Lagekonferenz zu den Waldschäden nach dem Orkan Lothar

Die Forstbehörden von Bund und Kantonen sowie Vertreter der Wald- und Holzwirtschaft und des Umweltschutzes treten heute Dienstag (04.01.) in Bern zu einer Lagekonferenz nach dem Orkan Lothar zusammen.

Dieser Inhalt wurde am 04. Januar 2000 - 15:32 publiziert

Die Forstbehörden von Bund und Kantonen sowie Vertreter der Wald- und Holzwirtschaft und des Umweltschutzes treten heute Dienstag (04.01.) in Bern zu einer Lagekonferenz nach dem Orkan Lothar zusammen. Ziel ist es, einen Führungsstab für die Bewältigung der Waldschäden einzusetzen und erste Entscheide zu treffen.

Der Orkan "Lothar" hat nach einer vorläufigen Schätzung der Forstdirektion in der Schweiz rund 9,4 Millionen Kubikmeter Holz gefällt, wobei die Schäden in den einzelnen Kantonen verschieden gross sind. Der Schweizerische Sägerei- und Holzindustrie-Verband (SHIV) geht gar von über zehn Millionen Kubikmeter Sturmholz aus. Genauere Erkenntnisse aus einer detaillierten Schadenaufnahme werden in der zweiten Februarwoche erwartet.

Die Lagebeurteilung durch den Bund, die Kantone, die Wald- und Holzwirtschaft, die Forschung und die Umweltschutzverbände steht zuoberst auf der Traktandenliste der Konferenz in Bern. Anschliessend soll ein Führungsstab bestimmt und über erste Massnahmen entschieden werden. Ziel der Sitzung ist laut Werner Schärer, dem Eidgenössischen Forstdirektor, die Zusammenarbeit zur weiteren Bewältigung der Sturmschäden so zu koordinieren, dass es keine Doppelspurigkeiten gibt. An und für sich sind die Behörden gut auf die Sturmschäden vorbereitet, wie Schärer sagte. Die Forstdirektion hat Entscheidungshilfen vorbereitet. Sie beruhen auf den Erkenntnissen aus dem Jahrhundertsturm "Vivian" vor zehn Jahren.

Auch die Organisation Pro Natura war laut Urs Tester, Abteilungsleiter Naturschutz, an der Ausarbeitung des Massnahmenplans beteiligt, wie künftig mit Sturmschäden umgegangen werden soll. Die von einer Arbeitsgruppe erstellte Checkliste solle nun so rasch wie möglich den zuständigen Organen zur Verfügung gestellt werden, verlangte er.

Der Sägerei- und Holzindustrie-Verband geht gemäss Direktor Hansruedi Streiff mit einer Reihe konkreter Forderungen an die Konferenz. Sie reichen von der öffentlichen Unterstützung bei der Holzernte und bei der Lagerung über gesetzliche Erleichterungen und Exporthilfen bis zur Steigerung des Holzverbrauchs im Inland. Ein zentrales Anliegen sind dem Verband Massnahmen zur Stützung des Holzmarktes. Mit der Frage, wie eine Talfahrt der Holzpreise verhindert werden kann, beschäftigt sich heute Dienstag auch die Holzmarktkommission, wie Streiff sagte.

Der Verband Waldwirtschaft Schweiz erwartet laut Direktor Urs Amstutz, dass alle Beteiligten bei der Schadensbewältigung am gleichen Strick ziehen. Vom Orkan "Vivian" her seien die neuralgischen Punkte bekannt. Am dringendsten seien die Kapazitätsengpässe bei der Aufrüsterei. Hierzu wird indirekt Unterstützung von der Armee erwartet, indem die Spezialisten der Holzbetriebe vom Militärdienst dispensiert werden und das Militär allenfalls bei Transporten hilft.

Für den am stärksten betroffenen Kanton Bern steht einerseits die Abwehr von Naturgefahren im Vordergrund, wie Adrian Lukas Meier vom Amt für Wald sagte. Es geht darum, welche Massnahmen in welcher Reihenfolge nötig sind und wer sie bezahlt, beispielsweise an der Nordrampe der Lötschbergbahn. Aber auch Fragen zum Ausmass der Verwertung und zur Vorfinanzierung der Rüstarbeiten beschäftigen die Berner Forstdirektion.

Wenig übrig hat die Holzindustrie laut Verbandsdirektor Streiff für die Forderung auch von Förstern, aus ökologischen Gründen möglichst viel Holz in den Wäldern liegen zu lassen. Zum einen werde der Borkenkäfer unterschätzt. Zum andern bleibe auch ohne Sturmholz genug liegen. Die Ökologiefrage ende nicht am Waldrand, denn auch ein Produkt aus Sturmholz sei ökologischer als eines aus Plastik. Der Naturschutz ist laut Urs Tester von Pro Natura nicht gegen das Räumen und Aufforsten, dort wo es aus Sicherheitsgründen geboten ist. Ein grosser Teil der von "Lothar" gefällten Bäume liege jedoch in Wäldern des Mittellandes, wo sie gerade auch zur Entlastung des Holzmarktes liegen bleiben könnten. Der geschädigte Wald sei nicht tot, sondern könne sich selber regenerieren. "Wir wehren uns dagegen, dass unnötig Geld aufgewendet wird", sagte Tester auch mit Blick auf Forderungen von Politikern, massiv Steuergelder für die Waldwirtschaft locker zu machen.

SRI und Agenturen

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen