Krawalle: Dänemark klagt Zürcher Polizei an

Noch vor Spielstart verhaftete die dänische Polizei rund 100 FCZ-Fans. Keystone

Nach Ausschreitungen zwischen Zürcher Fussballfans und der Polizei in Kopenhagen hat Dänemark schwere Vorwürfe gegen die Stadtpolizei Zürich erhoben.

Dieser Inhalt wurde am 16. September 2005 - 11:12 publiziert

Sie seien im Vorfeld des UEFA-Cup-Spiels nicht über das Gewalt-Potenzial der Schweizer Fans informiert worden. Zürich weist die Vorwürfe entschieden zurück.

"Die Zürcher Stadtpolizei hat die dänische Polizei rechtzeitig, korrekt und umfassend informiert", sagte Polizeisprecherin Susann Birrer am Freitag gegenüber swissinfo.

Sie habe darauf hingewiesen, dass 400 bis 500 Fans anreisen würden und sich darunter rund 50 potenzielle Hooligans befänden, die aggressiv reagieren könnten wenn man sie provoziere, so Birrer weiter. "Wir informierten sie auch, womit bei den Gewaltbereiten zu rechnen ist."

Bei dem Krawall handle es sich aber nicht um eine Auseinandersetzung mit anderen Fans, sondern um eine "Solidaritätsaktion" nach einer Sachbeschädigung.

Zudem sei es ausserhalb des Stadions geschehen: "Das war nicht vorhersehbar", betonte Birrer. Sie könnten keine Verantwortung dafür übernehmen, "was mit den korrekt gelieferten Informationen vor Ort gemacht wird".

Die Vorwürfe

Laut der dänischen Polizei hatten die zuständigen Stellen in Zürich trotz Anfrage keine Informationen über mitgereiste gewalttätige Hooligans übermittelt, obwohl diese als solche bekannt gewesen seien.

Die Zürcher hätten das Treffen als "tiefes Risiko" eingeschätzt, sagte Polizeisprecher Arne Wissing am Freitagmorgen.

Über 100 Fans verhaftet

Bereits am Nachmittag vor dem Spiel Bröndby IF und FC Zürich war es in der Innenstadt von Kopenhagen zu einigen Zwischenfällen mit Schweizer Fans gekommen.

Die Situation eskalierte dann, als die Polizei in einem Zug, der die Zürcher zum Bröndby-Stadion brachte, einen Fan verhaftete, der ein Graffiti sprayen wollte.

Die neun Polizisten, die die Supporter aus Zürich begleiteten, wurden von Fans angegriffen. Die Schweizer seien derart gewalttätig gewesen, dass die Polizei aus dem Bahnhof beim Stadion habe fliehen müssen.

Die Polizisten in Zivil hätten sich ausgewiesen und seien erfahrene Leute, betonte Wissing. Sie hätten keine andere Wahl gehabt, als sich mit mehreren Warnschüssen in die Luft zu wehren. Die Polizei forderte darauf zahlreiche Verstärkung an, um den Angriffen ein Ende zu setzen.

Die Verstärkung nahm 115 der rund 200 Schweizer Fans fest. Drei Polizisten und ein Zürcher Randalierer wurden leicht verletzt. Vier der Festgenommenen hat ein Kopenhagener Haftrichter am Freitag in Untersuchungshaft gesetzt.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Vier von 100 festgenommenen Fans des FC Zürich werden einem Haftrichter vorgeführt.
In der Schweiz haben rund 400 Fussballfans Stadionverbot.
Die Zahl der Hooligans wird auf rund 600 geschätzt.
Für die Sicherheit während der Europameisterschaft 2008 in der Schweiz und in Österreich sind rund 53 Mio. Franken veranschlagt.

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In Kürze

Der Bundesrat schlug im August mehrere Massnahmen gegen Hooligans vor, die Ausschreitungen an der Fussball-EM 2008 verhindern sollen:

Nationale Datenbank von notorischen Gewalttätern an Sportanlässen.

Rayonverbot während der Dauer von Sportanlässen.

Ausreiseverbot aus der Schweiz für Personen mit Stadionverbot in der Schweiz.

Meldepflicht bei der Polizei.

Präventive Verwahrung von bis zu 24 Stunden.

Alle Massnahmen sind bis nach der EM befristet.

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