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Gegen Verkauf von Medikamenten im Internet

Schlaf-, Betäubungs- und Aufputschmittel: Per Mausklick bestellbar - mit unklaren Folgen.

(swissinfo.ch)

Die Schweiz und die USA wollen den Handel mit Betäubungs-, Schlaf- und Aufputschmitteln für Private im Internet verbieten: ein Markt, der sich pro Jahr verdoppelt.

Eine Resolution wurde der UNO-Betäubungsmittel-Kommission übergeben.

Gemäss einer neuen Studie des INCB (Internationaler Suchtmittel-Kontrollrat) werden in vielen Internetapotheken gesetzeswidrig Medikamente angeboten, die Suchtstoffe oder Bewusstsein beeinflussende Substanzen beinhalten.

Die Online-Apotheken liefern laut INCB nicht nur im eigenen Land, sondern schmuggeln ihre Waren auch ins Ausland. So sollen Schweizer Zollbehörden bereits zahlreiche Sendungen aus Pakistan abgefangen haben.

Der INCB fordert auf Grund dieser Situation "entschlossene Massnahmen" gegen den illegalen Medikamentenhandel. Er appelliert dabei an die Regierungen, diesen Handel stärker gesetzlich zu ahnden.

Ausserdem sei eine bessere Zusammenarbeit nationaler und internationaler Behörden erforderlich.

Handel mit speziellen Stoffen verbieten

Dieser Forderung wollen die Schweiz und die USA nun nachkommen. Die beiden Staaten haben der UNO-Betäubungsmittel-Kommission einen Resolutions-Entwurf unterbreitet, der ein internationales Verbot fordert.

Alle Länder werden mit der Resolution aufgefordert, den grenzüberschreitenden Internethandel mit Medikamenten, welche Betäubungsmittel oder psychotrope Stoffe enthalten, zu verbieten.

Der Resolutions-Entwurf der Schweiz und der USA richtet sich also nicht gegen die Internet-Apotheken an sich.

Risikoreich

In den vergangenen Jahren, so das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic, habe der Handel mit zum Beispiel Schlaf-, Beruhigungs- und Aufputschmitteln stark zugenommen. Diese sind in der Regel in allen Staaten rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.

Der Schweizer Gesetzgeber hat den Import von solchen Arzneimitteln durch Private im Betäubungsmittel-Gesetz längst verboten.

Werden solche Sendungen am Zoll erkannt und beschlagnahmt, riskiert der Besteller neben hohen Kosten eine Strafanzeige wegen Verstosses gegen das Betäubungsmittel-Gesetz.

Beispiel: Anfang 2003 konfiszierten Schweizer Zollbeamte eine Sendung mit 220'000 Viagra-Tabletten. Die Potenzpillen waren nicht ordnungsgemäss in Faltschachteln, sondern in Durchdrückschachteln (Blister) abgefüllt.

Nur diese Tatsache fiel den Zöllnern auf. Sonst wären die Pillen wohl unerkannt eingeführt worden, denn der Empfänger war ein Pharma-Grossist in der Schweiz.

Die Risiken für die Patienten seien nicht zu verharmlosen, schreibt Swissmedic. Niemand wisse genau, wie die Medikamente hergestellt und gelagert wurden und welche Wirkstoffe von welcher Qualität sie enthielten.

Die Organisation warnt denn auch eindringlich vor Medikamentenkauf im Internet.

Pakistan an Pranger

Bei Schweizer Stichproben erwies sich – wie auch der Internationale Suchtmittel-Kontrollrat feststellte - Pakistan als das häufigste Herkunftsland dieser illegalen Produkte, sagte Swissmedic-Direktionsmitglied Paul Dietschy.

Bereits im Jahresbericht 2003 des UNO-Kontrollrates werden pakistanische Behörden deshalb aufgefordert, in dieser Frage eng mit den Schweizer
Behörden zusammenzuarbeiten.

Nur rezeptpflichtige Medikamente gefragt

Der Handel im Internet mit gefälschten Medikamenten nimmt laut Weltgesundheits-Organisation WHO stark zu. Die WHO nimmt an, dass 10% aller weltweit gehandelten Medikamente gefälscht sind. Den Gewinn aus all den (illegalen) Verkäufen wird auf über 30 Mrd. Dollar geschätzt.

Dabei blüht der Handel nur mit rezeptpflichtigen Mitteln. Vor allem Aufputsch- Doping- sowie Potenzmittel sind die "Renner". Die rezeptfreien sind per Internet gar nicht gefragt.

Das zeigt der Konkurs des Schweizer Internetshops Documed. Das Unternehmen wollte über Partnerapotheken in der Schweiz per Internet rezeptfreie Medikamente verkaufen.

Von den monatlich 10'000 Site-Besuchern bestellten bloss jeder Hunderste ein Produkt. Die entsprechend mageren Umsatzzahlen reichten nicht aus, um aus den roten Zahlen zu kommen. Wellshop wurde geschlossen.

swissinfo, Urs Maurer

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