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Internet-Zugriff von überall und immer schneller

Keystone

Durch den Ausbau der Infrastruktur sollen Internet und Mobiltelefonie in Zukunft weltweit multimedial verschmelzen. Die Krise bei Print- und Onlinemedien könnte aber auch die Vielfalt in diesem Bereich gefährden, befürchtete man an den Comdays in Biel.

Dieser Inhalt wurde am 22. Oktober 2009 - 08:05 publiziert

"Wenn man die Welt von Morgen verstehen will, muss man verstehen, was die Leute heute antreibt: Alle Menschen wollen den westlichen Lebensstandard erreichen. Ich weiss nicht, mit welchen Argumenten man ihnen das verwehren sollte", sagte der ehemalige deutsche Aussenminister Joschka Fischer zur Eröffnung der Bieler Kommunikationstage, einer Diskussionsplattform von Forschung, Politik, Medien und Telekommunikations-Industrie.

Um den wahrscheinlich neun Milliarden Menschen, die Mitte dieses Jahrhunderts die Erde bevölkern werden, diese Entwicklung zu ermöglichen, seien jedoch riesige Veränderungen nötig, sagte Fischer.

Trotz der anstehenden Probleme ist laut Fischer die Freiheit zu Handeln noch nie so gross gewesen wie heute. Zwar seien Indien und China im Kommen. Europa, und auch die nicht zur Europäischen Union gehörende Schweiz, besässen einen grossen technologischen Vorsprung, eine Spitzenposition, die man angstfrei und selbstbewusst verteidigen müsse.

Man dürfe sich jedoch nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen: "Es reicht nicht, up to date zu sein, man muss up to tomorrow sein."

Glasfasern und technologieneutrale Frequenzen

Die Länder, in welchen man möglichst flächendeckende Glasfasernetze zur Übertragung der immer schneller wachsenden Datenmengen anbietet, sind für die digitale Zukunft wahrscheinlich am besten gerüstet.

Die Schweiz scheint in diesem Wettbewerb mit dem kürzlich erfolgten Konsens von Telekom-Anbietern und Elektrizitätswerken zum Bau nur eines Netzes gut positioniert zu sein.

In der Zukunft wird aber auch die Bedeutung der mobilen Breitbanddienste wachsen. Damit soll der schnelle Zugriff auf das Internet von überall her möglich sein.

Matthias Kurth, Präsident der deutschen Regulierungsbehörde Bundesnetzagentur wies jedoch darauf hin, dass eine vernetze Welt nur mit einer technologieneutralen Vergabe der Übertragungsfrequenzen möglich sei. Nur so könnten alle Dienste und Technologien in einem Gerät verschmelzen.

Brücke über den digitalen Graben

Während man in den hochentwickelten Ländern über flächendeckenden Ausbau der Glasfasertechnologie spricht, ist das Internet in den ländlichen Gebieten Indiens praktisch kein Thema, wie Guruduth Banavar, Chef des IBM-Forschungslabors in Indien ausführte.

Gründe dafür seien die weit verbreitete Armut und die damit verbundene mangelhafte Bildung. Mit dem so genannten Spoken Web will man den digitalen Graben überwinden: Mit Sprechen und Hören anstelle von Schreiben soll via Mobiltelefon alles möglich sein, was im Internet möglich ist.

Medienbranche in der Krise?

Während sich die Telekommunikations-Branche auf eine goldene Zukunft freut, leckt man sich bei den Medien, die auch auf dem Internet zunehmend Präsenz markieren müssen, die Wunden.

Der nicht nur von der Wirtschaftskrise beeinflusste Anzeigenschwund macht dem grössten Teil der Branche Sorgen. Diesem Problem widmete sich der zweite Tag der Bieler Comdays.

Für Marc Walder, Geschäftsführer des Verlagshauses Ringier Schweiz, befindet sich die Branche "in einer gigantischen Krise". Die Auflagen von Zeitungen und Zeitschriften befänden sich im Sinkflug und mit der Werbung in den kostenlosen Internetauftritten könne das finanzielle Loch nicht gefüllt werden.

Bei den Online-Medien seien die Einnahmen pro Nutzer um ein vielfaches tiefer als bei klassischen Medien, so Hans-Peter Rohner, Chef der Publigroupe AG, einer international tätigen Marketing-, Verkaufs- und Dienstleistungsgruppe für Medien und Werbetreibende.

Otfried Jarren, Ordinarius für Publizistikwissenschaft an der Universität Zürich, sieht jedoch keine allgemeine Medienkrise. Das Problem sei bei den Tageszeitungen und vor allem bei deren Verlagsmanagements hausgemacht. So gehe die Tagespresse zu wenig auf die Bedürfnisse der hochdifferenzierten Wissensgesellschaft ein.

Die Branche müsse zu einem "Qualitäts-Pakt" mit ihrer Leserschaft kommen. Er versteht darunter die Schaffung von publizistischem Wert, für den das Publikum bereit sei, zu zahlen. Gratis-Presseprodukte seien ein falscher Weg aus dem Dilemma.

Qualität in USA in Gefahr

Stephan Russ-Mohl, Professor an der Universität Lugano, hat die Medien-Situation in den USA untersucht. Dort habe sich die Situation noch mehr als in der Schweiz zugespitzt. Für ihn ist der Qualitätsjournalismus in den USA akut gefährdet.

Die Abwanderung journalistischer Produkte ins Internet bezeichnete er als Todesspirale. Denn die Werbung folge ihnen nach. Als verheerend für die Branche empfindet er die Verlagerung des Kleinanzeigengeschäfts, das früher rund 40% der Werbeeinnahmen bei Tageszeitungen erreichte, auf spezialisierte Internetplattformen.

Als Lösung des Problems favorisiert Russ-Mohl bezahlten Qualitätsjournalismus, finanziert durch Online-Abonnemente oder Micropayment-Methoden.

Etienne Strebel, Biel, swissinfo.ch

Comdays

Zweck der Stiftung Comdays: Jährliche Veranstaltung der Bieler Kommunikationstage.

Beteiligt sind Publigroupe SA, Hasler-Stiftung, Bundesamt für Kommunikation (Bakom) und Stadt Biel.

Die Stiftung wurde 2001 gegründet, um ab 2002 eine Tagung zum Thema "Kommunikation" zu veranstalten und künftig die Bieler Kommunikationstage zu einem wichtigen Treffpunkt der schweizerischen Kommunikationsbranche zu machen.

Ein Programmrat stellt seit 2007 jährlich aus der Vielfalt der fokussierten Themenbereiche das Programm zusammen.

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Programmschwerpunkte früherer Comdays

2008: "Letzte Meile und Mobilfunknetze in der Telekommunikation", "Die Zukunft des Fernsehens"

2007: "Zukünftige Anwendungsformen digitaler Technologien und Qualität der verbreiteten Inhalte"

2006: "Informations- und Kommunikationsmarkt in der Schweiz – Endstation oder Neubeginn?"

2005: "Total Mobility", "Neue Trends, neue Technologien, neues Gesetz – Radio/TV was nun?"

2004: "Chance Breitband", "Service Public – zwischen Music Star, Big Brother und Auftrag", "Digitales TV – Technologie ohne Zukunft?", "Bestimmen die Medien die politische Agenda?"

2003: "Aufschwung in der Telekommunikation - Ist Land in Sicht?", "Interpretation des Service Public in den elektronischen Medien"

2002: Zentrale Fragen des Wandels unserer Gesellschaft im Zusammenhang mit der Entwicklung der Telekommunikation: "Informationsgesellschaft", "Situation des Kommunikationsmarkts in der Schweiz"

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