Irak-Krise überschattet Davos

Ende des WEF 2003: Die Teilnehmer verlassen Davos. Keystone

Das 33. World Economic Forum in Davos ist zu Ende. Das internationale Gipfeltreffen von Wirtschaft und Politik war geprägt vom drohenden Irak-Krieg und dessen wirtschaftlichen Auswirkungen.

Dieser Inhalt wurde am 28. Januar 2003 - 12:49 publiziert

Die Sicherheitsvorkehrungen waren so gross wie nie zuvor.

Nach 6 Tagen Diskussionen und Klagen über die Wirtschaftssituation ist das Weltwirtschaftsforum 2003 vorbei. Im Zentrum der beteiligten Schweizer standen Wirtschaftsführer, welche CEOs herausforderten, ihre Standards zu verbessern.

Peter Brabeck von Nestlé gehörte zu diesen Mahnern. "Da baut man während vielen, vielen Jahren Vertrauen auf - und zerstört es in einer Sekunde", sagte er.

Viele der mehr als 2000 am WEF teilnehmenden Wirtschaftsführer und Politiker äusserten sich bereits zu Beginn des Gipfels besorgt über die globale Rezession und den Einfluss eines möglichen Irak-Krieges.

Bis zur Abreise war die Besorgnis bei vielen noch gestiegen. Das diesjährige WEF wollte die Gelegenheit bieten, viele der finanziellen Desaster - dazu gehören Enron und Swissair - zu überwinden. "Vertrauen schaffen", so das Motto des WEF. Organisator Klaus Schwab hoffte, einen Anstoss geben zu können, um aus der Negativspirale der Weltwirtschaft auszubrechen.

Schlechtwetter-Programm

Mark Pieth, Professor für Strafrecht an der Universität Basel, erklärte, die Themen Geldwäscherei, Korruption und Betrug hätten es auf die Agenda in Davos geschafft.

"Diese Themen sind momentan auf dem Tisch, (...) und die Leute sind bereit, sich damit auseinander zu setzen. Das war in früheren Jahren anders, vermute ich", sagte Pieth zu swissinfo.

Er ortet einen Wechsel vom "Schönwetter-Programm zum jetzigen Schlechtwetter-Programm".

In der Vergangenheit war Davos eine Plattform für Sieger, um ihre Erfolge zu präsentieren. Damals standen Enron- und WorldCom-Chefs mit ihren hochfliegenden Visionen im Rampenlicht.

Dieses Jahr waren Figuren wie Peter Brabeck von Nestlé die grossen Stars. Brabeck, der als CEO mitgeholfen hatte, dass der weltweit grösste Nahrungsmittel-Multi Jahr für Jahr Profite auswies, die nicht kurzlebigen Markttrends unterworfen waren.

Nachhaltigkeit gegen kurzfristige Profite

Brabeck nutzte seinen Status, um die Kurzzeit-Mentalität zu kritisieren, welche viele Wirtschaftsbereiche in den 90er Jahren zerstört habe. Sein Hauptaugenmerk richtete er auf die von den USA her kommende Obsession, Quartalszahlen zu veröffentlichen: Dies lasse kurzfristige Profite wichtiger werden als Nachhaltigkeit.

"Als wir in den 90er Jahren sagten, wir würden unsere Finanz-Ziele den Finanzanalysten nicht mitteilen, wurden wir verflucht", sagte Brabeck. "Wir wurden als langweiligste und altmodischste Firma der Welt bezeichnet."

Viele Debatten in Davos stellten die bisher geltende Ansicht in Frage, dass der wahre Wert einer Firma mit dem Shareholder Value gemessen werden könne. Brabeck und mit ihm auch andere setzten sich für ein breiteres Spektrum von Messmethoden ein: So könnte der Wert einer Firma Zum Beispiel durch Stakeholder, Kunden und Angestellte bestimmt werden.

Brabeck warnte eindringlich vor der Dominanz der Finanzanalysten. "Das Unheil begann mit den hochmütigen Aktionen der Finanz-Analysten, die meinten, sie allein wüssten, wie sich der Profit für eine Firma errechnet", sagte er.

Viel Gerede, wenig Action

Trotz der vielen Gespräche waren viele WEF-Teilnehmer der Tagung der Ansicht, dass es für Reformen mehr brauche als blosse Lippen-Bekenntnisse. Professor Pieth sagte, einige Firmenchefs hätten grössere Bereitschaft erkennen lassen, die corporate governance zu verbessern.

Einige der wahren Herausforderungen, wie der Kampf gegen Korruption und Bestechung, seien nicht thematisiert worden, beklagte sich Pieth. "Wir sollten die Wirtschaftsführer dazu anhalten, ihre Verantwortung gegenüber ihrer Firma aber auch der Öffentlichkeit wahrzunehmen."

Irak, Irak und noch einmal Irak

Das diesjährige Forum war vom drohenden Krieg gegen Irak und dem Einfluss des Terrorismus auf das weltweite Geschäft geprägt. Der Schweizer Bundespräsident, Pascal Couchpin, eröffnete das WEF mit der Aussage, dass die Schweiz keine einseitige militärische Aktion gegen den Irak unterstützen würde.

Seinen Ausführungen folgte eine temperamentvolle Rede des malaysischen Premierministers, Mahatir bin Mohamad, der sagte, dass die Methode der USA, Terrorismus mit Terror zu bekämpfen, nur neuen Terror hervorbringen werde.

Höhepunkte des diesjährigen WEF waren die Auftritte von US-Aussenminister Colin Powell und des frischgebackenen brasilianischen Präsidenten Lula da Silva.

Für viele Zuhörer, Pascal Couchepin inbegriffen, war Powells Rede für kriegerische Massnahmen gegen den Irak nicht ganz überzeugend.

Komplexe Welt zu erfassen versuchen

Nach Einschätzung von Klaus Schwab, Gründer und Präsident des WEF, ist der Grundgedanke des WEF heute "begründeter denn je". In den Anfangsjahren sei die Ausgangslage viel einfacher gewesen als heute. Es sei darum gegangen, Konflikte zwischen Nord und Süd, West und Ost, den Einfluss der Geldpolitik und die Folgen des Freihandels auf die Weltwirtschaft zu erörtern.

Heute seien die Fragen viel komplexer, und das WEF reflektiere diese Komplexität, heisst es in einer Mitteilung vom Dienstag.

Der Erfolg des diesjährigen Anlasses mit mehr als 270 Veranstaltungen sei daher auch als Zeichen zu werten, dass allmählich wieder Vertrauen in eine Welt zurückkehre, die wegen Wirtschafts-Skandalen und terroristischer Angriffe aus den Fugen zu geraten drohe.

Schwab bedauerte aber die Absenz von wichtigen europäischen Vertretern aus Politik und Wirtschaft.

Angelpunkt Sicherheit

Die 33ste Ausgabe des World Economic Forum war auch geprägt von den grössten Sicherheitsvorkehrungen in der Schweiz seit dem zweiten Weltkrieg. Tausende von schwer bewaffneten Armeeangehörigen und Polizisten sorgten dafür, dass die Tagung ohne Störungen durchgeführt werden konnte.

Die Sicherheits-Anstrengungen waren aber auch ein Hinweis an die Teilnehmenden, dass der Welt die Gefahr eines neuen Krieges droht.

swissinfo, Jacob Greber, Sonderkorrespondent in Davos

In Kürze

Ängste über die globale Rezession und den wahrscheinlichen Krieg gegen Irak prägten das World Economic Forum in Davos.

Viele Redner setzten sich dafür ein, den Irak-Konflikt mit friedlichen Mitteln zu lösen.

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