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ETH Lausanne will höher in den Weltraum hinaus

Affiche der EPFL für das Projekt "Space Center".

(epfl.ch)

Der Schweizer Astronaut Claude Nicollier hat im April seine ersten Vorlesungen an der ETH Lausanne gehalten – im Rahmen einer europäischen Studenten-Konferenz über Mikro-Satelliten und der Schaffung eines "Space Center".

Die neue Struktur soll die Weltraumforschung optimieren.

Formell ist Claude Nicollier schon seit 1994 Professor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL). Doch hat der Waadtländer Astronaut, Testpilot und Astrophysiker erst in diesem Monat seine ersten Vorlesungen gehalten.

Thema waren die Weltraum-Technologien und -Operationen - ein historisch-wissenschaftlicher Tour d'horizon über die Eroberung des Weltraums. Die Vorlesungen hatten Erfolg: Gegen 400 Studentinnen und Studenten hörten Nicollier zu.

Der Satellit der Studenten

Die Begeisterung der künftigen wissenschaftlichen Elite für die Weltraumforschung beschränkt sich nicht nur aufs Zuhören. Seit vier Jahren ist eine Gruppe von Studenten im sogenannten SSETI-Programm engagiert. SSETI steht für "Studenten-Initiative zur Weltraum-Technologie-Forschung".

Ziel des Programms ist die Konstruktion eines Mikro-Satelliten, mit Beteiligung kompetenter Kräfte an 20 Hochschulen in ganz Europa. Der einige 100 Kilo schwere Satellit könnte noch in diesem Jahr von der Europäischen Raumfahrt-Agentur (ESA), der Initiantin des Projektes, gestartet werden.

Während drei Tagen organisiert das SSETI auf dem Lausanner Campus eine Reihe von Vorlesungen über Mikro-Satelliten. Studenten aus ganz Europa können sich mit Vertretern der ESA und der Raumfahrtindustrie unterhalten.

"An der EPFL herrscht eine grosse Dynamik", erklärte Professor Roland Siegwart von der EPFL im Westschweizer Radio. "Diese Vorlesungen wurden von den Studenten der EPFL für ihre europäischen Kommilitonen organisiert."

Synergie der Kräfte

Aber das ist nicht alles. In einigen Tagen wird die EPFL offiziell die Eröffnung ihres "Space Center" ankündigen.

"Das ist weder eine Mini-Raumfahrt-Agentur noch ein Lehrstuhl", betont Professor Siegwart, der designierte wissenschaftliche Leiter des Zentrums. "Es ist eher eine Plattform zur Koordination der Projekte."

Das "Space Center" soll die Forschungsergebnisse im Weltraum-Bereich der EPFL und ihrer Partner bündeln. Zu ihnen gehören die Privatindustrie, aber auch andere Forschungslabors wie jene des Schweizerischen Zentrums für Elektronik und Mikrotechnik in Neuenburg.

"Es gibt überall eine ähnliche Problematik, darum ist es wichtig, dass sich die Leute kennen lernen, um besser zusammenarbeiten zu können", erklärt EPFL-Sprecher Nicolas Henchoz.

"So wird es für ein Unternehmen, das in dem Bereich arbeitet und mit einem Forschungslabor zusammenarbeiten möchte, leichter sein, an der Türe der EPFL anzuklopfen."

"Es gibt dann nur noch einen Gesprächspartner: das 'Space Center'. Das Zentrum weiss Bescheid über alle laufenden Projekte", so Henchoz.

Im Konzert der Grossen

Für Roland Siegwart haben Industrie und Forschung in der Schweiz die nötigen wissenschaftlichen Kapazitäten, um im Konzert der Grossen mitzumachen.

"Die Schweiz kann sich zu einem Weltpol im Bereich Mikrosysteme zur Welttraum-Erforschung entwickeln", erklärt EPFL-Professor. "Dazu müssen wir unsere Anstrengungen aber besser koordinieren. Das 'Space Center' übernimmt genau diese Rolle."

Die amerikanischen und europäischen Raumfahrt-Missionen verfügen bereits heute teilweise über Technologie "made in Switzerland". Kürzlich lieferte die Schweiz die Kameras für die Mars-Sonde "Beagle 2", über deren Schicksal die ESA allerdings leider immer noch nichts weiss.

Ebenfalls aus der Schweiz kamen die beiden Mars-Mini-Jeeps für das erfolgreiche Experiment der US-Raumfahrtbehörde NASA.

Zurück auf die Erde

Auf kritische Fragen, wozu es diene, so viel Geld in die Raumfahrt zu investieren, antwortet EPFL-Sprecher Henchoz, dass "viel von diesem Geld auf die Erde zurückfällt".

"Der Weltraum-Bereich ist eine sehr interessante Triebfeder. Er zwingt uns beispielsweise zum Bau von hoch entwickelten elektronischen Schallkreisläufen. Und die können für viele Leute nützlich sein."

Beispiele gefällig? Vom Teflon bis zum Klettverschluss – vom Weltraum sind schon viele Innovationen gekommen, die heute zu unserem täglichen Leben gehören.

Roboter, Solarzellen, Elektromotoren, optische Instrumente und vieles andere werden weiterhin vom Einfallsreichtum an der EPFL und anderswo profitieren und so Raumschiffe zum Funktionieren bringen.

swissinfo, Marc-André Miserez
(Übertragung aus dem Französischen: Jean-Michel Berthoud)

In Kürze

Als Gründungsmitglied der Europäischen Raumfahrt-Agentur (ESA) zahlt die Schweiz jährlich rund 120 Mio. Franken an die Institution.

Ungefähr 80% dieses Beitrages fliesst in die Schweiz zurück in Form von Aufträgen an die Industrie oder an Forschungslabors.

Der Raumfahrt-Sektor in der Schweiz beschäftigt etwa 800 Personen direkt und zwischen 2000 und 3000 indirekt.

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