Navigation

Kampf dem illegalen Organ-Handel

In der Schweiz sind Organe zur Transplantation Mangelware. Keystone

Die Länder Europas sollen dem illegalen Handel mit Organen den Riegel schieben. Die Schweizer SP-Nationalrätin Ruth-Gaby Vermot legte dem Europarat einen Bericht über dieses lukrative Geschäft vor.

Dieser Inhalt wurde am 25. Juni 2003 - 19:04 publiziert

In der Schweiz will ein neues Gesetz den Organhandel verbieten.

"Es ist dramatisch, dass Menschen unter dermassen schlechten Bedingungen leben, dass sie sich selber oder einen Teil ihres Körpers verkaufen müssen", kritisiert SP-Nationalrätin und Europarats-Abgeordnete Ruth-Gaby Vermot nach einem Augenschein in Moldawien.

Dass skrupellose, international agierende Banden aus der Not von Menschen Kapital schlagen, ist nicht neu; sei es, dass Frauen und junge Mädchen zum Beispiel aus dem Armenhaus Moldawien via Balkan nach Westeuropa gelangen und hier als Prostituierte enden, sei es, dass Schlepperbanden Menschen ohne Zukunftsperspektive für horrende Summen ins "westliche Paradies" locken.

Eine Niere für 3000 Dollar

Ruth-Gaby Vermot präsentierte dem Europarat am Mittwoch ihren Bericht über den illegalen Organhandel in Europa. Sie hatte in Moldawien mehrere junge Männer getroffen, die in der Türkei eine ihrer Nieren verkauft hatten.

Den jungen Männern war Arbeit versprochen worden. Doch als sie in der Türkei ankamen, fanden sie jedoch keinen Job vor, dafür die Möglichkeit, für 3000 Dollar eine Niere zu verkaufen, was sie aus Geldnot auch taten.

In einem High-Tech-Spital fand die Organ-Entnahme statt, eine medizinische Nachbehandlung gab es nicht. Nach wenigen Tagen mussten die Männer zurück nach Moldawien.

... und dann für 250'000 Dollar

Laut Vermot kostet eine solche neue Niere zwischen 150'000 und 250'000 Dollar. "Eine Unmenge Geld. Da geht viel an das organisierte Verbrechen", betont die Nationalrätin gegenüber swissinfo.

Die Käufer stammten aus Westeuropa, Israel aber auch aus arabischen Staaten. "Wir wissen, dass in Europa Leute von den Wartelisten für Organ-Transplantationen verschwinden, die nicht gestorben sind. Da nimmt man an, dass diese Menschen irgendwo illegal eine Niere gekauft haben."

Organ-Mangel

In der Schweiz waren im letzten Jahr 1178 Personen auf der Warteliste von Swiss Transplant gestanden, der Organisation, die Transplantationen organisiert und koordiniert. 54 Patienten verstarben im letzten Jahr, weil das für sie dringend benötigte Organ nicht beschafft werden konnte.

"Je besser die Gesundheitsversorgung, desto besser kann man Leben retten - auch das von potenziellen Organ-Spendern", erklärt Theodor Weber, Leiter Sektion Transplantation und Forschung am Menschen im Bundesamt für Gesundheit (BAG) gegenüber swissinfo. Dies sei einer der Gründe, weshalb Organe in wohlhabenden Ländern Mangelware seien.

Internationale Verbrecher-Organisationen haben diese "Marktlücke" schon seit Längerem entdeckt. Sie nutzen die Not der Kranken, die dringend ein Organ brauchen, und bringen in extremer Armut lebende Menschen dazu, ihre Organe zu verkaufen. Der Spender riskiert seine Gesundheit, der Kranke wird eventuell wieder gesund, und die Verbrecher bereichern sich.

Das Problem an der Wurzel packen

Der Europarat will laut Vermot als erstes die Armut in Ländern wie Moldawien, Ukraine, Bulgarien oder Russland bekämpfen, um solch illegale Geschäfte zu unterbinden.

Zudem müsse gegen organisierte Verbrechen, aber auch gegen die Käufer und Kunden dieser Opfer, vorgegangen werden. Der Europarat will auch, dass die Länder ihre Transplantations-Gesetze revidieren.

Für eine möglichst effiziente und schnelle Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Ländern schlug die Ministerkonferenz des Europarats auch die Schaffung einer Spenderkartei vor.

Schweizer Transplantations-Gesetz

Die Schweizer Regierung will mit einem neuen Transplantations-Gesetz den missbräuchlichen Umgang mit Organen, Geweben oder Zellen verbieten. Menschenwürde, Persönlichkeit und Gesundheit müssen geschützt sein.

Zudem ist es untersagt, "für die Spende von menschlichen Organen, Geweben oder Zellen einen finanziellen Gewinn zu gewähren oder entgegenzunehmen".

swissinfo, Gaby Ochsenbein

In Kürze

Wenn kein Spender-Pass existiert und somit kein schriftlicher Wille besteht, entscheiden in der Schweiz die nächsten Angehörigen, ob dem Toten Organe entnommen werden dürfen.

In der Schweiz standen im letzten Jahr 1178 auf der Warteliste für Spender-Organe.

In Deutschland warten 11'000 Personen auf eine Organspende.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen

Diskutieren Sie mit!

Mit einem SWI-Account erhalten Sie die Möglichkeit, Kommentare auf unserer Webseite sowie in der SWI plus App zu erfassen.

Login oder registrieren Sie sich hier.