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Gegen unbezahlte Arbeit Praktikanten in Genf beteiligen sich an globalem Protest

Nicht alle können sich ein unbezahltes Praktikum leisten: Die Demonstranten in Genf verlangen deshalb einen Lohn für ihre Arbeit.

Nicht alle können sich ein unbezahltes Praktikum leisten: Die Demonstranten in Genf verlangen deshalb einen Lohn für ihre Arbeit.

(swissinfo.ch)

Etwa 100 Personen haben am europäischen Hauptsitz der UNO in Genf gegen unbezahlte Praktika demonstriert. Auch in Brüssel, Wien, New York und Washington gingen Praktikanten und deren Unterstützer auf die Strassen, um auf diese gängige Handhabung aufmerksam zu machen.

Sie arbeiten als Praktikanten und Praktikantinnen bei der UNO, einer internationalen Agentur oder einer Nichtregierungsorganisation in Genf: Am Montag forderten sie auf dem Place des Nations vor dem UNO-Sitz Zugang zu fairen "Qualitäts-Praktika". Unterstützung erhielten sie von anderen Angestellten, Gewerkschaften und Studenten und Studentinnen.

Ich bin hier, um meine Solidarität gegenüber jenen auszudrücken, die heute nicht hier sein können", sagt Jamie. Er ist 22 Jahre alt und kommt aus Grossbritannien. In Genf absolviert er zurzeit ein dreimonatiges Praktikum bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO). "Wir müssen uns Gehör verschaffen", sagt er. Es gehe auch darum zu zeigen, dass das Anliegen von verschiedenen Sektoren unterstützt werde und "dass uns als Angestellte Basisrechte zustehen".

2014 standen rund 4000 Praktikanten und Praktikantinnen in Genf und in New York für die UNO im Dienst – die meisten ohne Lohn. Eine Umfrage der Vereinigung von Genfer Praktikanten aus dem Jahr 2013 hat ergeben, dass 68% der Absolventen keinen Rappen für ihren Einsatz kriegten.

UNO-Praktikum nur für Reiche

Zwar bezahlt eine kleine Anzahl UNO-Organisationen ihren Praktikanten einen Lohn. Im Fall der Internationale Arbeiterorganisation (ILO) beispielsweise sind es 2200 Franken pro Monat. Doch das sind Ausnahmen. Kommt hinzu, dass Genf ein teures Pflaster ist zum Leben: Die Kosten für ein halbjähriges, unbezahltes Praktikum belaufen sich auf mindestens 8000 Franken – und steht somit nur den Jungen aus gutbetuchten Familien offen.

"Das System ist unfair", sagt Jamie. "Nur Menschen wie ich können sich das leisten, obwohl es jede Menge andere, ärmere Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund gibt, die auch so ein Praktikum verdient hätten. Doch auch für Jamie ist nach diesem Praktikum aus finanziellen Gründen Schluss mit unbezahlter Arbeit.

Widerstand wächst

Die Bewegungexterner Link, die sich gegen diese unbezahlten Praktika wehrt, ist in den letzten Jahren zunehmend grösser geworden. Auch haben sich die Betroffenen besser organisiert.

In Genf erhielten sie am Montag für ihre Demonstration Unterstützung von den Grünen, den Sozialdemokraten und von lokalen und internationalen Gewerkschaften, so auch von der für UNO-Angestellte.

swissinfo DE

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UNO beruft sich auf Mitgliedstaaten

Die verschiedenen Departemente der UNO stehen vor Geld- und Rekrutierungsproblemen. Aus diesem Grund greifen sie immer öfters auf junge Uni-Abgänger zurück, die bereit sind, zwei bis sechs Monate ohne Lohn zu arbeiten.

Nach eigenen Angaben möchte die UNO den Praktikanten und Praktikantinnen gerne einen Lohn bezahlen. Ihr seien aber durch eine Resolution aus dem Jahr 1997 die Hände gebunden. Diese verbietet die Zahlung von Nicht-UNO-Angestellten. Es sei an den UNO-Mitgliedstaaten, diese Regelung zu ändern.

(Übetragung aus dem Englischen: Kathrin Ammann)

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