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EU-Osterweiterung und Schweizer Landwirtschaft

Bauern bei der Arbeit in der Gegend von Pomurje (Slowenien).

(Keystone)

Mit der Osterweiterung nimmt die Zahl der Landwirte in der EU um fast 4 Millionen zu.

Während die direkten Auswirkungen auf die Schweizer Landwirtschaft relativ gering sind, werden die Aufhebung der Exportsubventionen und der Zollabbau weitreichende Konsequenzen haben.

"Die EU-Osterweiterung hat unmittelbar keine Auswirkungen auf die Schweizer Landwirtschaft", sagt Christian Häberli gegenüber swissinfo.

Für den Chef Internationales beim Bundesamt für Landwirtschaft ist klar: "Von viel grösserer Tragweite sind die Folgen des Agrar-Abkommens zwischen der Schweiz und der EU und die Verhandlungen innerhalb der WTO-Ministerkonferenz."

Das Agrar-Abkommen mit der EU wird in den kommenden drei Jahren vollumfänglich wirksam. Die WTO-Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Das Abkommen dürfte frühestens 2006 in Kraft treten.

Produkte müssen ab 1.Mai verzollt werden

Von den zehn neuen Ländern, welche am 1. Mai der EU beitreten, sind neun Länder im Agrar-Bereich Nettoimportländer. Einzig Ungarn weist einen Exportüberschuss auf.

Nach dem Nein zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) im Jahr 1992, hatte die Schweiz mit 8 der 10 (Ausnahmen: Zypern und Malta) Beitrittsländern multilaterale Abkommen abgeschlossen.

Diese beinhalten Zollerleichterungen für Einfuhren in die Schweiz. Nach dem 1. Mai müssen Landwirtschafts-Produkte aus diesen Ländern verzollt werden.

"Das hat zur Folge, dass etwa der polnische Wodka in der Schweiz vorübergehend teurer wird", führt Häberli aus.

Vorübergehend deshalb, weil das Agrar-Abkommen zwischen der Schweiz und der EU schrittweise alle Zölle für Landwirtschafts-Produkte abschafft.

Den grössten Marktanteil am landwirtschaftlichen Aussenhandel mit der EU hat der Käse. Das Agrar-Abkommen sieht eine vollständige Liberalisierung des Käsemarktes innerhalb der kommenden drei Jahre vor. Zölle und Exportsubventionen werden abgeschafft.

Milchpreis zunehmend unter Druck

Das Bundesamt für Landwirtschaft rechnet mit einem verstärkten Druck auf den Milchpreis. "Die Milchproduzenten werden den Milchpreis mittelfristig auf EU-Niveau senken müssen", so Christian Häberli.

"Schmelzkäse aus Polen, der direkt auf der Pizza landet, wird künftig in grösseren Mengen in die Schweiz importiert werden."

Auch der Grossverteiler Coop geht davon aus, dass die Osterweiterung direkt keine bedeutenden Auswirkungen auf die Schweizer Landwirtschaft haben wird. "Die neuen Länder sind Nettoimporteure und wenn ihnen Markt-Eroberungen gelingen, dann zuerst in der EU", ist Sibyl Anwander, Leiterin Wirtschaftspolitik bei Coop, überzeugt.

Tiefkühlprodukte aus Polen

"In Sachen Qualität besteht in diesen Ländern zudem ein enormer Nachholbedarf." Dennoch werde die Osterweiterung mittelfristig ein tieferes Preisniveau zur Folge haben und den Strukturwandel der Schweizer Landwirtschaft beschleunigen: "Polen ist bereits jetzt ein wichtiger Lieferant von Tiefkühlprodukten."

Der Schweizerische Bauernverband befürchtet, dass der Druck auf die Preise bereits durch die EU-Osterweiterung zunimmt. "Auf der andern Seite sehen wir aber auch zusätzliche Absatzmärkte", betont Heidi Bravo, Leiterin Agrarwirtschaft Internationales beim Schweizerischen Bauernverband gegenüber swissinfo.

"Besonders für qualitativ hochstehendenden Käse gewinnen diese Länder als Märkte an Attraktivität, denn auch dort gibt es kaufkräftige Bevölkerungsschichten."

Bravo ist überzeugt: "Die Osterweiterung und die Öffnung des Käsemarktes bergen Chancen, aber auch Risiken."

Die Schweizer Landwirtschaft müsse zunehmend unternehmerisch handeln und sich in Nischen positionieren. "Denn die Schweiz ist weder topographisch noch klimatisch ein idealer Standort für eine liberalisierte Landwirtschaft."

Der Bund unterstützt die Schweizer Bauern im Rahmen der Agrarpolitik 2007 während der nächsten vier Jahre mit 14 Mrd. Franken.

swissinfo, Andreas Keiser

In Kürze

Am 1. Mai treten Estland, Lettland, Litauen, Ungarn, Polen, die Tschechische Republik, die Slowakei, Slowenien, Zypern und Malta der Europäischen Union bei.

Ausser Ungarn sind alle diese Länder im Bereich Landwirtschaft Nettoimportländer.

Die Schweiz hat im vergangenen Jahr landwirtschaftliche Produkte im Wert von 7,05 Mrd. Franken eingeführt.

Die Landwirtschafts-Exporte betrugen 1,52 Mrd. Franken.

Der Anteil der Landwirtschafts-Importe aus den EU-Ländern betrug 69%.

76% der Landwirtschafts-Exporte gingen in EU-Länder.

Der gesamte Aussenhandel der Schweiz mit den zehn künftigen neuen EU-Ländern entspricht im Umfang dem Warenverkehr mit Spanien.

2003 betrug der Anteil der zehn künftigen EU-Länder bei den Gesamtexporten 2%. Bei den Importen waren es 2,9%.

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