danach soll die Abtreibung nur dann straffrei sein, wenn sich eine akute und körperlich begründete Lebensgefahr für die Mutter anders nicht abwenden lässt.

Babyklappen und anonyme Geburten

Im Ausland gibt es bereits sogenannte Babyfenster oder Babyklappen. In Deutschland startete das Projekt Findelbaby Ende 1999 mit der Schaffung einer anonymen Abgabestelle für Findelkinder in Hamburg. Inzwischen gibt es in Deutschland 21 solcher Einrichtungen. Einen «Babyboom» gibt es in der Babyklappe jedoch nicht: In Hamburg wurden laut dem Projekt Findelbaby bislang acht Kinder abgegeben.

Auch in Österreich wurden bereits Babyklappen eröffnet. Ähnliche Einrichtungen gibt es in anderen europäischen Ländern sowie in den USA und in Südafrika. In Frankreich haben Frauen die Möglichkeit, ihre Kinder in einem Spital anonym zu gebären.

swissinfo und Agenturen

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