Europa-Konferenz gegen zunehmendes Übergewicht

Übergewicht: Experten warnen vor einer Epidemie in Europa. imagepoint

Gesundheits-Minister und -Experten aus ganz Europa, inklusive der Schweiz, treffen sich in Istanbul, um eine Strategie gegen die Übergewichts-Epidemie zu entwickeln.

Dieser Inhalt wurde am 15. November 2006 - 11:53 publiziert

Es wird erwartet, dass die 53 teilnehmenden Länder übereinkommen, wie sie sich diesem zunehmenden Gesundheits-Problem entgegen stellen.

Die stetige Zunahme der Taille gehört immer mehr zum Alltag. Inzwischen weist die Hälfte aller Erwachsenen und ein Fünftel aller Kinder in Europa ein durch einen erhöhten Körperfett-Anteil hervorgerufenes Übergewicht (Adipositas) aus, rechnet die Weltgesundheits-Organisation (WHO) vor.

Ein Drittel dieser Übergewichtigen werden dabei als "fettleibig" eingestuft. Was sich wirklich hinter diesen Zahlen verbirgt, ist der Umstand, dass dieses Übergewicht für jährlich eine Million Tote in Europa sorgt und die Wirtschafts-Entwicklung hemmt. So dass sich umfassende Massnahmen zur Bekämpfung dieser epidemieartigen Entwicklung aufdrängen.

Epidemische Proportionen

Im vergangenen Monat warnte die WHO, dass das Übergewicht in Europa epidemische Proportionen annimmt. Falls diese Entwicklung weitergeht, würde man im Jahr 2015 in Europa 150 Mio. Fettleibige zählen – ungefähr ein Fünftel der Bevölkerung.

Das Überhandnehmen von Übergewicht hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten verdreifacht, sagen Experten.

Jährlich 2,7 Mrd. Franken

Die Schweiz macht dabei innerhalb Europas keine Ausnahme: Ein Viertel der Kinder ist übergewichtig, bei den Erwachsenen ist es bald einer von drei. Schätzungen gehen davon aus, dass die damit verbundenen Gesundheits-Kosten jährlich 2,7 Mrd. Franken erreichen.

Die Behörden unterschätzen die gegenwärtige Situation keinesfalls. Laut Hans-Peter Roost vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) wird das Problem seit Jahren ernst genommen.

"Die Zunahme von Übergewichtigen in Europa und der Schweiz verlief sehr konstant", so Roost gegenüber swissinfo, "deshalb entwickeln wir auch eine nationale Gegen-Strategie auf der Basis von Diät, körperlicher Aktivität und Gesundheit".

Produzenten, Verteiler und Experten

Der Bundesrat lancierte das Projekt 2005, im Gleichschritt mit der EU. Deren Aktionsplan bringt die Nahrungsmittel-Branche mit den Verteilern und der Werbung zusammen, inklusive Konsumenten-Organisationen und Übergewichts-Experten.

Angezielt werden freiwillige Massnahmen gegen Fettleibigkeit, speziell unter den Kindern.

Auch die Schweiz hat seit dem Jahr 2000 verschiedene eigene Initiativen im Kampf gegen das Übergewicht lanciert: So wird alle fünf Jahre ein "Schweizerischer Ernährungsbericht" publiziert. Der letzte ist über 1000 Seiten dick.

Vorbeugende Projekte

"Wir haben auch vorbeugende Projekte wie Swiss Balance unterstützt. Dieses zielt auf Jugendliche, Ernährung mit Bewegung zu kombinieren, was sich als wirksam erwies", sagt Roost.

In Istanbul werden die Delegierten der WHO-Konferenz ein "Europäisches Abkommen gegen das Übergewicht" diskutieren. Erwartet wird, dass die meisten Länder sich an diese Abkommen halten werden.

Die Schweiz war aktiv in die Vorbereitungen zum Entwurf dieses Abkommens einbezogen. Sie wird es einführen als strategisches und politisches Dokument, das für ganz Europa Gültigkeit hat, so Roost.

Bei Werbe-Einschränkungen gehts ans Lebendige

Doch einige Falten im Dokument müssten noch nachgeglättet werden. "Ein solches Thema betrifft das Gleichgewicht zwischen persönlicher Verantwortung und der Rolle des Staates", sagt Roost. "Da ist es nicht immer einfach, die richtige Balance herauszufinden. Speziell wenn es um den Schutz der Minderjährigen geht."

Einschränkungen bei Nahrungsmittel-Werbung und -Marketing mit jungem Zielpublikum hat die Lebensmittelbranche gegen die Gesetzgeber und Gesundheits-Experten aufgebracht.

"Wir denken, dass diese Vorschriften bestehen bleiben müssen", sagt Roost. "Und wir glauben, dass dies von den meisten anderen Ländern ebenfalls so gesehen wird."

swissinfo, Scott Capper
(Übertragung aus dem Englischen: Alexander Künzle)

In Kürze

In der EU sind inzwischen bis 27% der Männer und bis 38% der Frauen als fettleibig zu bezeichnen, je nach Land, in dem sie leben.

Laut Experten ist die Fettleibigkeit (Adipositas) bei Leuten mit tieferem Einkommen und schlechterer Ausbildung am häufigsten, da sie vermehrt zum Verzehr von Fleisch, Fett und Zucker neigen.

Übergewichtige oder Fettleibige werden vermehrt von Krankheiten wie Diabetes, Herzversagen, Bluthochdruck, Krebs und Knochenschwund befallen.

Die Kosten der Übergewichtigkeit machen laut WHO 8 bis 10% des jeweiligen nationalen Gesundheitsaufwands eines Landes aus.

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Fakten

Gemäss dem 5. Schweizerischen Ernährungsbericht (2005) sind 37% der Schweizer Bevölkerung übergewichtig.
Fast einer von fünf Jugendlichen zwischen 15 und 25 isst mindestens zwei Mal pro Woche Fast Food.
Krankheiten und Gesundheitsprobleme, die auf Übergewicht zurückzuführen sind, lösen jährlich Kosten von 2,7 Mrd. Franken aus.

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