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Mehr Infektionen im Spital

Überall lauern in Spitälern die Bakterien.

(Keystone)

Tödliche Super-Bakterien – sie sind gegen zahlreiche Antibiotika resistent – haben in Schweizer Spitälern zugenommen.

Gemäss Gesundheits- Fachleuten vernachlässigen einige Spitäler die Schutzmassnahmen. Experten fordern nun Massnahmen.

Kürzlich veröffentlichte NOSO, die Fachzeitschrift für Spitalhygiene, eine Untersuchung, die besagt, dass sich 2003 das Auftreten von MRSA-Bakterien in Spitälern – verglichen mit 2002 - verdoppelt habe.

"In der Schweiz war die Zahl bislang recht niedrig, nun aber steigt sie", sagt Hugo Sax, Mitautor der Untersuchung gegenüber swissinfo.

"Auch die Länder rund um die Schweiz machten dieselbe Erfahrung. Deshalb sind wir sehr beunruhigt über die Tatsache, dass nun auch die Schweiz betroffen wird, wenn wir nichts dagegen unternehmen", sagt Sax.

Superbakterium

MRSA sind Bakterien der Art Staphylococcus aureus und können bei Mensch und Tier als Bestandteil der Hautflora vorkommen. Beim Menschen sind meist die vordere Nase und die Leistenregion betroffen.

Staphylokokken sind im Vergleich zu anderen Bakterienarten unempfindlich gegen Austrocknung und können auf trockenen Oberflächen und Gegenständen lange überleben. Sie sind einer der wichtigsten Erreger der im Krankenhaus erworbenen Infektionen.

Infektionen mit MRSA können einen langen Spitalaufenthalt zur Folge haben. Auch kann die Infektion, besonders bei geschwächten Patienten tödlich verlaufen.

Deshalb verlangt Sax, der in der Abteilung für die Bekämpfung von Infektionen im Universitätsspital Genf tätig ist, ein national abgestütztes Programm gegen Krankheitserreger in Spitälern.

Infizierungsquote

Die Studie untersuchte 8500 Patienten in 57 Spitälern der Schweiz. Sie ergab, dass 7,7% der Patienten im Spital infiziert wurden.

Dabei zeigte sich, dass rund 25% der betroffenen Patienten auf der Intensivstation infiziert wurden. In grösseren Spitälern waren es gar rund ein Drittel.

"Wir kennen vier Hauptarten von Infektionen: des Blutes, der Lunge, nach chirurgischen Eingriffen und als häufigste Form Infektionen der Harnwege", sagt Sax.

Er fügt an, dass die Ansteckungen hauptsächlich erfolgen, wenn nach Operationen Katheter gesteckt werden.

MRSA wurde in 45% der Spitäler gefunden. Betroffen waren insgesamt 176 Patienten.

Ältere Personen

Sax ist der Meinung, dass eine zunehmend älter werdende und auch ernsthafter erkrankte Bevölkerung die Infektionsrate ansteigen lasse. Der Fortschritt in der Medizin führt demnach auch zu mehr Ansteckung.

Die Infektionsrate ist in grossen Spitälern mit über 500 Betten höher (gut 10%). Sie sinkt in kleineren Kliniken unter 200 Betten auf 4,9%.

Sax erklärt dies damit, dass viele schwer kranke Personen in grössere Spitäler verlegt würden.

Er ist der Meinung, dass die Wahrnehmung des Problems und die Kenntnis darüber, warum es auftritt, die ersten Schritte seien, um vielen der Infektionen in Spitälern entgegenzuwirken.

Massnahmen gefordert

Das Schweizer Team von NOSO fand heraus, dass zahlreiche Infektionen durch das Spitalpersonal verursacht werden, weil es sich die Hände nicht richtig wäscht. Die Verantwortlichen werden deshalb eine Kampagne lancieren, um dieses Problem ins Gedächtnis zu rufen.

Sax ist überzeugt, dass entsprechende Informations-Kampagnen innerhalb der Spitäler sowie die korrekte und hygienische Anwendung der medizinischen Geräte die Infektionsrate um einen Drittel senken könnten.

"Wir haben keine gesetzlichen Bestimmungen über Anforderungen, denen das Personal in diesem Bereich gerecht werden muss." Auch existiere kein gesamtschweizerisches Programm zur Prävention und zur Datenerhebung.

"Das alles gibt es in Deutschland. Dort ist jedes Spital verpflichtet, die Zahl der Infekte zu erheben. Hier in der Schweiz gäbe es diesbezüglich noch viel zu tun", so Sax.

swissinfo, Isobel Leybold
(Übersetzung aus dem Englischen: Urs Maurer)

Fakten

7,7% der Patienten infizieren sich im Spital.
25% davon auf der Intensivstation.
Die Zahl von MRSA hat sich 2003 verdoppelt.
Grössere Spitäler sind stärker betroffen.

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