Friedenssymbol mit Ärgerpotential

Tauben sind aus keinem Stadtbild (hier in Luzern) mehr wegzudenken. Keystone

Geliebt und gehätschelt oder eine wahre Stadtplage: Seit über 6000 Jahren begleitet die Taube den Menschen.

Dieser Inhalt wurde am 24. Januar 2005 - 14:09 publiziert

Viele Städte versuchen, ihre oft überbordende Taubenpopulation mit verschiedenen Massnahmen auf ein vertretbares Mass zu reduzieren.

Die Strassentaube ist eines der weitverbreitetsten Wirbeltiere in städtischen Lebensräumen. Sie hat sich vor allem in den letzten Jahrzehnten in vielen Städten rund um den Globus stark verbreitet.

Dadurch wurde die Beziehung Taube-Mensch zunehmend durch Probleme getrübt. So auch in Venedig. 1901 wurden die Strassentauben dort noch von der Stadt gefüttert, sie waren geschützt und beliebt.

Heute betrachten sie die Behörden als Plage. An den historischen Gebäuden richtet der Taubenkot teilweise irreparable Schäden an.

Eine Taube "produziert" pro Jahr ungefähr 12 Kilogramm Nasskot. "Der Taubenkot selbst ist harmlos, aber die darauf wachsenden Schimmelpilze sind sehr aggressiv und können vieles zerstören", sagt der Basler Professor Daniel Haag-Wackernagel, ein weltweit anerkannter Taubenexperte, gegenüber swissinfo.

Krankheiten und Parasiten

Von Tauben verbreitete Krankheiten gebieten zudem, die Zahl der Tauben einzuschränken. Haag-Wackernagel nennt insbesondere die Ornithose, die von der Taube auf den Menschen übertragen werden kann.

"50 bis 80% der Stadttauben tragen heutzutage den Ornithose-Erreger mit sich", erklärt Haag-Wackernagel weiter. "Die Krankheit wird beim Menschen oft mit einer Grippe verwechselt."

Es genüge, an einem Kothaufen vorbeizugehen. Das reiche, um sich anzustecken, es sei hoch infektiös, sagt Monika Keller, Leiterin eines Tauben-Projektes in Luzern, gegenüber swissinfo.

Ein weiteres Problem sind Parasiten. Leben Tauben in einem Estrich und schliesst man diesen für die Tauben, "überleben Parasiten wie Taubenflöhe, Taubenmilben und Taubenzecken", sagt Monika Keller weiter.

"Und dann suchen sie sich neue Wirte", fügt sie hinzu. So seien Bewohner einer Wohnung unter einem dicht gemachten Estrich bald von einer Invasion von Taubenflöhen geplagt worden.

Was ist dagegen zu tun?

Heutzutage lebt eine ganze Industrie davon, Tauben von Gebäuden und Denkmälern fernzuhalten. Leider haben sich viele der angebotenen Produkte wie Magnetpuls, Ultraschall, Vogelscheuchen und auf den Geruchssinn wirkende Abwehrsubstanzen im Praxiseinsatz nicht sonderlich bewährt.

"Alle Untersuchungen zeigen, dass allein die Futterkapazität darüber bestimmt, wie viele Tauben in einer Stadt leben. Dort muss man in erster Linie ansetzen", sagt Monika Keller.

Eine Strassentaube kann, wenn sie gefüttert wird, bis zu zweiundzwanzig Jungtiere pro Jahr zur Welt bringen, eine Taube unter Wildbedingungen dagegen nur vier.

Auch Taubenschläge sind ein taugliches Mittel, die Zahl der Tauben einzuschränken. Dort können kranke Tiere ausgesondert sowie eine Geburtenkontrolle durchgeführt werden. Die Taubeneier können durch Gipsattrappen ersetzt werden.

Nimmt man einer Taube die Eier ohne Ersatz weg, legt sie einfach neue - und 18 Tage später schlüpfen die Jungen!

Information

Aufklärung hilft mehr als ein Fütterungsverbot, ist Monika Keller überzeugt. "Es geht den Taubenfütterern ja vielmals um das 'Martyrium' der armen Tauben. Und wenn diese Menschen dann das Gefühl haben, dass niemand mehr füttert, tun sie es erst recht."

Und so setzt auch Luzern auf Aufklärungs-Kampagnen. "Die letzte lief unter dem Motto 'Altes Brot bringt Taubenkot'. Zur Information lieferten wir auch Rezepte mit altem Brot", so Monika Keller.

Pille für die Taube

Nur auf den ersten Blick bestechend und Erfolg versprechend erscheint die "Anti-Baby-Pille" für die Taube. Aber: "Hormone müsste man dosiert abgeben können." Monika Keller: "Streut man sie ins Futter, werden die stärksten Tauben am meisten davon fressen."

Und so erwischen die stärksten und gesündesten am meisten Hormone. Und die schwachen Trauben bekommen nicht genug ab. Sie können sich umso stärker vermehren.

Für Monika Keller gehören Giftstoffe und Hormone grundsätzlich nicht in die Umwelt. "Auch Kleinkinder am Boden könnten diese aufnehmen."

Unterschiedliche Methoden

In Schweizer Städten versucht man mit den unterschiedlichsten Methoden ein Überborden der Taubenpopulation zu verhindern.

In Luzern arbeitet man mit dem "Basler Modell", das vom Taubenforscher Daniel Haag-Wackernagel Ende der 80er-Jahre initiiert wurde: Einschränken der Fütterung durch Aufklärung und Einrichten von Taubenschlägen.

Genf setzt auf die Taubenpille, anderswo werden auch Fallen verwendet. Der Einsatz vom Raubvögeln vertreibt die Tauben meist nur temporär. Und in den Häuserschluchten sind die Tauben den Raubvögeln überlegen.

Zürich setzt auch auf den Abschuss. Monika Keller: "Schiessen ist nicht einfach; einerseits wegen der Gefahren in der Stadt, und andererseits sind die Tauben sehr intelligent. Die lernen schnell, wie derjenige der schiesst, aussieht."

Faszinosum

Tauben können sich Gesichter sehr gut merken. Bei Untersuchungen sollten sie Personen erkennen, auch auf Dias. "Und die schafften das, auch wenn eine Person anders geschminkt war", erklärt die Luzerner Tauben-Verantwortliche.

"Und deshalb sind die Taubenfreunde auch so motiviert - denn sie merken, dass die Tiere sie erkennen und auf sie warten."

swissinfo, Etienne Strebel

Fakten

Ursprünglich kommt die Taube aus dem Mittelmeer. Sie wurde von den Römern eingeführt. Sie diente ihnen als Fleisch- und Dünger-Produzentin.

2001 lebten in Luzern 7000, 2002 rund 6000 und heute weniger als 5000 Tauben. Die Tendenz ist dank dem "Basler Modell" klar abnehmend.

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In Kürze

Auf 20 Städter kommt heute eine Strassentaube. Der ganze Erdball ausser den Polkappen wird von ca. 500 Mio. Tauben bevölkert.

Seit Tausenden von Jahren symbolisiert sie menschliche Tugenden und göttliche Wesen. In vorchristlicher Zeit war die weisse Taube der babylonischen Liebesgöttin Ischtar geweiht. Die Griechen ordneten ihrer Liebesgöttin Aphrodite weisse Tauben zu.

Im Christentum wird der Heilige Geist durch eine Taube symbolisiert. Und heute noch verheissen weisse Tauben Hochzeitspaaren Glück und Fruchtbarkeit.

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