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Mehr Gewalt in Schweizer Städten

Die Täter sind meist um die 25 Jahre alt und gut integriert. (Bild: RDB)

Fast jedes Wochenende gibt es in den Schweizer Städten Schlägereien mit Verletzten. Die Zahl der Schwerverletzten bei Gewalttaten hat dabei stetig zugenommen.

Mehr als die Hälfte der Involvierten sind Schweizer. Die Täter sind häufig gut integrierte junge Männer mit einer festen Arbeitsstelle.

Beispielsweise Bern: In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Anzahl der bei handgreiflichen Auseinandersetzungen schwer Verletzten verdoppelt.

Im Jahr 2001 wurden nach Schlägereien 150 Personen mit schweren Verletzungen ins Berner Inselspital eingeliefert, 2006 waren es rund 300.

Aris Exadaktylos, Chef der Notfallklinik des Inselspitals, bestätigte am Montag Berichte der Zeitungen "24 heures" und "Tribune de Genève".

Die Zahlen des Spitals bestätigen nicht nur eine generelle Zunahme der Gewalt, sondern auch ein spezifisches Wochenendphänomen.

Vor 2001 seien die Schlägereien über die ganze Woche verteilt gewesen, erklärt Exadaktylos. In den vergangenen fünf Jahren sei eine Konzentration auf Freitag und Samstag zu beobachten gewesen.

25-jährig und Schweizer

Die Notfallmediziner stellen ausserdem fest, dass die Verletzungen gravierender werden. So hat sich etwa die Zahl schwerer Kopfverletzungen verdoppelt, und die Patienten bleiben im Durchschnitt länger im Spital.

Die Tendenz sei beunruhigend, sagt Exadaktylos. Die Schweiz nähere sich dabei dem europäischen Mittel.

Bei den Personen, die in gewalttätige Auseinandersetzungen verwickelt sind, handelt es sich laut der Studie des Inselspitals nicht primär um Marginalisierte, Arbeitslose oder Asylsuchende.

60 Prozent der Involvierten sind Schweizer. Der typische Täter ist 25 Jahre alt und hat sowohl eine Berufsausbildung als auch eine Arbeit.

Exzessiver Alkoholkonsum

Zu den Ursachen der Gewaltzunahme bräuchte es nach Ansicht der Notfallärzte eine nationale Untersuchung. Exadaktylos sieht die Wochenendschlägereien als Teil einer generellen gesellschaftlichen Entwicklung hin zu mehr Gewalt.

Aus der Ecke der Präventionsspezialisten werde auch auf den Alkoholkonsum am Wochenende verwiesen, der stark zugenommen habe, sagt Exadaktylos. Die Ursachen seien zweifellos mannigfaltig.

Forderung nach Prävention

Sicher ist, dass die Entwicklung die Kosten in die Höhe treibt. Eine Spitaleinweisung könne unter Umständen auf 100'000 Franken zu stehen kommen, die Folgekosten nicht eingerechnet, gibt Exadaktylos zu bedenken.

Es gelte nun, die Entwicklung auch in anderen Städten genauer zu beobachten und Präventionsmassnahmen zu ergreifen.

Vergleichbare Statistiken sind aus anderen Städten nicht erhältlich. Eine Zunahme der Gewaltopfer beobachten aber auch andere Spitäler.

Nicht nur Bern

Am Universitätsspital Basel werden heute doppelt so viele Berichte über Gewaltopfer an die Staatsanwaltschaft geschickt wie noch vor drei oder vier Jahren, wie Spitalsprecher Andreas Bitterlin auf Anfrage sagte.

Ausschlaggebend dafür, dass ein Bericht verfasst wird, ist zwar nicht die Schwere der Verletzung oder deren Ursache, sondern das Vorliegen einer Anzeige.

Die Zunahme der Berichte widerspiegle aber auch eine Zunahme der Gewaltopfer, sagt Bitterlin. Die Ärzte beobachteten diese Tendenz auch in Basel.

Andere Beobachtungen

Nicht bestätigen kann das Universitätsspital Basel die in Bern festgestellte Verlagerung aufs Wochenende. Die Basler Ärzte hätten im Gegenteil den Eindruck, dass sich die Gewalt zunehmend auf die ganze Woche verteile, sagte Bitterlin.

Auch beim Schweregrad der Verletzungen hat das Universitätsspital keine Veränderungen festgestellt.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Eine letzten Mai publizierte Studie belegte, dass 2003 1300 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 10 und 23 Jahren in Spitälern wegen Alkohol-Exzessen behandelt werden mussten.

Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) spielt Alkohol in einem von fünf Selbstmorden in der Schweiz eine Rolle.

Eine Studie der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) zeigte, dass rund 20% der Jugendlichen Alkohol in problematischer Weise konsumieren. Diese Gruppe zeige auch ein deutlich erhöhtes Mass an gewalttätigem Verhalten.

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