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Leben für die Wissenschaft

Forschende erzählen im Raum der Forschung und Modelle von ihrem Alltag. (Bild: Schweizerisches Landesmuseum)

Eine aktuelle Sonderausstellung im Landesmuseum in Zürich bietet einem breiten Publikum Einblick in die biowissenschaftliche Forschung.

Die Zusammenarbeit mit Life Science Zürich, einer Kooperation von Universität und ETH Zürich, bedeutet für das Landesmuseum Neuland.

Am Anfang jeder Forschung stehen Fragen. In den Biowissenschaften sind es Fragen zum Leben. "Warum braucht es Mann und Frau?", "Wie kann ich sehen?", "Weshalb werden wir nicht alle gleich alt?"

Die aktuelle Sonderausstellung im Landesmuseum "Der gespiegelte Mensch – In den Genen lesen" will zeigen, welche Fragen sich die Forschenden stellen und wie sie Antworten finden wollen.

Grundlagen erforschen

"Es ist wichtig, eine interessante Frage zu stellen", sagt der Wissenschafter Michael Hengartner. "Nur interessante Fragen führen zu interessanten Antworten." Der Molekularbiologe ist nicht selber anwesend. Ein kurzer Film stellt ihn vor, seine Motivation, sein Ziel, sein Forschungsobjekt.

Der Fadenwurm, Caenorhabditis elegans, abgekürzt C. elegans, lebt normalerweise im Boden, wird einen Millimeter lang und hat genau 959 Körperzellen. Nach der Befruchtung entwickelt er sich in zwei Tagen zum erwachsenen Tier, nach einem immer gleichen exakten Plan. Aber eben nur ein Wurm.

Doch Michael Hengartner untersucht den Wurm nicht, um alles über ihn zu erfahren, sondern um Einsichten zu gewinnen über Lebensprozesse, die auch bei anderen Lebewesen so oder ähnlich ablaufen. Auch beim Menschen. "Natürlich kann ich Krebs nicht am Wurm studieren," räumt er ein, "aber die grundlegenden Mechanismen, die Krebs auslösen."

Der Fadenwurm ist ein Hilfmittel, ein Modellorganismus. "Modelle sind Inspirationsquellen", wird der französische Philosoph Blaise Pascal (1623-1662) in der Ausstellung zitiert.

Fünf Modellorganismen

Neben dem Fadenwurm leben in der Ausstellung noch vier weitere oft verwendete Modellorganismen: Fliege, Zebrafisch, Ackerschmalwand und Hefe.

"Ein heikles Haustier," lässt Philippe Wiget an einem anderen Bildschirm verlauten. Seine Hefe wollte unter dem Mikroskop einfach nicht wachsen. Da hat es ihn gepackt. "Ich wollte wissen, warum."

Die Hefe wächst normalerweise sehr schnell, deshalb hat Philippe Wiget sie gewählt. "Warten ist das Langweiligste an der Forschung. Oft wartet man, und hat dann doch nichts."



Organismen, die sich als Modelle eignen, müssen leicht Mutationen hervorbringen, gut zu beobachten sein und eben einen schnellen Generationenwechsel haben. Die Hefe verdoppelt sich in genau regulierten Einzelschritten.

Für diese Entdeckung wurde vor drei Jahren ein Nobelpreis vergeben, und zwar nicht etwa der für Biologie, sondern der für Medizin. Daran zeigt sich, wie wichtig dieser einfache Organismus mittlerweile für die Humanforschung ist.

Leselastige Ausstellung

Das gleiche gilt für die Taufliege Drosophila. Ihre genaue Embryonal-Entwicklung ist so bedeutsam, dass es auch dafür einen Nobelpreis gab, ebenfalls den für Medizin. Die typische Laborfliege wird, wie die anderen vier Modellorganismen auch, in der Ausstellung vorgestellt, physisch, mit Bild und Text.

Für manche zuviel Text. Im Gästebuch nennen einige die Ausstellung "leselastig". Für kleinere Kinder ist sie sicher nicht geeignet. Für die grösseren ist vor allem das Labor spannend, wo sie die Modellorganismen in Variationen unter den Mikroskopen anschauen können. "Sie begreifen die Instrumente schneller als die Erwachsenen," sagt eine der Studentinnen, die jeweils am Sonntagnachmittag anwesend sind, um Auskünfte zu geben.

Für Schulen und während der Schulferien gibt es spezielle Angebote sowie eine Dokumentation für Lehrpersonen, die gratis im Landesmuseum bezogen werden kann. Für die Lehrerinnen und Lehrer selber wird ein Weiterbildungskurs angeboten.

Das Leben verstehen

Die Ausstellung ist als Reise gedacht, eine Reise ins Land der Forschung: Fragen, Begriffe, Geschichte, Modelle und Forschungsresultate, Mikroskope und Bücher, in verschiedenen Räumen hat es von allem ein wenig. Die Ausstellung will einen Einblick bieten in die Welt der Forschung.

Sie möchte aber auch zur Diskussion anregen über Sinn und Nutzen von Grundlagenforschung. Dafür finden unter dem Patronat der Stiftung Science et Cité ab September zusätzlich Begleitveranstaltungen statt. Themen der Podiumsdiskussionen zum Beispiel: "Von Gott geschaffen oder der Ursuppe entstiegen?", "Kann man ohne Tierversuche forschen?" oder "Warum Naturwissenschaft im Landesmuseum?"

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit Life Science Zürich, einer Kooperation von Universität und ETH. Diese Zusammenarbeit bedeutet Neuland für das Landesmuseum.

Ernst Hafen, Zoologieprofessor an der Universität Zürich und Initiator der Ausstellung, findet den Ort jedoch gar nicht abwegig: "Das Schweizerische Landesmuseum repräsentiert die Schweiz. Die Forschenden ihrerseits verstehen sich als Teil davon."

swissinfo, Antoinette Schwab

Fakten

"Der gespiegelte Mensch – In den Genen lesen":

Sonderausstellung im Schweizerischen Landesmuseum Zürich

9. Juli 2004 bis 2. Januar 2005, Dienstag bis Sonntag

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In Kürze

Die Sonderausstellung "Der gespiegelte Mensch – In den Genen lesen" im Landesmuseum ist ein Projekt von Life Science Zürich.

Die Forschenden von Universität und ETH Zürich wollen Wissenschaft für eine breite Öffentlichkeit zugänglich machen.

Hauptdarsteller sind die oft verwendeten Modellorganismen Fliege, Zebrafisch, Fadenwurm, Ackerschmalwand und Hefe.

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