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Kicker kochen gegen Junkfood

Das "Eat for Goals!"-Kochbuch: Fussball-Stars engagieren sich gegen Übergewicht bei Jugendlichen.

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Jedes fünfte Kind in der Schweiz ist übergewichtig, allein in Europa sind es über 20 Millionen. TV-Werbeverbot für Junkfood ist nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit ein Thema. Und 13 Weltfussballstars kicken nicht, sondern kochen gegen Fastfood.

Um Kinder unter 16 Jahren vor ungesundem Essen zu schützen, fordern in der Schweiz vier Konsumenten-Organisationen ein teilweises Werbeverbot für ungesundes Essen.

Die Kampagne steht unter dem Patronat des internationalen Konsumentenverbandes Consumers International. Dieser will die ausgearbeiteten Richtlinien im Frühjahr der Weltgesundheits-Organisation (WHO) in Genf vorlegen.

Kein Sukkurs vom BAG...

Die Hoffnungen der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), dass sich die Schweizer Regierung für eine Umsetzung der Richtlinien stark macht, wurden bisher nicht erfüllt. Zurzeit habe man nicht die Absicht, die Lebensmittelwerbung einzuschränken, heisst es im Bundesamt für Gesundheit (BAG). Man setze auf Eigenverantwortung der Konsumenten und der Industrie.

"Diese Haltung der Behörden erstaunt und enttäuscht mich", sagt SKS-Präsidentin Simonetta Sommaruga gegenüber swissinfo. Dies, weil man wisse, dass Übergewicht bei Kindern heute eines der ganz grossen Gesundheitsprobleme sei. "Da bräuchten wir für unsere Kampagne natürlich auch die Unterstützung der Gesundheitsbehörden", so Sommaruga.

Dennoch sieht die SKS-Präsidentin Chancen für die Kampagne, weil sie international geführt werde. Zudem seien Behörden in anderen Ländern "offener als unsere in der Schweiz". Die gesundheitlichen Probleme von übergewichtigen Kindern beträfen uns alle und kosteten vor allem auch viel. "Deshalb müsste man diesen Konsens schon noch finden."

...dafür von Weltfussballstars

Indirekte Unterstützung erhält die Kampagne gegen Junkfood von ganz anderer Seite: Der Europäische Fussballverband Uefa und die World Heart Federation haben mit Unterstützung der EU ein Kochbuch mit dem Titel "Eat for Goals!" ("Kochen mit Kick") herausgegeben, zu dem 13 Top-Spieler (darunter 3 Fussballerinnen) ihren Beitrag geleistet haben.

Mit dem Kochbuch, das sich an Kinder zwischen 5 und 11 Jahren richtet, soll unterstrichen werden, dass gesunde Ernährung wesentlich ist für einen gesunden Lebensstil.

Pasta alla Cannavaro

Ein Pack Teigwaren (Pasta), 6 Tomaten, 2 Auberginen, 12 schwarze Oliven, 4 Esslöffel Olivenöl, Basilikum, Kapern, 2 Zwiebeln, 4 Knoblauchzehen – so bereitet Fabio Cannavaro von Real Madrid und Captain von Fussballweltmeister Italien seine Pasta alla siciliana zu. Ein einfaches, nicht fetthaltiges Rezept.

Auch Top-Stars wie Thierry Henry und Carles Puyol (beide Barcelona), Ruud van Nistelrooy (Real Madrid), Lukas Podolski oder Miroslav Klose (beide Bayern München) machen es mit einer detaillierten Liste der Zutaten und genauen Anweisungen bei der Zubereitung der 13 Gerichte für unerfahrene Kinder leicht, köstliche und gesunde Gerichte zuzubereiten. Oder in den Worten von Liverpool-Captain Steven Gerrard gegenüber der Uefa: "Das Buch zeigt jungen Spielern und Fussball-Liebhabern, wie man wie Champions kocht und isst."

