Machtkampf um Kuoni entbrannt

Der Verwaltungsrats-Präsident von Kuoni Daniel Affolter. Keystone Archive

Fünf Kuoni-Verwaltungsräte und Konzernchef Hans Lerch verlangen den Rücktritt von Verwaltungsrats-Präsident Daniel Affolter. Grund seien rechtswidrige Millionenbezüge. Affolter beschuldigt die Verwaltungsräte, einen Putsch auf Kuoni zu planen.

Dieser Inhalt wurde am 03. Mai 2001 - 22:22 publiziert

Kuoni-Chef Hans Lerch und fünf Verwaltungsräte werfen Affolter gemäss einer Mitteilung vom Donnerstagabend (03.05.) vor, rechtswidrig Millionensummen von der Kuoni und Hugentobler-Stiftung bezogen zu haben. Die 1957 vom Kuoni-Gründer Alfred Kuoni ins Leben gerufene Stiftung kontrolliert 6,25% des Kapitals und 25% der
Stimmen des Kuoni-Konzerns.

Kritik an Millionenzahlungen

Nach Auffassung der fünf Verwaltungsräte hat Affolter die Stiftung veranlasst, im Jahr 2000 rund 12 Mio. Franken an Stiftungsratsmitglieder auszuzahlen. Affolter selber seien in der Folge 8,1 Mio. Franken zugesprochen worden. Zur Finanzierung dieser Auszahlungen habe die Stiftung Kredite aufgenommen.

Zudem habe Affolter veranlasst, dass die Stiftung ihm im Falle seines Ausscheidens als Kuoni-Verwaltungsratspräsident bis zum Pensionsalter jährlich 1 Mio. Franken zahlen solle.

Fristlose Kündigung

Aufgrund dieses "unmoralischen und nach Ansicht von Verwaltungsratsmehrheit und Konzernleitung unrechtmässigen Verhaltens von Affolter und der übrigen Stiftungsratsmitglieder" sei der Stiftung grosser Schaden entstanden, heisst es in der
Mitteilung. Deshalb habe die Verwaltungsrats-Mehrheit den mit jährlichen Bezügen von rund 2 Mio. Franken dotierten Arbeitsvertrag mit Affolter fristlos gekündigt.

Zugleich sei bei den zuständigen Zürcher Behörden eine Aufsichtsbeschwerde gegen Kuoni-Präsident Affolter und den Stiftungsrat der Kuoni Hugentobler-Stiftung eingereicht worden. Ziel sei eine Absetzung des Stiftungsrates und eine Rückzahlung der Gelder. Gegen Affolter und den Stiftungsrat werde auch eine Strafanzeige wegen ungetreuer Geschäftsführung eingereicht, heisst es in der Mitteilung weiter.

Affolter spricht von Putschversuch

Affolter und Alfred Kuoni, der Gründer und heutige Vizeprädsident der Stiftung, wiesen die Vorwürfe zurück. Die einmaligen Zahlungen hätten sie rechtmässig für ihre über mehrere Jahre erbrachten Leistungen erhalten, erklärten sie an einer
Medienkonferenz.

Diese Stiftung habe die Partizipationszahlungen überprüfen lassen, hielt Alfred Kuoni fest. Der Zürcher Stiftungsrechtler Hans Michael Riemer habe diese als zulässig und sachlich wie umfangmässig begründet bezeichnet. Die dissidenten Verwaltungsräte planten einen Angriff auf die Unabhängigkeit des Kuoni-Konzerns, kritisierten Affolter und Kuoni.

Konkret versuchten diese, die wichtigste Aktionärin des Kuoni-Konzerns zu diskreditieren und zu destabilisieren. Nach Auffassung Affolters und Kuonis ist der Angriff wenige Tage vor der ordentlichen Kuoni-Generalversammlung nur ein Vorwand zur Destabilisierung der grössten Aktionärin und letztlich zur
Machtergreifung im Konzern.

Affolter und Alfred Kuoni hielten vor den Medien fest, sie hätten Anzeichen, dass der deutsche TUI-Reisekonzern zusammen mit den fünf Verwaltungsräten eine feindliche Übernahme von Kuoni plane. Ein Sprecher von TUI-Schweiz dementierte dies. TUI habe keinerlei Übernahmeabsichten, erklärte er auf Anfrage.

swissinfo und Agenturen

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