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G-8-Demos: Weniger Krawalle als befürchtet

Schweizerisch-französische Grenze: Treffpunkt der beiden Demonstrationszüge. Keystone

Während im französischen Evian am Genfersee die Grossen der Welt zusammenkamen, wurde in Genf und Lausanne meist friedlich gegen die Globalisierung und deren Auswirkungen demonstriert.

Dieser Inhalt wurde am 01. Juni 2003 - 21:33 publiziert

Die Proteste wurden überschattet von Krawallen am Rande, die bis am frühen Montagmorgen andauerten. Mehrere Menschen wurden verletzt.

Die offiziellen Demonstrationen verliefen abgesehen von einzelnen Scharmützeln weitgehend friedlich. Bei unbewilligten Nachdemos in Genf setzte die Polizei Tränengas und Knallpetarden ein. Bisweilen kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den mehreren tausend meist vermummten Personen und den Sicherheitskräften. Es gab Verletzte auf beiden Seiten.

Je nach Quelle nahmen 20'000 bis 100'000 Menschen an den Demonstrationszügen teil, die in Genf und Annemasse (F) starteten. Die beiden Züge vereinigten sich an der schweizerisch-französischen Grenze.

Albert Rodrick, offizieller Beobachter und Mitglied des Genfer Parlaments, sprach von einer Party-Atmosphäre. Trotz den Scharmützeln, die von einigen wenigen angezettelt worden seien, zieht er eine positive Bilanz.

Diese Wahrnehmung wird auch von der swissinfo-Korrespondentin vor geteilt: "Es waren Menschen jeden Alters und von verschiedenster Nationalität, die auf der Strasse zur Music von Live-Bands tanzten. Die Stimmung war friedlich und aufgestellt."

Dank von Chirac

Der französische Präsident Jacques Chirac hat sich am Rande des G-8-Gipfels in Evian für die Unterstützung der Schweizer Behörden bedankt. Er sei sehr dankbar und anerkenne die uneingeschränkte Kooperation der Schweiz, sagte Chirac am Montag in einem Bericht von Radio DRS.

Zudem habe sich der französische Präsident bei den Anwohner beidseits des Genfersees für die entstandenen Unannehmlichkeiten entschuldigt.

Unabhängige Beobachter

Amnesty-Mitglieder aus Frankreich beobachteten den Demonstrationszug in der Schweiz, während Schweizer Amnesty-Vertreter den Zug in Frankreich beobachteten. Amnesty äussert sich am Sonntag nicht über den Verlauf. Die Organisation wird am Montag an einer Medienkonferenz über ihre Beobachtungen informieren.

Menschenkette in Lausanne

In Lausanne bildete sich am späteren Nachmittag aus Protest gegen den G-8-Gipfel in Evian eine Menschenkette von rund 1000 Personen. Die Menschenkette diente als Ersatz für die von der Polizei nach gewalttätigen Ausschreitungen am Sonntagmorgen verbotene Demonstration.

Polizei schnitt Seil durch

Bei einer Autobahn-Brücke in Aubonne zwischen Lausanne und Genf wurde ein Demonstrant verletzt. Nach Angaben der Waadtländer Polizei hatte der 39-jährige Engländer mit Kollegen versucht, die Autobahn mit quer über die Fahrbahn gespannten Seilen zu blockieren.

Der Mann selber hängte sich ans Ende und seilte sich von der Autobahnbrücke in ein tiefes Bachbett ab. Als die Polizei die Blockade wegräumen wollte und dazu das Seil zerschnitt, stürzte der Demonstrant 20 Meter tief ab. Er wurde mit der Rettungsflugwacht ins Spital geflogen und dort mehrere Stunden lang operiert.

Es wurde eine Untersuchung wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet.

Räumung des Lausanner Camps

Im Camp der Globalisierungsgegner in Lausanne transportierte die Polizei unter den Augen von neutralen Beobachtern sämtliche Campbewohnerinnen und -bewohner zur Aufnahme der Personalien ab. Die Polizei vermutet, dass sich unter den 300 bis 400 Bewohnern die Urheber der gewalttätigen Ausschreitungen vom Sonntagmorgen befinden.

Organisatorin der Anti-G-8-Demonstrationen war das "Forum Social Lémanique (FSL)". Das Forum besteht aus verschiedenen Nichtregierungs-Organisationen und soziale Bewegungen aus der Westschweizer Genfersee-Region.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Die Zusammenkunft der Chefs reichsten Staaten der Welt und Russlands (G8) findet in diesem Jahr im französischen Thermalbad Evian am Genfersee statt.

Spitzenvertreter von zwölf Entwicklungs- und Schwellenländern wie China und Mexiko waren am Sonntag zum "erweiterten" Gipfel zu Gesprächen geladen.

Auf der Tagesordnung des eigentlichen G-8-Gipfels stehen dann ab Montag politische Fragen wie der Kampf gegen den Terrorismus. Ausserdem werden regionale Fragen erörtert, darunter die Situation in Nahen Osten, die Irak-Krise und Nordkorea.

Weiter befasst sich der G-8-Gipfel mit der nachhaltigen Entwicklung. Im Mittelpunkt stehen die Solidarität vor allem mit den afrikanischen Ländern, die Schuldenfrage, die Entwicklungshilfe, der Zugang zu Trinkwasser und zu erschwinglichen Medikamenten in armen Ländern sowie ein Aktionsplan zur Bekämpfung des Hungers.

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