Keine Absagen von Stars

Es sei relativ einfach gewesen, die 13 Stars für das Buch zu gewinnen, sagt Patrick Gasser, Verantwortlicher für Sozialprojekte der Uefa, gegenüber swissinfo. "Wir hatten keine Absagen. Wir haben die entsprechenden Clubs, dann die Spieler kontaktiert und kamen relativ einfach zu diesen Rezepten."

Die Auswahl der Spieler wiederspiegle eine mehr oder weniger repräsentative Vertretung aus Europa. Allerdings ist kein einziger Schweizer Fussballer dabei. Etwa, weil Tranquillo Barnetta Werbung für McDonald's macht? Gasser lacht: "Das hat keine Rolle gespielt. Wir haben bei der Uefa 53 Mitgliedverbände. Aus jedem Land einen Spieler zu engagieren, hätte den Rahmen des Projektes gesprengt."

Druck auf McDonald's

Die verschiedenen Kampagnen gegen Fettleibigkeit und die Tatsache, dass heute allein in Europa über 20 Millionen Kinder übergewichtig sind, setzt den Hamburger-Giganten McDonald's massiv unter Druck. Grossbritannien hat die Gesetze gegen TV-Werbung für fettreiche Nahrung verschärft. Jetzt werden weltweit Forderungen nach Werbeverboten für Fastfood laut, insbesondere in Kindersendungen.

Seit die WHO Fettleibigkeit zur weltweiten Epidemie erklärt hat, kommt die US-Multi-Restaurantkette zusätzlich ins Visier der Gesundheitsämter und Präventionsmediziner.

Noch steigert der Fastfoodriese mit täglich über 56 Millionen Kunden stetig seinen Umsatz und konnte im dritten Quartal 2008 seine Verkäufe um 6% erhöhen. Dennoch werden am Weltsitz des Burger-Imperiums die internationalen Kampagnen gegen fettreiches Essen aufmerksam verfolgt.

Vielleicht sind die Koch-Kicks der Herren Cannavaro, Gerrard, van Nistelrooy, Henry, Klose und Podolski für McDonald's noch gefährlicher als für die gegnerischen Torhüter.

swissinfo, Jean-Michel Berthoud

Die Forderungen

Die Konsumenten-Organisationen verlangen ein TV-Werbeverbot zwischen 6 und 21 Uhr und ein Werbeverbot in neuen Medien wie Internet oder SMS.

Ferner ein Werbeverbot in Schulen oder an Orten, die von Kindern häufig frequentiert werden, ein Werbeverbot für Aktionen mit Geschenken oder Spielzeug, das gesammelt werden kann.

Zudem ein Verbot von Werbung mit berühmten Persönlichkeiten, Comicfiguren oder Wettbewerben.

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Staatlicher Regulierung zuvorkommen

Seit Ende 2007 gibt es in der Schweiz ein Bündnis von 11 grossen Lebensmittelherstellern, die sich Normen für den massvollen Umgang mit Werbung auferlegten. Dies vor allem, um einer staatlichen Regulierung, wie sie die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) will, zuvorzukommen.

Unter anderem verpflichten sich Nestlé, Burger King, Coca-Cola und Kraft Foods dazu, Kinder unter 12 Jahren nur mit Produkten zu bewerben, deren Nähwertgehalte internationale Richtwerte erfüllen. Die für die EU-Länder festgelegten Massnahmen werden teilweise auch in der Schweiz umgesetzt – zum Beispiel bei Kraft Foods.

Für SKS-Präsidentin Sommaruga ist von diesen Massnahmen noch nichts spürbar. Der Trend gehe genau in die andere Richtung: Die Fastfood-Werbung für Kinder werde immer aggressiver.

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In drei Sprachen

"Eat for Goals!" wurde für Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren ins Leben gerufen, es wird von Falkemedia in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch verlegt.

Die Hardcover-Ausgabe ist seit Ende Oktober in Buchläden in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Liechtenstein erhältlich.

Von jedem verkauften Buch wird ein Euro für Programme der World Heart Federation ausgegeben, die einen aktiven Lebensstil für Kinder fördern.

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