Hotline für Whistleblowers

Korruption ist in der Schweiz lediglich ein Antragsdelikt. imagepoint

Transparency International Schweiz nimmt eine Meldestelle für Personen in Betrieb, die Unregelmässigkeiten am Arbeitsplatz aufdecken.

Dieser Inhalt wurde am 29. März 2006 - 09:06 publiziert

Diese Hotline garantiert Anonymität. Sie soll aber nur als letztes Mittel benutzt werden, wenn der Arbeitgeber nicht handelt oder dem Whistleblower Nachteile erwachsen.

Whistleblowers sind Personen, die an ihrem Arbeitsplatz Zeugen von illegalen Praktiken werden, diese intern melden oder an die Öffentlichkeit tragen.

Was tun bei sexueller Belästigung, wenn der Chef die Buchhaltung fälscht, eine Kollegin Bestechungsgelder zahlt, um einen Auftrag zu erhalten oder ein Mitarbeiter Sicherheitsauflagen verletzt?

Transparency International Schweiz eröffnet am Mittwoch eine Hotline für Whistleblowers. Wer am Arbeitsplatz illegale Aktivitäten entdeckt, kann sich beraten lassen.

Bei der Beratung wird darauf hingewiesen, dass der Whistleblower zuerst den Arbeitgeber informieren muss (internes Whistleblowing). Wenn dieser nicht reagiert oder Grund zur Annahme besteht, dass der Arbeitnehmer in die strafbare Handlung involviert ist, soll sich der Whistleblower an die Behörden wenden (externes Whistleblowing).

Hohe Dunkelziffer

"Wir sind weder Untersuchungsbehörde noch Polizei. Wenn der Whistleblower die internen Schritte unternommen hat, aber Angst hegt, den Fall bei der Polizei anzuzeigen, dann übernehmen wir die Anzeige und garantieren die Anonymität", sagt Anne Schwöbel, Direktorin von Transparency International Schweiz gegenüber swissinfo.

Bei Korruptionsdelikten zum Beispiel gehen Fachleute von einer Dunkelziffer von 97 bis 99% aus. Jene Taten, die aufgedeckt würden, kämen meist mit Hilfe von Whistleblowers ans Licht.

Angst vor Repressalien

Aus Angst vor Repressalien würden jedoch nur wenige ihre Beobachtungen melden, schreibt Transparency. Diese Zurückhaltung sei verständlich, denn Whistleblowers gingen ein grosses Risiko ein: Sie würden häufig entlassen, im Betrieb diskriminiert und als Nestbeschmutzer oder Denunzianten hingestellt.

Hier bietet die Nichtregierungsorganisation die Möglichkeit, über die Meldestelle ohne namentliche Nennung des Whistleblowers die Korruptionstat an die Behörde weiterzuleiten. Unterstützt wird das Projekt vom Rechtswissenschaftlichen Institut der Universität Zürich.

Rückenwind erhalten Whistleblowers auch von gesetzgeberischer Seite: Beide Kammern des Parlaments verlangen von der Regierung ein Gesetz, das Whistleblowers in der Privatwirtschaft und in der Verwaltung vor ungerechtfertigter Entlassung schützt. "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung.", sagt Schwöbel.

Bisher ist Korruption in der Schweiz ein Anklage- und kein Offizialdelikt.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Transparency International ist die führende Nicht-Regierungsorganisation gegen Korruption.

Sie setzt sich ein für Regeln und Grundsätze im Kampf gegen Korruption.

Die Organisation ist in 85 Ländern vertreten.

Der Hauptsitz ist in Berlin.

Die Schweizer Sektion wurde 1995 gegründet.

Die Hotline (+41 31 382 50 44) wird am 29. März in Betrieb genommen.

End of insertion

In Kürze

Nach der Grossen Kammer des Parlaments hat auch die Kleine Kammer eine Motion an die Regierung überwiesen, welche einen besseren Schutz für Whistleblowers verlangt.

Korruption ist in der Schweiz lediglich ein Antrags- und kein Offizialdelikt,

Schätzungsweise 12% der Fälle von Wirtschaftskriminalität in der Schweiz sind mit Korruption verbunden.

Weltweite Korruptions-Summe: 400 Mrd. Dollar pro Jahr.

End of insertion

In Kürze

Nach der Grossen Kammer des Parlaments hat auch die Kleine Kammer eine Motion an die Regierung überwiesen, welche einen besseren Schutz für Whistleblowers verlangt.

Korruption ist in der Schweiz lediglich ein Antrags- und kein Offizialdelikt,

Schätzungsweise 12% der Fälle von Wirtschaftskriminalität in der Schweiz sind mit Korruption verbunden.

Weltweite Korruptions-Summe: 400 Mrd. Dollar pro Jahr.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen