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Lausanner Hochschule lockt Topwissenschafter an

Marc Parlange ist vom Potential der EPFL überzeugt.

(Johns Hopkins University)

Die Eidgenössische Technische Hochschule in Lausanne landete kürzlich einen grossen Coup: Es gelang ihr, einen der besten Umweltwissenschafter der Welt an ihre Fakultät zu locken.

Marc Parlange erklärt im Gespräch mit swissinfo, er hoffe, die nächste Generation von Entscheidungs-Trägern beeinflussen zu können.

Parlange lehrte an der angesehenen Johns Hopkins University in Baltimore in den USA. Er ist führend im Bereich Umwelttechnik, insbesondere in Wasserbewirtschaftung und Gewässerschutz.

swissinfo: Was überzeugte Sie davon, dass der Umzug nach Lausanne für Sie richtig ist?

Marc Parlange: Ich hatte das Gefühl, dass dies eine sehr gute Schule ist, entschlossen, Forschende anzuziehen und die Art Kultur zu schaffen, die mir zusagt. Es wird eine Hochschule nach amerikanischem Vorbild, aber in einem Land, in dem Ausbildung und Umwelt einen hohen Stellenwert haben.

Der Entschluss, hierher zu kommen, war nicht ganz einfach, denn in den USA und insbesondere an der John Hopkins Universität gefiel es mir gut. Das Umfeld ist sehr offen, sehr intellektuell. Man arbeitet gut zusammen. Aber ich sehe das gleiche Potenzial in Lausanne.

swissinfo: Befürchten Sie nicht, dass Sie mit dem Wegzug aus den USA einen Karriereknick erleiden?

M. P.: Es wird sich sicher alles etwas verlangsamen. Aber das ist immer der Fall, wenn man das Umfeld wechselt.

Ich glaube, dass die Hochschule, wenn alles nach Plan verläuft, eine der grossen Forschungsuniversitäten der Welt und im gleichen Atemzug wie Top-Hochschulen in den USA und der EU genannt wird.

Es bestand eine gewisse Tendenz, in die USA zu gehen, was die Fakultäten jung erhielt. Dank dem Tenure-track-System konnten junge Professorinnen und Professoren ihre eigenen Forschungsprogramme aufbauen.

In Lausanne wurde man auf dieses System aufmerksam, und die Schule arbeitet daran, es ebenfalls einzuführen. Die anstehenden Strukturveränderungen werden viel bewirken. Deshalb denke ich, dass ich an diesem Institut schliesslich Erfolg haben werde.

swissinfo: Schweizer Universitäten sind nicht gerade bekannt für ihre Flexibilität bei Einstellungen. Wurden Ihre Bedingungen akzeptiert?

M. P.: Die Hochschule gab mir im grossen Ganzen freie Hand. Ich wurde gefragt, was ich im Sinn hätte. Und ich erklärte ihnen die Art von Forschung und Lehre, wie ich sie mir vorstelle.

Ich habe das Gefühl, dass alles möglich ist. Ich bekam nie den Eindruck, dass man mir sagen wollte, was ich zu tun habe.

swissinfo: Wasserressourcen sind der Hauptbereich Ihrer Arbeit. Glauben Sie, dass Ihre Forschung und Ihr Unterricht Einfluss auf die Entscheidungen über die Nutzung dieser Ressourcen haben kann?

M.P.: Unter Forschern lässt man es bei der Interpretation der Resultate oft im Allgemeinen bewenden. Nur wenige sind bereit, sich auch mit politischen Entscheiden zu befassen.

Andererseits wollen viele unserer Studierenden nicht in der Forschung bleiben, sondern eher als Entscheidungsträger tätig werden. Sie werden also Einfluss haben auf die Abfassung neuer Gesetze und Richtlinien.

Ein grosser Teil unserer Arbeit besteht darin, die nächste Generation von Entscheidungsträgern und Forschende auszubilden, die für Regierungen arbeiten werden.

swissinfo: Ihr Forschungsgebiet hat politische Auswirkungen. Würden Sie sich selbst als umweltfreundlich beschreiben?

M. P.: Ja. Ich bin mir aber auch bewusst, dass die Menschen ein Einkommen brauchen. Ich glaube nicht, dass unsere Umwelt vollständig nachhaltig bewirtschaftet werden kann, denn wir beeinträchtigen sie nur schon durch unser Dasein.

Ich finde, dass die Lebensweise der Menschen und die Industrie in Westeuropa viel mehr auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind als in den USA.

Dort ist man sich aber bewusst, dass man von den Europäern lernen könnte, wie sich das Leben in einer gesunden Umwelt organisieren und gleichzeitig Wachstum und Entwicklung bewerkstelligen lässt.

swissinfo: Möchten Sie dieses Bewusstsein Ihren Studenten und Kollegen weitergeben?

M.P.: Ich glaube, das geschieht automatisch, durch die Interaktion mit den Studierenden und den Kolleginnen und Kollegen. Als Mitglied der Fakultät machte mir die Arbeit mit den Studierenden am meisten Freude, ich fand sie am lohnendsten.

Ich versuche, in ihnen ein gewisses Gefühl der sozialen Verantwortung und der sozialen Gerechtigkeit gegenüber ihren Mitmenschen und der Umwelt zu wecken.

swissinfo: Wie weit fühlen Sie sich Lausanne verpflichtet?

M. P.: Für meine Familie ist das eine grosse Veränderung. Wir haben einen Punkt erreicht, wo wir nicht mehr viel umziehen können. Es ist schwierig, die Zukunft vorauszusagen, aber wir haben im Sinn, bis zum Abschluss meiner Karriere in Lausanne zu bleiben.

swissinfo-interview: Scott Capper
(Übertragung aus dem Englischen: Charlotte Egger)

In Kürze

Marc Parlange war seit 1996 ordentlicher Professor an der Johns Hopkins University in Baltimore, wo er Hydrologie und Umweltflüssigkeits-Mechanik unterrichtete.

Seine akademische Karriere begann in Australien, wo er in angewandter Mathematik abschloss.

Den Doktortitel in Umweltmanagement erhielt er an der Cornell University in den USA.

1990 begann er seine Lehrtätigkeit an der University of California-Davis, zuerst als Assistent, danach als assoziierter Professor.

Bekannt wurde er durch seine Pionierarbeit in den Bereichen Landatmosphärische Interaktion und Hydrologie.

Parlange verbrachte das akademische Jahr 2002-2003 in einem Forschungsurlaub an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne.

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