Navigation

Gewalt gegen Schüler: Privatschule im Kanton St. Gallen vorläufig geschlossen

Schulzimmer im Institut Sonnenberg im St. Gallischen Vilters. Keystone

Ohrfeigen und Fausthiebe: Am Institut Sonnenberg in Vilters SG waren Schülerinnen und Schüler offenbar massiver körperlicher Gewalt ausgesetzt. Die Privatschule ist vom Kanton vorläufig geschlossen worden. Der Schulleiter bestreitet die Vorwürfe.

Dieser Inhalt wurde am 04. August 2000 - 15:27 publiziert

"Die körperliche Züchtigung gehörte zum Schulbetrieb", sagte Werner Stauffacher, Generalsekretär des St. Galler Erziehungsdepartements, am Freitag (04.08.) auf Anfrage. Der "Sonnenberg" in Vilters wurde vorläufig geschlossen.

Ohrfeigen, Schläge, Tritte

Schülerinnen und Schüler seien geohrfeigt und an den Haaren gerissen worden, hätten Faustschläge und Tritte erhalten, sagte Stauffacher weiter. Manchmal sei den Kindern auch der Kopf aufs Pult geschlagen worden.

Dabei sei in Kauf genommen worden, dass sich die Kinder verletzen könnten. Sie hätten auch aus Nase und Mund geblutet, so der Generalsekretär weiter.

Schulleiter dementiert

Louis Hüppi, der Leiter des Instituts Sonnenberg, erklärte auf Anfrage, er habe erst aus den Medien von den Vorwürfen erfahren. Im Moment wolle er nichts dazu sagen. Klar sei einzig, dass er mit den Vorwürfen nicht einverstanden sei.

Nun müsse er den Vorwürfen nachgehen, sagte Hüppi weiter. Er monierte, er sei vom St. Galler Erziehungsdepartement nicht informiert worden. Der 49-jährige Hüppi leitet das Institut seit 1991.

Entscheid in einem Monat

Schulkinder hatten vor und während der Sommerferien Vorwürfe gegen das Institut erhoben. Lehrkräfte und auch die Schulleitung hätten gegen die Schüler erhebliche körperliche Gewalt ausgeübt, gab das St. Galler Erziehungsdepartement am Freitag per Communiqué bekannt.

Noch nicht bekannt sei, wie lange schon Gewalt gegen Schülerinnen und Schüler ausgeübt wurde, sagte Stauffacher am Freitag weiter. Sicher sei dagegen, dass die Schülerinnen und Schüler nicht übertrieben. Klar sei auch, dass mehrere Lehrer beteiligt seien. Von der Schulleitung sei die Gewalt gegen die Kinder gebilligt oder sogar vorgelebt worden, sagte er weiter.

Nun läuft ein vom kantonalen Erziehungsrat eingeleitetes Verfahren auf Entzug der Privatschul-Anerkennung. Vorsorglich wurde der Schule die Wiederaufnahme des Betriebs nach den Sommerferien untersagt. Ende August oder Anfang September werde über die Zukunft der Schule entschieden, sagte Stauffacher.

Hart geführt

Die Schule habe bislang den Ruf gehab, sehr gut, aber auch hart, geführt zu werden, sagte Bezirksschulratspräsident Hans Bigger auf Anfrage. An der Schule würden viele Kinder aus schwierigen Umfeld unterrichtet, die wieder auf den rechten Weg gewiesen werden müssten.

Bei den nicht angemeldeten Visitationen durch die Behörde sei nie etwas Negatives aufgefallen. Es herrschte Zucht und Ordnung, sagte Bigger. Von der Gewalt an der Schule zu hören, habe ihn aber schockiert.

Rund 70 Schülerinnen und Schüler wurden bis vor den Sommerferien von 14 Lehrkräften unterrichtet. 50 dieser Schüler im Alter von zehn bis 17 Jahren leben im Internat, der Rest besucht die Tagesschule. Für Internatskinder mussten jährlich 22'400 Franken und für die Tagesschule 17'800 Franken bezahlt werden.

swissinfo und Agenturen

Artikel in dieser Story

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diskutieren Sie mit!

Diesen Artikel teilen

Diskutieren Sie mit!

Mit einem SWI-Account erhalten Sie die Möglichkeit, Kommentare auf unserer Webseite sowie in der SWI plus App zu erfassen.

Login oder registrieren Sie sich hier.