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Freude und Forderungen

Die Schweizer Presse begrüsst das Ja zur Fristenregelung.

(swissinfo.ch)

Als einen Sieg der Vernunft und als eine Absage an die Intoleranz, so feiert die Schweizer Presse das klare Ja der Schweizerinnen und Schweizer zur Fristenlösung.

Für die "Neue Zürcher Zeitung" bedeutet das klare Ja zu einem straffreien Abbruch der Schwangerschaft in den ersten 12 Wochen einen "Sieg der gesetzgeberischen Vernunft". Abtreibungen liessen sich nicht mit Verboten verhindern, schon gar nicht einem Land, dessen Nachbarn praktisch alle die Fristenregelung kennen: "An diesem Abstimmungssonntag hat daher der Realitätssinn über das Dogma gesiegt." Auch sei der Entscheid ein "Bekenntnis zum Prinzip der Eigenverantwortung".

Selbstbestimmung statt Kriminalisierung, praktische Hilfe statt Strafgesetz und Respekt vor dem Gewissensentscheid: Was das Volk zum Ausdruck brachte, "ist ein Votum für eine offene, aufgeklärte Gesellschaft", schreibt das "St.Galler Tagblatt".

Politische Massnahmen gefordert

Der Tages Anzeiger wertet das klare Ja als "Vertrauen in die Frauen". Das Bild der schutzbedürftigen verantwortungslosen Frau, das die Gegner der Fristenregelung in ihrer Kampagne gezeichnet haben, habe nicht verfangen. Nun seien jedoch Massnahmen gefragt: "Neben einer Mutterschaftsversicherung braucht es Steuer-Erleichterungen und Zulagen für Familien sowie genügend zahlbare Kinderbetreuungsplätze."

Die Kommentatorin der "Aargauer Zeitung" freut sich, dass das Ja so überraschend klar ausgefallen ist. Nun sei die gesamte Gesellschaft, inklusive Wirtschaft und Politik, aufgefordert, "Müttern und Kindern jene Unterstützung zu geben, die sie heute noch oft vermissen".

Absage an die Gegner

"Endlich" sei die Fristenregelung angenommen worden, schreibt der Berner "Bund". Das deutliche Ja und die noch deutlichere Abfuhr der Initiative "Mutter und Kind" seien auch eine Absage "an all jene, die glauben, mit einem Verbot werde den Frauen geholfen und durch Schuldzuweisungen ein werdendes Leben gerettet".

Für die "Berner Zeitung" zeigt die Zustimmung zur Fristenregelung, wie gross der gesellschaftliche Konsens in der Abtreibungsfrage geworden sei. Das Abstimmungsresultat stehe in engem Zusammenhang mit der Emanzipation der Frau und sei auch eine Absage an die Intoleranz. Für die Radikalen Abtreibungsgegner wäre nun soziales Engagement angebracht: "Die offenbar in grossen Mengen vorhandenen Geldmittel wären in Hilfsangeboten für junge Mütter besser investiert als in grossflächigen Plakaten."

CVP und SVP als Verlierer

Als Verlierer stehen nach der Abstimmung die CVP und die SVP da, welche die Nein-Parole beschlossen hatten. Die CVP habe sich von der gesellschaftlichen Realität der Strasse losgelöst, kritisieren die Zeitungen des Kantons Neuenburg "L'express" und "L'Impartial". Für "Le Matin" waren die Wahlresultate in den CVP-Hochburgen der katholischen Zentralschweiz eine Ohrfeige für Partei.

Die "Luzerner Zeitung" meint, "Parteien-Geheul" sei jedoch nicht angebracht: "Jetzt gewinnen erst recht Prävention und Hilfe für Paare an Bedeutung. Mehr denn je braucht dieses Land also eine Familienpolitik, die diesen Namen verdient."

Jubelgeschrei der Sieger sei Fehl am Platz, meint die "Thurgauer Zeitung". "Wo es um moralische Fragen geht und Menschen mehr nach bestem Gewissen als nach Wissen handeln, würde eine politische 'Abrechnung' die religiös motivierten Verlierer nur noch weiter radikalisieren."

Auch kritische Töne

Nur gerade das Wallis und Appenzell Innerhoden haben die Fristenregelung abgelehnt, das Wallis mit einer Mehrheit von 54 Prozent. Damit tanzt der Kanton verglichen mit den anderen aus der Reihe. Der "Walliser Bote" schreibt: "Das Gesetz ersetzt nicht das Gewissen". Und weiter: "Die Grundwerte des Lebens scheinen in unserem Kanton doch noch etwas tiefer zu gründen und verwurzelt zu sein, als in der übrigen Schweiz."

Nicht überschwänglich euphorisch, so gibt sich die konservative, CVP-nahe Tageszeitung "Giornale del Popolo". Das Blatt hatte im Vorfeld propagiert, zweimal Nein in die Urne zu legen. Nun klagt man über die tiefe Stimmbeteiligung, welche für das eindeutige Resultat mitverantwortlich sei. "Per chi crede nella promozione della vita - continua l'articolista - e in una cultura così orientata, ci vuole adesso una nuova e decisiva consapevolezza del coraggio di essere minoranza." Mut zu einer Minderheitsposition, so die Tessiner - und wie für die Abtreibungs-Gegner ist auch für die Zeitung klar, dass man weitermachen müsse.

Religiöser Graben verschwunden

Da nur zwei Kantone Nein gesagt haben zur Fristenregelung, schliesst die "Basler Zeitung", dass der religiöse Graben in der Schweiz keine Rolle mehr spiele: "Das Abstimmungsergebnis ist deshalb offenkundig zunächst das Resultat davon, dass sich in dieser Frage immer weniger Menschen am Religiösen orientieren."

Kathrin Boss Brawand

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