Eishockey-WM: Schweiz scheitert an Deutschland

Konsternierte Gesichter bei den Schweizern nach dem Out. Keystone

Die WM in Deutschland ist für das zu Beginn grandios aufspielende Schweizer Nationalteam zu Ende: Die Equipe von Sean Simpson verlor den Viertelfinal gegen den Gastgeber 1:0 und verpasste dadurch eine grosse Chance. Die Presse reagierte entsprechend.

Dieser Inhalt wurde am 21. Mai 2010 - 09:11 publiziert

Statt erstmals seit 1998 in den Halbfinal einzuziehen, mussten die Schweizer geschlagen vom Eis gehen. Niederlagen gegen Deutschland schmerzen immer - und noch viel mehr in einem Viertelfinal.

Doch die Schweizer fanden nach den Niederlagen gegen Norwegen (2:3) und Schweden (0:5) in der Zwischenrunde nicht mehr zur Form zurück, die sie in den ersten vier siegreichen Partien ausgezeichnet hatte, wo sie sogar Olympiasieger Kanada in die Knie gezwungen hatten.

Der euphorisierte Gastgeber nutzte dank seinen kämpferischen Qualitäten die Chance, sich gegen die schwächelnden Schweizer durchzusetzen. Und so reichte den Deutschen im erwarteten Abnützungskampf der Treffer von Philipp Gogulla (31.) zum Einzug in die Halbfinals.

Ruhmloses Aus

Nach der Schlusssirene entluden sich die Emotionen in einer Massenkeilerei; die Schweizer verabschiedeten sich wenig ruhmreich aus dem Turnier.

Die WM endet aus Schweizer Sicht mit einem zwiespältigen Eindruck. Den angestrebten Viertelfinal erreichte Simpsons Team dank den ausgezeichneten Darbietungen zum Auftakt souverän.

Mit den Siegen gegen Kanada (4:1) und Tschechien (3:2) übertraf die junge Equipe, die mit wenig Kredit ins Turnier gestartet war, vorerst die Erwartungen.

Auf die Euphorie folgte nun jedoch die Ernüchterung. Nach der vorzeitigen Qualifikation für die Top 8 schwanden die Kräfte. Und so kamen die Schweizer einmal mehr nicht über den Viertelfinal hinaus, obwohl die Chance dazu gegen den vermeintlich schwächeren Gegner mehr als nur optimal gewesen wäre.

"Verpasste Chance"

Die Schweizer Presse war sich am Freitag einig: Das Team um Sean Simpson hat eine einmalige Chance vertan, die so schnell nicht wieder kommen dürfte. Denn erstmals seit 1992 sei die Schweiz in einem Viertelfinal nicht auf eine "grosse" Hockey-Nation getroffen.

"Sie hatten sich diese gute Ausgangslage mit ihren Siegen über Kanada und Tschechien verdient, vermochten sie aber nicht zu nutzen", so der Kommentar im Tages Anzeiger und Der Bund.

Trotzdem sei Simpson "mit dem Nationalteam auf dem richtigen Weg. Doch dieser führt nicht immer direkt ans Ziel".

Die Neue Zürcher Zeitung ist eher skeptisch. Zwar sei das Erreichen des Viertelfinals "ein Erfolg". "Er reicht den Schweizern, um sich in der Weltrangliste auf Kosten der Slowaken wieder auf Platz 7 zu verbessern. Er reicht aber für Simpson nicht, um den Schatten seines Vorgängers hinter sich zu lassen."

Etwas härter ins Gericht mit dem Team gehen die Westschweizer Zeitungen: "Das schlimmste der Szenarien", "der übliche Tarif", "das Ende des Traums" titelten sie nach der Niederlage.

"Was für eine Maskerade!", ereiferte sich La Liberté aus Freiburg: "Dank den Resultaten dieser Mannschaft mit neuem Gesicht glaube man an mehr. Doch die ganze Welt liess sich in die Irre führen. Die Schweiz hat während zehn Tagen geträumt. Die Geschichte wiederholt sich. Die gleiche Maskerade."

Le Matin bittet die Leserschaft, sie solle "nicht alles schwarzmalen": Die Schweiz habe es zu Beginn der WM geschafft "die Angst vor grosser Leistung zu überwinden". Damit habe sich die Schweiz "auf internationaler Szene Glaubwürdigkeit verschafft. Und das ist doch auch schon etwas".

Viele Versuche – kein Treffer

Die Schweizer hatten die Partie in Mannheim am Donnerstagabend ganz ordentlich begonnen. Sie führten spielerisch wie erwartet die feinere Klinge und besassen im ersten Drittel zahlreiche ausgezeichnete Chancen, um in Führung zu gehen.

Weil die Schweizer aber ihre Chancen ausliessen, fand Deutschland nach einem nervösen Start immer besser in die Partie. Und kurz nach Spielmitte verwertete Philip Gogulla einen Abpraller zur sich abzeichnenden und nicht unverdienten Führung des Gastgebers vor 12'500 euphorischen Fans. Obwohl die Schweizer gegen Spielende einen veritablen Sturmlauf veranstalteten, gelang ihnen aber kein einziger Treffer.

Erfolgreiche Revanche für 1992

So spielt statt der Schweiz, welche die WM im 5. Rang beendet, nun Deutschland in Köln um die Medaillen und im Halbfinal gegen Topfavorit und Titelverteidiger Russland.

Deutschland revanchierte sich mit dem vierten Sieg aus den letzten 20 Duellen erfolgreich für die Niederlage 1992 in Prag, als die Schweizer den WM-Viertelfinal gegen den nördlichen Nachbarn mit 3:1 für sich entschieden. Für die Schweizer war es nach zuletzt drei Siegen (2004, 2005 und 2009) die erste Niederlage gegen Deutschland an einer WM.

swissinfo.ch und Agenturen

Matchtelegramm

Resultat: Deutschland - Schweiz 1:0 (0:0, 1:0, 0:0)

SAP-Arena in Mannheim: 12'500 Zuschauer (ausverkauft)

Tor: 31. Gogulla (Hospelt, Sulzer) 1:0

Strafen: 1mal 2 Minuten gegen Deutschland, 1mal 2 plus 5 Minuten (Martin Plüss) plus Spieldauer (Martin Plüss)
gegen die Schweiz

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