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Hilfe nach Tsunami nimmt Gestalt an

Langsam aber stetig entstehen neue Häuser in Banda Aceh. swissinfo.ch

Auch ein Jahr nach der katastrophalen Flutwelle in Südost-Asien leistet die Schweiz Aufbauhilfe vor Ort.

Dieser Inhalt wurde am 25. Dezember 2005 - 17:51 publiziert

Der Aufbau läuft – wegen Bürokratie und ethnischer Spannungen - schleppend. Noch leben Hunderttausende in behelfsmässigen Unterkünften.

Die Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey bezeichnete Anfangs Monat die Schweizer Aufbauhilfe im Vergleich zu derjenigen vieler anderer Nationen als gut. Sie sei glücklich darüber.

Die Projekte rund um die betroffenen Regionen: Häuser und Schulen werden aufgebaut, Wasserversorgungen wieder hergestellt. Weiter wird versucht, den Überlebenden bei der Bewältigung der Traumata zu helfen.

Die DEZA, die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit, begann sofort nach dem Tsunami mit dem Wiederaufbau von vier Fischerdörfern auf den Inseln Ko Kho Khao und Koh Phra Thong, 150 Kilometer nördlich von Phuket.

Wem gehört das Land?

Der Wiederaufbau stösst jedoch auf Hindernisse. Die Klärung des Grundstückbesitzes ist eines der grössten dieser Hindernisse. Die Dokumente wurden zerstört und die Hilfswerke warten auf grünes Licht der Behörden, um die Grundstücke zu bebauen.

"Es ist schwieriger, als wir uns das zu Beginn gedacht haben, weil die Klärung der Besitzverhältnisse der springende Punkt ist", sagt Rolf Grossenbacher, Architekt beim Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH) gegenüber swissinfo.

Die administrativen Hürden behindern den Wiederaufbau stark. An der stark betroffenen Ostküste leben immer noch Zehntausende in behelfsmässigen Unterkünften.

"Eine Lage, die wir nicht voraussehen konnten, auch die Behörden nicht", sagte Bettina Iseli, Koordinatorin von Caritas. Für viele NGO's sei das hier ein Lernprozess.

Ethnische Konflikte

Auch Sri Lanka war von der Flutwelle stark betroffen. Das Land leidet seit über 20 Jahren unter dem Konflikt der regierenden Singhalesen mit den hinduistischen Tamil Tigers, welche für einen unabhängigen Staat kämpfen.

"In einem Gebiet, wo hauptsächlich Vertriebene des Bürgerkrieges leben, kann nicht einfach mit der Opferhilfe begonnen werden", sagt der Schweizer Botschafter Bernardino Regazzoni gegenüber swissinfo. "Sie müssen zwei Probleme gleichzeitig beachten, um nicht zusätzliche Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen zu schaffen", sagt er.

Wasserwerk läuft wieder

Tausende von Kilometern von Sri Lanka entfernt, im indonesischen Banda Aceh, leben immer noch mehr als 200'000 Leute notdürftig in Zelten oder Baracken. Wie auch in Sri Lanka hat die indonesische Regierung grosse Küstengebiete als praktisch unbewohnbar erklärt. Hier verursachte die Flutwelle die grössten Zerstörungen.

In der Stadt Sigli ist das Meerwasser zwar verschwunden. Doch das Schweizerische Rote Kreuz – das hier eine neue Schule bauen will – kann mit der Arbeit nicht beginnen, weil der Monsunregen das Land überschwemmt.

Schon die Baugenehmigung zu erhalten sei ein bürokratischer Albtraum gewesen, sagen die Verantwortlichen. Nun wird versucht, das Wasser wegzupumpen.

Besser lief die Instandstellung der Wasserversorgung. Das Schweizerische Rote Kreuz hat die Wasseraufbereitung der Stadt Lumbaro renoviert. Das Werk liefert Wasser für 300'000 Einwohner.

Kein Stress

Andere Projekte der Schweizer Aufbauhilfe beinhalten die Hilfe zur Selbsthilfe. In der Nähe von Calang, normalerweise vier – jetzt zwölf - Autostunden von Banda Aceh, müssen in der Hälfte der über 900 Familien Witwen ohne Verdienstmöglichkeit ihre Familien durchbringen.

Hier versucht HEKS, das Hilfswerk der Evangelischen Kirche der Schweiz, zu helfen. "Die Witwen sind besonders betroffen. Sie haben in Banda Aceh keine Sozialstruktur auf die sie zurückgreifen können, deswegen versuchen wir zu helfen", sagt HEKS-Sprecherin Seta Thakur.

Die Hilfe in den vom Tsunami betroffenen Gebieten greift zwar. Die Zeichen sind überall zu sehen. Doch wie lange es gehen wird, bis die Schäden alle behoben sind, weiss niemand. Die Hilfswerke sprechen von Jahren.

"Wir tun was wir können", sagt Karl Gerner von Helvetas, der in Sri Lanka Häuser baut. "Nur nicht stressen lassen", sagt er. Denn was unter Zeitdruck erstellt werde, falle schnell wieder zusammen.

"Qualität braucht Zeit", sagt Gerner. "Bevor gebaut werden kann, muss erst die Strasse gebaut werden und die Entwässerung muss funktionieren".

swissinfo

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