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Hepatitis-C-Infizierung: Nicht erkannte Gefahr

Hepatitis C kann nur mit einem Bluttest nachgewiesen werden.

(swissinfo C Helmle)

Über die Hälfte der mit dem Hepatitis-C-Virus Infizierten wissen nichts von ihrer Erkrankung. Das kann sehr gefährlich sein.

Das Hepatitis-C-Virus kann Leberschäden hervorrufen. Zudem kann die Krankheit unbemerkt auf weitere Personen übertragen und damit weiter verbreitet werden.

Hepatitis C ist eine schwere Infektion der Leber. Die Hepatitis-C-Viren (HCV) werden auf dem Blutweg übertragen. Die Infektion kann bei vielen Patienten zu chronischer Lebererkrankung, Leberzirrhose (Schrumpfleber) oder Leberkrebs führen. Hepatitis C ist zudem die häufigste Ursache für Lebertransplantationen. Mit dem erst 1989 nachgewiesenen HCV haben sich weltweit über 170 Millionen Menschen angesteckt, mehr als mit dem Aids-Virus HIV.

Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit sind in der Schweiz zwischen 50'000 und 70'000 Menschen mit dem HCV infiziert. Jährlich kommen 2500 bis 3000 neue Fälle hinzu.

Die Hepatitis-C-Infektion wird von den Betroffenen zum Beginn meist gar nicht wahrgenommen. Oft vergehen Jahre von der Ansteckung bis zur Diagnose. Eine Therapie wäre aber gerade in der Anfangsphase am wirksamsten.

Verschiedene Risiko-Faktoren

Die Schweizerische Hepatitis-Informationsstelle hält fest, dass die Krankheit meist erst bei einer Routineuntersuchung oder beim Blutspenden festgestellt wird. Trotzdem muss nun nicht jedermann zum Arzt rennen und einen HCV-Test machen.

"Drogen sind heute der wichtigste Risikofaktor für eine Hepatitis-C-Infektion", erklärt Virginie Masserey, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bundesamt für Gesundheitswesen (BAG), gegenüber swissinfo. Deshalb wird ein HCV-Antikörper-Test empfohlen für Personen, welche Drogen gegenwärtig injizieren oder in der Vergangenheit injiziert haben.

Weiter sollten sich Personen, die vor 1992 eine Bluttransfusion erhielten, Dialysepatienten, Kinder von HCV-positiven Müttern einem HCV-Test unterziehen.

Eine gewisse Gefährdung besteht auch bei Gesundheitspersonal, das durch Stichverletzungen oder Hautkontakt mit dem Virus in Kontakt kommen kann.

Zudem empfehlen Hepatitis-Experten den Test auch Menschen, die einen nicht-medizinischen Eingriff wie eine Tätowierung oder Piercing haben vornehmen lassen, bei dem eine Infektion durch das Blut möglich gewesen wäre.

Küssen erlaubt

Die Krankheit wird sehr selten durch Geschlechtsverkehr übertragen. Nicht übertragbar ist Hepatitis C durch Kontakte im Alltag wie Stillen, Niesen oder Husten, Wasser und Nahrungsmittel. Auch die Benutzung desselben Bestecks oder Küssen führt nicht zur Infektion.

Jahrelang im Untergrund

Die Diagnose einer HCV-Infektion wird nach einem Bluttest gestellt. Gefunden werden die Antikörper gegen HCV oder die Ribonukleinsäure selbst. Hepatitis-C Infektionen können jahrelang unentdeckt bleiben.

An einer akuten Gelbsucht erkranken lediglich 10 bis 20% der Angesteckten. Sonst verläuft die akute Infektion weitgehend ohne Symptome. Eine HCV-Injektion wird wahrscheinlich bei 60-80% der Infizierten chronisch.

Das Virus greift die Leber an. Chronische Leberentzündungen verlaufen meist milde. Sie verschlechtern sich nur langsam. Nach 20 bis 40 Jahren führt sie aber bei jeder fünften infizierten Person zur Leberzirrhose, auch Schrumpfleber genannt. Äusserst selten scheint sich nach Jahrzehnten auch ein Leberzellen-Krebs zu entwickeln. Ausserdem kann Hepatitis C invalidisierend müde machen.

Langwierige Therapie

Zur Behandlung der Krankheit wurde bis vor kurzem Interferon eingesetzt. In der Schweiz sind derzeit Interferone alfa-2a und alfa-2b für die Behandlung der chronischen Hepatitis C zugelassen. Eine Therapie dauert in der Regel rund 12 Monate.

Mit neuen kombinierten Medikamenten und Therapien kann die Behandlung bei gewissen Patienten auf die Hälfte reduziert werden (Pegasys und Copegus von Roche) Eine garantierte Heilung besteht jedoch nicht.

Der Einsatz dieser Medikamente scheint für den Pharma-Konzern Roche jedenfalls rentabel zu sein, sind sie doch mitverantwortlich für das Umsatzplus im Geschäftsjahr 2003.

Trotz intensiver Bemühungen wurde bis heute kein wirksamer Impfstoff gefunden. Mit einer Impfung kann deshalb frühestens in einigen Jahren gerechnet werden.

Leber fit halten

Für eine möglichst gesunde Leber sollte man komplett auf Alkohol wie auch auf leberschädigende Medikamente verzichten. Eine Studie belegt einen schlechteren Verlauf von Hepatitis C bei Raucherinnen und Rauchern.

Ausserdem hilft man mit einem harmonischen Lebensumfeld, Entspannung und genug Schlaf, körperlichen Aktivitäten, bewusster Ernährung, also mit einer immunsystemstärkenden Lebensweise, seine Leber zu schonen.

swissinfo, Etienne Strebel

Fakten

Die verschiedenen Hepatitis-Arten:
Hepatits A: Übertragung durch Wasser oder Nahrungsmittel, die mit Fäkalien verseucht sind. Man kann sich dagegen impfen lassen. Kein chronischer Verlauf.
Hepatitis B: Übertragung durch Blut und Geschlechtsverkehr. Chronischer Verlauf möglich. Man kann sich dagegen impfen lassen.
Hepatitis C: Übertragung durch Blut. Oft chronischer Verlauf. Keine Impfmöglichkeit
Hepatitis D: Tritt nur zusammen mit Hepatitis B auf. Ist in der Schweiz sehr selten. Die Hepatitis-B-Impfung schützt auch gegen Hepatitis D
Hepatitis E: Die selbe Übertragung wie bei Hepatitis A. Kein chronischer Verlauf. Kommt in der Schweiz nur selten vor. Es ist keine Impfung möglich.

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In Kürze

Hepatitis C ist eine Leberentzündung, die durch eine Infektion mit dem gleichnamigen Virus ausgelöst wird.

Im Gegensatz zu den anderen Hepatitis-Viren (A, B, D und E) führt eine Infektion mit dem im Jahre 1989 entdeckten Hepatitis-C-Virus (HCV) in sehr vielen Fällen zu einer chronischen Lebererkrankung.

Eine Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus wird von den meisten Betroffenen oft sehr lange nicht wahrgenommen, da sie häufig keine eigentlichen körperlichen Beschwerden verursacht.

Gerade in der Anfangsphase der Erkrankung wäre eine Therapie aber am wirksamsten.

Innerhalb der nächsten Jahre ist nicht mit einem Impfstoff gegen Hepatitis C zu rechnen.

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