Euro 2008: Innsbruck - Kaiser, Alpen und Moderne

Triumphpforte und Maria-Theresienstrasse: Hier entsteht eine Fanmeile für bis zu 100'000 Besucher. Keystone

"Goldenes Dachl" und moderne, spektakuläre Architektur, Lederhosen und Smoking, Goldmedaillen und Sprungschanzen, urchiger Berglerdialekt und babylonisches Sprachengewirr: Innsbruck definiert sich durch Gegensätze.

Dieser Inhalt wurde am 13. April 2008 - 15:16 publiziert

Wahnsinn! Der Anblick ist schon fast makaber: Sie stehen zuoberst auf der Bergisel-Sprungschanze und stellen sich vor, als Skispringer die schmale Spur herunterzurasen, vom Schanzentisch abzuheben. Und dann steuern Sie (optisch) geradewegs auf den weit unten liegenden Friedhof zu...

Die Skisaison ist vorbei, der spektakuläre Ausblick bleibt. Die Arena der von der irakischen Star-Architektin Zaha Hadid entworfenen Sprungschanze wird während der Euro 08 als Public Viewing-Ort genutzt – eine einmalige Kulisse für bis 15'000 Fans. Nur wenige Minuten ausserhalb der Stadt werden dort sämtliche Spiele auf die grösste Leinwand der Euro 08 direkt übertragen.

"Wir verstehen uns auch als Herz der Euro 2008, befinden wir uns doch geographisch genau in der Mitte. Von uns aus ist es gleich weit nach Basel und nach Wien", sagt Christoph Platzgummer, Vizebürgermeister und Vorsitzender des Innsbrucker Euro-2008-Organisationskomitees, gegenüber swissinfo.

Seegrube

Spektakulär ist auch die VIP-Public-Viewing-Arena auf der Seegrube, auf 2000 Metern Höhe. Es bietet sich ein weiter Blick bis in die italienischen Alpen, auf Innsbruck, das Inntal.

Erreichbar ist dieser Ort mit der ebenfalls von Zaha Hadid gestalteten avantgardistischen Hungerburgbahn, welche die Besucher am Alpenzoo vorbei zur Seilbahnstation transportiert. "In 25 Minuten bringen wir Sie vom Stadtzentrum auf rund 2000 Meter Höhe", erklärt Platzgummer stolz.

Die dritte offizielle Fanmeile befindet sich in der Innsbrucker Innenstadt. Sie bietet Platz für bis zu 100'000 Fans.

Das Tivoli-Stadion

Am 10., 14. und 18. Juni finden im extra für die Euro 2008 erweiterten und von der UEFA finanzierten Tivoli-Stadion in Innsbruck drei Spiele der Gruppe D statt. 30'000 Fans finden dort ihren Sitzplatz.

"Nach der Euro wird das Stadion wieder zurückgebaut", sagt Stadionmanagerin Bettina Regensburger. "Für die Spiele des FC Tirol und die österreichische Meisterschaft ist das Stadion zu gross."

"Grader Michl"

"Der typische Tiroler ist ein 'grader Michl', also einer der zuerst mal überlegt, was er sagt oder tut - dann aber auch dazu steht. Wenn er aber mal begeistert ist, dann marschiert er durch den Wald und die Bäume haben auszuweichen", charakterisiert Christoph Platzgummer.

Tirol wird seit jeher von den Unterschieden zwischen dem Ober- und dem Unterland geprägt. "Der Oberländer ist der kargere Menschenschlag, der ein hartes, entbehrungsreiches Leben führen musste. Der Unterländer war immer schon eher bayrisch orientiert, offener", sagt Monika Frenzel, Vorsitzende des Vereins "Per Pedes Tirol", der themenspezifische Führungen anbietet.

"Innsbruck befindet sich zwischen dem Ober- und dem Unterland und ist eine weltoffene Stadt. Man muss schon suchen, um einen kantigen Tiroler zu finden."

