Gegen den Lehrermangel

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Das Schreck-Szenario erschütterte die Schweiz: nach den Sommerferien fehlen die Lehrer. Doch bereits jetzt sind die meisten Stellen besetzt. Möglich wurde das unter anderem durch die Anstellung ausländischer Lehrpersonen und weiterer Massnahmen. Trotzdem ist das Thema nicht vom Tisch.

Dieser Inhalt wurde am 18. Juli 2001 - 18:09 publiziert

Gesucht: Primarlehrerin 100%, Dauerstelle in 7029 Peist (GR). Die Bündner Gemeinde rund zwölf Kilometer hinter Chur sucht eine Lehrperson, um Hauptfächer in einer Doppelklasse zu unterrichten. "Es geht vorwiegend um Deutsch und Mathematik", sagt die Schulrats-Präsidentin Silvia Brunold gegenüber swissinfo. Und ergänzt erleichtert: "Wir haben schon Anfragen erhalten."

Lehrer-Verband schlägt Alarm

Der Lehrkräfte-Mangel scheint sich in der ganzen Schweiz entschärft zu haben. Zwar gibt es noch keine definitiven Zahlen, aber die Horror-Vision des Schweizerischen Dachverbandes der Lehrerinnen und Lehrer (LCH) ist nicht eingetreten. Dieser hatte noch Mitte Juni befürchtet, dass über tausend Lehrstellen unbesetzt bleiben könnten. "Durch Notlösungen konnten die meisten Stellen unterdessen besetzt werden", erklärt Beat Zemp, Zentralsekretär des LCH, gegenüber swissinfo.

"Dass der LCH auf den Lehrpersonen-Mangel hingewiesen hat, war schon richtig", sagt Michel Rohrbach von der Eidgenössischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK). Allerdings habe es sich bei den veröffentlichten Zahlen des LCH um die Anzahl offene Stellen gehandelt. "Das wurde falsch erklärt." Die meisten Stellen seien unterdessen besetzt, wenn auch gewisse Stunden noch fehlten. Jedoch: "In einzelnen Kantonen ist es schwieriger als in andern."

Der LCH wehrt sich dagegen, dass die Lösungen zu Lasten der Lehrpersonen oder der Schülerinnen und Schüler gehen. Einzelne Klassen seien heute grösser als die Höchstgrenze das erlaube und eine Pflichtstunden-Erhöhung sei eine Mehrbelastung der Lehrerinnen und Lehrer, sagt Zemp. "Solche Massnahmen dürfen nur kurzfristig angewendet werden."

Lehrer-Zahl steuern

"Es braucht eine subtile Personalpolitik, das muss auch ein bisschen gesteuert werden", betont Peter Heinimann, Senior Consultant Human Resources des Kantons Basel-Stadt. "Wir müssen uns überlegen, ob es wirklich in naher Zukunft 30 neue Geschichtslehrer braucht. 'Hire and Fire' ist für uns eben kein Thema." Die Schulen in Basel hätten jedoch keine Probleme, die notwendigen Lehrpersonen zu finden.

Lehrer aus dem Ausland

"Es braucht innovative Lösungen", erklärt Personal-Manager Heinimann, "dabei ist auch gelegentlich Mobilität von den Lehrpersonen gefordert." So stellt der Kanton beispielsweise auch Lehrerinnen und Lehrer aus Deutschland ein. "Ausländische Lehrpersonen haben sich im Kanton Aargau seit Jahren schon gut bewährt", sagt auch LCH-Mann Zemp. Er fordert aber daneben die Förderung von Quer- und Wiedereinsteigern.

Wiedereinsteiger hat der Kanton Zürich angesprochen: 7'500 Briefe gingen an ehemalige Lehrerinnen und Lehrer, die wegen der Familie oder anderen Gründen ausgestiegen waren. "Wir haben viele positive Reaktionen erhalten", berichtet Werner Geissler vom Erziehungs-Departement des Kantons Zürich zur Aktion. Allerdings könnten nicht alle Interessierten schon dieses Jahr wieder einsteigen, sondern müssten sich neu auf die Herausforderung vorbereiten. Ebenfalls sind nicht mehr alle ehemaligen Lehrpersonen in der Region: "Ich habe ein Mail eines Interessenten aus San Francisco erhalten", sagt Geissler.

Übrigens: Auch die Schweizer-Schule in Brasilien kämpft mit Lehrer-Mangel. Gesucht wird eine Lehrkraft fürs 5. bis 8. Lehrjahr am Colégio Suiçio-Brasileiro de Curitiba, an dem rund 280 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden. "Zur Zeit ist das nicht so einfach", sagt Schulsekretärin Christine Obst zu swissinfo. Auch müsse die Stelle schon bis im September besetzt werden, sonst reiche die Zeit nicht, die notwendigen Visa bis Ende Jahr zu besorgen.

Philippe Kropf

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