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Kaufanreize für Novartis-Medikamente in den USA

Bluthochdruck gehört zu einer der verbreitetsten westlichen Zivilisationskrankheiten.

(Keystone)

Der Schweizer Pharma-Multi Novartis offeriert in den USA den Kunden seiner Medikamente gegen hohen Blutdruck eine Geldrückgabe-Garantie.

Für Kritiker geht es bei dem jüngsten Schritt des Konzerns eher um den Profit als um die Gesundheit.

Fachleute sind nämlich der Ansicht, dass billigere Generika für Patienten mit Blutdruck-Problemen in einer ersten Phase geeigneter sind als Marken-Medikamente. Novartis weist Vorwürfe zurück, wonach die Aktion lediglich aus Profitgründen erfolgt sei.

Die Geldrückgabe-Garantie für seine rezeptpflichtigen Marken-Medikamente Diovan und Lotrel diene dazu, die Patienten für eine aktivere Kontrolle ihres hohen Blutdrucks zu sensibilisieren.

Es gehe darum, das Vertrauen der Patienten zu stärken, sagt Doris Wissler, Sprecherin von Novartis in Basel, gegenüber swissinfo. "Der Hauptpunkt des Programms ist nicht die Geldrückgabe-Garantie, sondern den Leuten zu helfen, sich selber zu helfen", so Wissler.

Herzkrank

Rund 60 Millionen Amerikaner und Amerikanerinnen leiden an zu hohem Blutdruck. Etwa zwei Drittel von ihnen haben ihre Krankheit nicht unter Kontrolle, was sie einem höheren Herzinfarkt-Risiko aussetzt.

Experten meinen, dass das Problem teilweise mit der ärztlichen Zurückhaltung im Verschreiben von Medikamenten-Kombinationen zusammenhängt. Einen weiteren Grund sehen sie darin, dass Patienten beim Verschwinden der Symptome die Medikamente absetzen.

Novartis hat seine Kaufanreiz-Kampagne mit der Geldrückgabe-Garantie in den USA in diesem Monat als Pilotprojekt lanciert. Die US-Regierung hat dafür grünes Licht gegeben, und amerikanische Berufs- und Fachverbände unterstützen das Programm.

Kritiker sagen, die Novartis-Aktion werde wahrscheinlich dazu führen, dass die Medikamente zu früh verschrieben würden. Zudem brauchten viele Leute, die an zu hohem Blutdruck leiden, keine derart starken und teuren Medikamente.

Beta-Blocker

Die offiziellen US-Gesundheits-Richtlinien empfehlen Patienten mit hohem Blutdruck, ihr Leiden zuerst mit einfachen Mitteln wie Beta-Blocker oder harntreibenden Medikamenten zu bekämpfen. Mittel, die monatlich lediglich zwei Dollar kosten.

Ärzte sind angewiesen, im Anfangsstadium der Krankheit einfache Mittel und erst später Medikamenten-Kombinationen wie Diovan und Lotrel zu verschreiben.

"Jüngste Studien haben gezeigt, dass billige Generika für die meisten Patienten eine gute Wirkung haben", schreibt der US-Arzt James Winshall in der "Harvard News Review".

Winshall, der in einem Spital in Boston arbeitet, erklärt, die Novartis-Medikamente seien auch mit Kaufanreiz, der eine 30-tägige Gratistest-Garantie sowie einen Blutdruckmesser enthält, noch teurer.

"Patienten mit verschriebenem Rezeptplan müssen einen erheblichen Rechnungsbetrag für die Marken-Namen bezahlen, die im Novartis-Programm enthalten sind", so Winshall.

Ein Auge auf Europa

Falls die Pilot-Kampagne in den USA Erfolg hat, möchte Novartis in Europa dieselben Kaufanreize anbieten. Allerdings sieht Konzern-Sprecherin Wissler Probleme "wegen kultureller Barrieren und staatlicher Regulierungen", wie sie gegenüber swissinfo sagt.

"Diese Punkte werden entscheidend sein für den Versuch, ein solches Programm auch in Europa zu lancieren." In jedem Land müssten die Regulierungen genau geprüft werden. Das geschehe aber erst, wenn das Pilotprojekt in den USA abgeschlossen sei.

Laut Experten werden sich viele europäische Regierungen gegen Kaufanreize bei Medikamenten wehren. Geldrückgabe-Garantien seien für sie eher für Konsumgüter geeignet.

swissinfo, Elizabeth Meen
(Übertragung aus dem Englischen: Jean-Michel Berthoud)

In Kürze

Medikamenten-Kombinationen wie Diovan und Lotrel von Novartis, die pro Tag 2 US-Dollar kosten, sollten laut Ärzten erst dann gebraucht werden, wenn einfachere und billigere Mittel gegen zu hohen Blutdruck erfolglos waren.

Zu hoher Blutdruck wird von den Patienten oft zu spät wahrgenommen, weil die Symptome dafür nicht spürbar sind. Aus diesem Grund ist das Risiko eines Herzinfarktes und Nierenversagens oder sogar einer Erblindung und Demenz gross.

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