Gastfreundschaft

Tiroler Speckknödel, Kaasspätzle, Pilz- und Wildspezialitäten, hervorragend gekocht und in urchigem, gemütlichem Ambiente genossen, gehören zu den kulinarischen Highlights der Tiroler Metropole.

Dazu ein Bier. Oder vielleicht doch ein Schluck Wein aus dem italienischen Südtirol, bekannt durch seine lieblichen und deshalb gefährlichen Tropfen.

Die Tiroler Gastfreundschaft ist sprichwörtlich. Und doch hat man nicht den Eindruck, die Tiroler verbiegen sich deshalb vor dem Gast. Und den berühmt-berüchtigten "Wiener Schmäh" findet man hier selten.

Gestern und heute

Innsbruck ist einerseits geprägt durch seine historische Bausubstanz, durch seine Vergangenheit als Kaisersitz der Habsburger. Davon zeugt auch das weltberühmte "Goldene Dachl".

Der mit 2657 feuervergoldeten Kupferschindeln bedeckte Prunkerker mitten in der Innsbrucker Altstadt wurde unter Kaiser Maximilian I. um 1500 errichtet und ist auch heute noch eine Touristenattraktion ersten Ranges.

Auf keinen Fall verpassen darf man die Hofkirche mit dem pompösen Grabmal Maximilian des I. Heute noch bewachen 28 überlebensgrosse, die damalige Prominenz darstellende Bronzefiguren, das mit kunstvollen Reliefs verkleidete Grabmal. Zwei der eindrucksvollsten stammen von Albrecht Dürer.

Die Bergisel-Schanze und die Hungerburgbahn von Zaha Hadid sowie der Rathauskomplex vom französischen Architekten Dominique Perrault sind Beispiele für eine zukunftsorientierte Architektur, die dem historischen Innsbruck eine frische, in die Zukunft weisende Note vermitteln.

swissinfo, Etienne Strebel, Innsbruck

Wer spielt wann in Österreich

Wien: (Gruppe B)
08.06.: Österreich – Kroatien
12.06.: Österreich – Polen
16.06.: Österreich – Deutschland
20.06: Sieger Gruppe B – Zweiter Gruppe A
22.06.: Sieger Gruppe D – Zweiter Gruppe C
26.06.: Halbfinal
29.06.: Final

Klagenfurt: (Gruppe B)
08.06: Deutschland – Polen
12.06.: Kroatien – Deutschland
16.06.: Polen – Kroatien

Salzburg: (Gruppe D)
10.06.: Griechenland – Schweden
14.06.: Griechenland – Russland
18.06.: Griechenland – Spanien

Innsbruck: (Gruppe D)
10.06.: Spanien – Russland
14.06.: Schweden – Spanien
18.06.: Russland – Schweden

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Innsbruck früher

Um 15 v. Chr.: Römer errichten an der Strasse vom Brennerpass das befestigte Kastell Vedlidena.

1167: Innsbruck (Brücke über den Inn) wird zum ersten Mal unter diesem Namen erwähnt.

1420: Herzog Friedrich IV. macht Innsbruck zur Residenzstadt der Herzöge von Österreich.

1806 bis 1814: Tirol gehört zu Bayern. Innsbruck wird Ort der Freiheitskämpfe unter Führung des Landeshelden Andreas Hofer.

1938 bis 1945: Innsbruck ist mit Österreich Teil von Hitler-Deutschland.

1964 und 1976: Innsbruck trägt Olympische Winterspiele aus.

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Innsbruck heute

Innsbruck ist die Hauptstadt des österreichischen Bundeslandes Tirol.

Mit ca. 120'000 Einwohnern ist Innsbruck nach Wien, Graz, Linz und Salzburg die fünftgrösste Stadt Österreichs.

Im Ballungsraum leben rund 190'000 Menschen. Dazu kommen gegen 30'000 Studierende.

Jeden Tag übernachten rund 3000 Städtetouristen in Innsbruck.

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