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Michel Mayor, ein ausgezeichneter Astronom

Professor Michel Mayor: Sterngucker und Direktor des Observatoriums in Genf. Keystone Archive

Der Genfer Astrophysiker Michel Mayor, ein Jäger von extrasolaren Planeten, wurde von der "Fondation pour Genève" für seine Arbeit geehrt.

Dieser Inhalt wurde am 25. Februar 2005 - 17:00 publiziert

Im swissinfo-Interview erzählt er, warum die Beobachtung dieser fernen Welten eine der grossen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts darstellt.

Mit der Entdeckung des ersten Planeten ausserhalb der neun Planeten, die um die Sonne kreisen, hat Michel Mayor 1995 Astronomiegeschichte geschrieben.

Seit dieser Entdeckung sucht der Wissenschafter zusammen mit seinem Team des Genfer Observatoriums weiterhin das Universum ab, um neue Exoplaneten zu finden. An dieser Suche beteiligen sich zahlreiche Astronomen in aller Welt.

swissinfo: Wie viele Exoplaneten wurden seit 1995 entdeckt?

Michel Mayor: Gegenwärtig sind 150 Exoplaneten bekannt, was noch sehr wenig ist. Die exoplanetarischen Systeme weisen hinsichtlich der chemischen Zusammensetzung der Sterne, der Masse der Planeten und der Form ihrer Umlaufbahnen eine überaus grosse Vielfalt und Verschiedenheit auf.

Wenn man also alle diese Parameter berücksichtigt, können anhand der 150 entdeckten Planeten bei weitem noch nicht alle Fragen beantwortet werden, die sich die Forscher zu diesem Thema stellen.

swissinfo: In welche Richtung gehen Ihre Forschungsarbeiten?

M.M.: Eines der derzeit brennendsten Themen ist die Suche nach Planeten mit sehr geringer Masse. Wir werden schon bald über Instrumente verfügen, mit denen solche Planeten entdeckt werden können. Damit werden wir wahrscheinlich in der Lage sein, eine neue Familie von Himmelskörpern zu entdecken: felsige Planeten, die der Erde oder dem Mars gleichen.
Dieser völlig neue Forschungsbereich ist für die Zukunft von grosser Bedeutung.
Die bereits entdeckten Exoplaneten kreisen sehr nahe um ihre Sterne. Es handelt sich daher um sehr heisse Umgebungen. Doch in Zukunft sollten wir in der Lage sein, auch Planeten zu entdecken, die in grösserer Distanz um ihre «Sonne» kreisen. Auf diesen Planeten herrschen daher tiefere Temperaturen, womit die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass dort Leben vorhanden ist.

swissinfo: Welche Planung besteht bezüglich dieser Forschungsarbeiten?

M.M.: Mit der heute verwendeten Technik – der so genannten Radialgeschwindigkeit – wird es noch lange dauern, bis man Gestirne wie die Erde entdecken kann.

Vor diesem Hintergrund werden in den kommenden Jahren mehrere Raumfahrtmissionen – wie mit dem französischen Weltraumteleskop Corot und der amerikanischen Raumsonde Kepler – unternommen. Damit sollte es möglich sein, auch sehr kleine Planeten zu entdecken.

Doch dabei handelt es sich nach wie vor um eine indirekte Beobachtung. Denn man sieht den Planeten nicht. Man misst ganz einfach den sehr geringen Rückgang der Helligkeit des Sterns, wenn der Planet zwischen dem Stern und dem Teleskop vorbeizieht.

Auf die nächste Etappe – die direkte Beobachtung – muss man noch viel länger warten. Es wird daher darum gehen, die chemische Zusammensetzung der Atmosphären dieser ganz kleinen Planeten zu analysieren.

Diese Forschungsarbeiten sind im Rahmen von grossen Missionen geplant, wie beispielsweise Darwin auf europäischer Seite und TPF auf amerikanischer Seite.

Es ist auch vorgesehen, auf unserem Planeten bis in zehn Jahren sehr grosse Teleskope (mit einem Durchmesser von 50 bis 100 Metern) zu errichten. Dank der Kapazität dieser Teleskope wird es möglich sein, alle diese kleinen Planeten direkt zu sehen und ihre chemische Zusammensetzung zu analysieren.

swissinfo: Werden diese Programme nicht in Konkurrenz zu den Programmen stehen, die für die Erforschung unseres Sonnensystems bestimmt sind?

M. M.: Meiner Ansicht nach können diese verschiedenen Programme parallel realisiert werden. Das Endziel ist immer das Gleiche: die Erforschung des Lebens im Universum. Diese Suche kann auf unterschiedliche Art und Weise erfolgen, beispielsweise durch die Erforschung des Mars und seines Untergrunds, um Spuren von vergangenem Leben zu finden.

Die Suche nach Leben ausserhalb unseres Sonnensystems ist schwieriger und erfordert einen längerfristigen Planungshorizont.

Die ersten Antworten auf die grundlegende Frage, ob es ausserirdisches Leben gibt, werden voraussichtlich nicht vor 15 Jahren vorliegen.

swissinfo: Welche Stellung hat die schweizerische Astronomie in der weltweiten Forschung?

M.M.: Unser Team hat beinahe die Hälfte der bislang bekannten Exoplaneten entdeckt. Doch auch andere Schweizer Forschungszentren wie die Universität Bern leisten in diesem Bereich bemerkenswerte Arbeit. Das Team von Professor Willy Benz erforscht vor allem die Entstehung von Planeten. Diese Forschungsarbeiten werden auf internationaler Ebene anerkannt.

swissinfo: Welche Bedeutung hat Ihre Forschungstätigkeit innerhalb der Astronomiegeschichte?

M.M.: Die Entdeckung der Exoplaneten, ihrer Merkmale und ihrer Vielfalt ist in erster Linie ein Beitrag zum Verständnis unseres Sonnensystems und dessen Entstehung.

Im 20. Jahrhundert haben wir im Bereich der Sternenphysik überaus grosse Fortschritte erzielt. Man hat Erkenntnisse zum Ursprung der Sonnenenergie, zum Lebenszyklus der Sterne und zum Ursprung der chemischen Elemente gewonnen.

Mit der Entdeckung der Exoplaneten eröffnet sich uns heute ein unermesslich grosses Forschungsgebiet. Das ist ein Bereich, in dem bislang kaum etwas erforscht ist und in dem wir uns langfristig mit der grossen Frage der Vielfalt des Lebens im Universum auseinander setzen können.

Interview swissinfo: Frédéric Burnand in Genf

In Kürze

- Die "Fondation pour Genève" ist eine private Stiftung, die das Ziel verfolgt, Beziehungen zwischen dem internationalen Genf und der lokalen Bevölkerung zu entwickeln.

- Sie verleiht jedes Jahr einen Preis an eine Persönlichkeit oder eine Institution, die zur internationalen Bekanntheit von Genf beiträgt.

- Michel Mayor hat bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Balzan-Preis, die Albert-Einstein-Medaille und den Orden "Ritter der Ehrenlegion".

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