Gewalttätige Männer brauchen Beratung

Gewaltanwendung von Männern gegen ihre Partnerinnen oder Kinder soll zum Offizialdelikt werden. Es ist für Männer schwierig, den Gewaltkreislauf alleine zu stoppen.

Dieser Inhalt wurde am 25. April 2003 - 14:41 publiziert

Die meisten Täter suchen erst dann eine Beratungsstelle auf, wenn der Schaden bereits passiert ist.

"Oft erst wenn die Frau sie zu verlassen droht, der Hausarzt sie darauf aufmerksam macht, oder wenn die Frauen samt Kindern bereits in ein Frauenhaus geflüchtet sind, kommen sie zu uns", sagt Andreas Hartmann von "Männer gegen Männergewalt", einem Netzwerk von Beratungsstellen für Männer, die Gewalt im häuslichen Bereich angewendet haben.

Die Männer melden sich meist in Krisen telefonisch für eine Beratung, sie sind Selbstmelder. Sie stehen oft unter einem enormen inneren und äusseren Druck. Am Anfang findet immer eine Einzel-Beratung statt. Die Arbeit in der Gruppe kommt später.

Jede soziale Schicht ist vertreten

Die Täter rekrutieren sich aus allen gesellschaftlichen Schichten. "Es gibt anteilsmässig gleich viele Bankdirektoren wie Maurer" erzählt Andreas Hartmann.

Das erste Ziel bei der Einzelberatung: Männer, die Gewalt ausgeübt haben, sollen die Verantwortung für ihre Tat übernehmen.

Normalerweise machen Männer andere, meist das Opfer oder "die Umstände" dafür verantwortlich, dass sie Gewalt anwenden. Sei sagen z. B., ihre Frau habe sie provoziert, sie habe nicht ausgeführt, was sie miteinander abgemacht hätten. Oder sie hätten Stress im Geschäft gehabt.

100'000 Entschuldigungen...

"Männer stellen sich gerne als Opfer dar: 'Sie hat mich soweit getrieben, ich konnte nicht anders, ich bin eigentlich das Opfer' ", erzählt Hartmann aus seiner Berater-Praxis. " Es gibt 100'000 Entschuldigungen... Und solange sie das machen, übernehmen sie die Verantwortung für ihre Taten nicht."

"Erst wenn sie sich selbst für die Gewaltanwendung verantwortlich sehen und merken, was sie eigentlich angerichtet haben, was sie ihrer Partnerin, die sie eigentlich lieben, angetan haben, können alternative, konstruktive Lösungen für die hinter der Gewalt stehenden Konflikte gesucht werden. Die meisten der Täter lieben nämlich ihre Familien und sind bereit, sehr viel für eine Wiederherstellung von Vertrauen zu tun", sagt Hartmann.

Verspieltes Vertrauen

Im Lauf der Beratung stellt sich meist heraus, dass hinter der Gewaltanwendung ungelöste Konflikte stecken. Ist dies geklärt, suchen Täter und Berater gemeinsam eine konstruktive Lösung. Die Männer leiden darunter, dass das Vertrauen in ihrer Familie verspielt ist.

Für den Berater ist klar: "Der Mann muss diese vertrauensbildende Arbeit leisten. Seine Vorstellungen von einer 'harmonischen' Beziehung hat er selbst kaputt gemacht."

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Berater wissen, dass die allermeisten Gewalttäter nicht ohne Hilfe von ihrem Verhalten wegkommen. "Wir sprechen nicht nur über die paar 'von den Medien verkauften Monster', die in der Öffentlichkeit publik geworden sind, wir sprechen über ganz normale Männer", erklärt Andreas Hartmann.

"Männer gegen Männergewalt" begrüsst das in der Pipeline des Nationalrats steckende neue Gesetz, laut dem Gewaltanwendung in der Familie zu Offizialdelikt wird: "Wir finden es grundsätzlich gut, dass Täter den Preis zahlen müssen für das, was sie angerichtet haben. Mit dem neuen Gesetz müssen sie den Preis schneller bezahlen. Er wird vom Staat eingefordert."

Strafe ist ein Hilfsmittel - Beratung ein anderes. Es ist bekannt, dass die meisten Männer aus dem Gewaltkreislauf nicht mehr alleine heraus finden. Andreas Hartmann: "Wenn der Staat den Männern nur Strafe bietet aber keine Unterstützung, dann wird man zwar mehr Täter erwischen und bestrafen aber das Problem nicht lösen."

swissinfo, Etienne Strebel

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