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gemeinsam! insieme! ensemble!

Laut SFH sollten die Schlepper und nicht die Flüchtlinge bestraft werden.

(Keystone)

Über 1500 Personen haben auf dem Rütli den Nationalen Flüchtlingstag begangen. Organisiert wurde das Fest von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe.

Menschen aus allen Sprachregionen und Flüchtlinge aus der ganzen Schweiz feierten auf dem symbolträchtigen Rütli unter wolkenlosem Himmel ein friedliches Fest unter dem Motto: gemeinsam! ensieme! ensemble!.

Zum Auftakt sagte Alberto Achermann, Zentralsekretär der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH), Flüchtlinge seien Teil unserer Gesellschaft, ihr Platz sei mitten unter uns, darum habe die SFH auch mitten in die Schweiz eingeladen.

Nur "gemeinsam!", so Achermann gegenüber swissinfo, könne auf eine Schweiz hingearbeitet werden, die offen und tolerant sei. "Es ist wichtig, dass uns hier die Verletzlichkeit dieser Menschen bewusst wird, dass wir wissen, was mit ihnen in den Herkunftsländern passiert ist, zu verstehen, wie sehr sie leiden."

Jean-Daniel Gerber, der Direktor des Bundesamtes für Flüchtlinge, überbrachte eine Grussbotschaft von Bundesrätin Ruth Metzler. Gemeinsam leben bedeute, den Schutz-Suchenden Zutritt zum eigenen Land zu gewähren und ihnen gleichzeitig das Recht auf ihre alte Heimat zu lassen, liess die Bundesrätin ausrichten.

Symbol der Solidarität

Das Rütli sei ein Symbol-Ort der Solidarität, sagte der Historiker Georg Kreis, Mitglied der Bergier-Kommission in seiner Ansprache. Er rief zu Solidarität zwischen Alteingesessenen und Zugewanderten auf.

Flucht kennt keine (Landes)grenzen

An einem kürzlichen Treffen von 60 Nichtregierungs-Organisationen (NGO) aus 30 Staaten im spanischen Sevilla haben die Delegierten ihrer Besorgnis Ausdruck gegeben über die xenophoben und rassistischen Tendenzen der letzten Monate in Europa. Laut SFH-Chef und Asylrechts-Experten Achermann, der in Sevilla dabei war, braucht es dringend eine starke Führung, um die humanitären Werte zu verteidigen. Wichtig sei, dass der Zugang zum Asylwesen in Europa offen bleibe. Die Möglichkeit müsse weiterhin bestehen, dass verfolgte Menschen nach Europa kommen könnten.

Massnahmen gegen Menschenhandel

Achermann fordert deshalb "grosszügige Visums-Erteilung für Verfolgte, Asyl in Botschaften in den Herkunftsländern und Verzicht auf Bestrafung von Fluggesellschaften, die Passagiere ohne gültige Papiere mitnehmen. Achermann ist überzeugt, dass nur so das Schlepper-Unwesen bekämpft werden könne. Schengen und Dublin (siehe Links) stünden für das europäische Asylsystem. Und dieses System habe bisher versagt, erklärt Achermann. "Wir stehen in einem Wettbewerb um das restriktivste Asylgesetz. Einzelne Länder wollen möglichst tiefe Standards haben, damit die Flüchtlinge in andere Staaten fliehen."

Die Insel Schweiz

Dass die Schweiz über kurz oder lang dem Schengener-Abkommen beitreten wird, dafür bestehe faktisch ein Zwang, erklärte Alberto Achermann im Gespräch mit swissinfo. Wenn wir nicht mitmachen, riskieren wir, ein 'Reserve-Asylland' zu werden. Flüchtlinge, die in einem andern Land abgelehnt werden, kommen dann zu uns." Und das, so Achermann, wäre das für die Zukunft des Asylsystems Schweiz verheerend.

Umdenken dringend nötig

Der SFH-Chef ist überzeugt, dass Abschreckung kein Mittel gegen Flüchtlinge ist. "Es kommen nicht weniger, aber es sterben unzählige Menschen auf der Flucht - unter unwürdigen Bedingungen."

Gaby Ochsenbein


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