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Falsche Antibiotika-Anwendung trotz guter Kenntnis

In der Schweiz werden Antibiotika vermehrt falsch eingenommen.

(Ex-press)

Obwohl sie gut über die Risiken von Antibiotika informiert sind, nehmen die Schweizerinnen und Schweizer diese Medikamente immer häufiger falsch ein.

Dies hat eine repräsentative Umfrage des Forschungsinstituts gfs.bern im Auftrag eines Nationalen Forschungsprogramms (NFP) ergeben.

Wie die Umfrage zeigt, gaben im Jahr 2007 11% der Befragten an, die Einnahmevorschriften für Antibiotika missachtet zu haben. Im Jahr 2003 sind es lediglich 4% gewesen.

Das Problem dabei: Wird ein Antibiotikum zu wenig lange eingenommen, überleben Bakterien und werden resistent.

Die Schweiz habe zwar den niedrigsten Antibiotika-Konsum pro Kopf, sagt Jean-Claude Piffaretti, Präsident der Leitungsgrupppe der Nationalfondstudie. Die falsche Antibiotika-Anwendung sei jedoch ein schweizerisches Phänomen, dass auf kulturellen Eigenheiten beruhen könnte, sagt Piffaretti.

Am stärksten wird die Falscheinnahme von Antibiotika von der Sprachregion bestimmt. In der Deutschschweiz gaben 12% an, Antibiotika auch schon falsch eingenommen zu haben, in der Westschweiz waren es 4%. Stattliche 34% waren es im Tessin.

Bessere Kenntnis

Gleichzeitig ergab die Umfrage, dass 85% der Befragten den unnötigen Einsatz, aber eben auch die falsche Einnahme von Antibiotika für Resistenzen verantwortlich machen. Die Schweizer Bevölkerung nimmt zwar das Problem der Antibiotikaresistenz heute stärker wahr als vor vier Jahren und ist etwas besser darüber informiert. Doch gleichzeitig bereitet ihr das Thema heute weniger Sorge: 2003 waren noch 72% besorgt, 2007 sind es 66%.

Eine stärkere Sensibilisierung der Bevölkerung für das Thema sei dringlich, sagt Piffaretti. Dies hat kürzlich auch der European Academies Science Advisory Council (EASAC), ein Zusammenschluss der nationalen Wissenschaftsakademien der Europäischen Union (EU), in einem Bericht festgehalten.

Mehr Todesfälle

Denn während 59% der Befragten in der Schweiz glauben, die moderne Medizin werde das Problem der Resistenzen dank immer neuer Behandlungsmethoden im Griff behalten, rechnet der EASAC damit, dass die Antibiotikaresistenz in Europa immer mehr Todesfälle fordern wird.

"Der Optimismus der Schweizer Bevölkerung ist gefährlich und ihre Wahrnehmung sollte verändert werden, denn auch in unserem Land ist die moderne Medizin bereits heute in manchen Fällen machtlos", sagt Jean-Claude Piffaretti.

In der Schweiz sterben laut der Studie jährlich rund 80 Menschen wegen Antibiotikaresistenz.

Nationales Antibiotikaresistenzzentrum

"Ebenso dringend ist es, den Aufbau eines Nationalen Antibiotikaresistenzzentrums (NARC) voranzutreiben", fügt Jean-Claude Piffaretti bei. Mit Hilfe des Überwachungssystems SEARCH (Sentinel Surveillance of Antibiotic Resistance in Switzerland) soll es die Entwicklung der Resistenzen in der Schweiz verfolgen und schnell konkrete und wirksame Massnahmen vorschlagen. "Information, Sensibilisierungskampagne und Resistenzüberwachung bilden ein kohärentes Ganzes, um die Antibiotikaresistenz in der Schweiz und anderswo zu bekämpfen."

BAG setzt auf Überwachung

Nach Aussage von Karim Boubaker, Chef der Sektion Infektionskrankheiten im Bundesamt für Gesundheit (BAG), betreffen die Ergebnisse der Studie primär das Verhältnis Arzt-Patient.

Anders als beim Alkohol oder beim Tabak plane das BAG bei den Antibiotika keine Sensibilisierungskampagne, sondern eine Verstärkung der epidemiologischen Überwachung. Ausserdem werde man via das geplante Nationale Antibiotikaresistenzzentrum enger mit den Aerzteorganisationen zusammenarbeiten.

Erfreut zeigte sich Boubaker gegenüber swissinfo, dass die Schweizer Bevölkerung das Problem der Antibiotikaresistenz heute stärker wahrnehme als vor vier Jahren anlässlich der letzten Umfrage.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Antibiotika sind Medikamente, mit denen Infektionskrankheiten behandelt werden. Antibiotika werden in der Medizin gegen bakterielle Infektionen eingesetzt.

Zudem spricht man im Zusammenhang mit desinfizierend wirkenden Pflanzen von pflanzlichen Antibiotika

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