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Gewerkschaft UNIA wirft Fiat-Chef Lohndumping vor

Das Grundstück von Fiat-Chef Sergio Marchionne in Blonay im Kanton Waadt.

(Keystone)

Laut der Gewerkschaft hat Sergio Marchionne diesen Sommer auf seinem Grundstück in Blonay, Kanton Waadt, italienische Landschaftsgärtner für einen Drittel des Mindestlohns arbeiten lassen.

Erst vor einem Jahr wurde Formel-1-Pilot Michael Schumacher im Rahmen der Kontrollen zum freien Personenverkehr ähnlicher Vergehen bezichtigt.

Diese Dumpinglöhne habe man bei einer Baustellenbesichtigung festgestellt, teilte die UNIA am Mittwoch mit. Sechs italienische Arbeiter hätten während mehrerer Wochen auf dem Grundstück des mehrfachen Verwaltungsrats von Schweizer Top-Firmen und früheren Lonza-Chefs gearbeitet.

Ihr Lohn: etwa 7 Franken pro Stunde. "Sergio Marchionne hat so etwa 30'000 Franken gespart", kritisiert die UNIA.

Trotz Frist nicht bezahlt

Nach dem Baustellenbesuch habe man Marchionne und den Arbeitgeber der Landschaftsgärtner gebeten, die Sache in Ordnung zu bringen. "Auf ihren Wunsch haben wir ihnen eine Zahlungsfrist bis zum 31. Juli eingeräumt. Bezahlt wurde aber nichts", sagte UNIA-Sekretär Aldo Ferrari auf Anfrage.

Die italienischen Arbeiter sind deshalb nach Como zurückgereist, ohne richtig bezahlt worden zu sein. Die Waadtländer Behörden seien über den Fall informiert worden.

Die paritätische Kommission hat der italienischen Firma, die ihre Leute in die Waadt geschickt hatte, geschrieben und die Arbeitszeit- und Lohnabrechnungen eingefordert. Die Firma riskiert eine Busse oder gar ein Verbot, hierzulande Aufträge zu übernehmen.

Marchionne wehrt ab

Marchionne seinerseits ist sich keiner Schuld bewusst: Sein Anwalt teilte am Mittwochabend mit, Marchionne habe bei der Anstellung des fraglichen Unternehmens alle Vorkehrungen getroffen, damit die Bilateralen Verträge zwischen der Schweiz und der EU eingehalten würden.

Er habe mit der Firma vereinbart, dass der Lohn der Angestellten auf das schweizerische Mindestniveau angehoben werde. Es liege in der alleinigen Verantwortung des Arbeitgebers, dass die Bilateralen Verträge tatsächlich eingehalten würden.

Der Fall Schumacher

Bereits vor einem Jahr war in der Waadt ein Promi von der UNIA wegen Lohndumping denunziert worden. Die Baufirmen, die in Givrins für den mehrfachen Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher eine Villa bauten, hatten Billigst-Arbeitskräfte angestellt.

Diese Fälle zeigten, dass die Kontrollen seit der Einführung der Personenfreizügigkeit zwischen der Schweiz und der EU äusserst wichtig seien, sagte Ferrari. Bei 90% der Kontrollen würden Unregelmässigkeiten festgestellt.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Im Mai 2000 hat das Schweizer Volk das erste Paket der bilateralen Verträge mit der Europäischen Union (EU) angenommen, das insbesondere den freien Personenverkehr regelt.

Bis Juni 2007 wird die im Juni 2002 in Kraft getretene Personenfreizügigkeit mit den 15 alten EU-Staaten durch ein System von Kontingenten geregelt.

Seit Juni 2004 können die Unternehmen der alten EU-Staaten mit ihren Angestellten in der Schweiz Arbeiten ausführen, und zwar ohne Einschränkungen.

Um die Schweizer Arbeiter vor Lohndumping zu schützen, sieht das Gesetz vor, dass alle, die in der Schweiz arbeiten, den Bedingungen der hiesigen Besoldung unterstehen.

Um den Arbeitsmarkt zu kontrollieren und allenfalls Sanktionen anzuordnen, haben die Behörden ein System von tripartiten Kommissionen (paritäre Kommissionen) mit Vertretern der Behörden, der Arbeitnehmer und der Gewerkschaften eingesetzt.

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