Mit Spritze weg von der Zigarette

Ungefähr 8000 Menschen sterben jedes Jahr in der Schweiz an den Folgen des Tabakkonsums. Keystone/Edi Engeler

Exakt auf den Nichtrauchertag vom 31. Mai kommt neue Kunde für all diejenigen, die nicht vom Glimmstengel lassen können und es doch immer wieder versuchen.

Dieser Inhalt wurde am 31. Mai 2003 - 11:57 publiziert

Die Lösung des Problems verspricht die Schweizer Biotechfirma Cytos: Einen Impfstoff gegen das Rauchen.

Cytos testet den Impfstoff bereits an Freiwilligen. Der Stoff verhindert, dass das Nikotin - der suchterzeugende Bestandteil des Tabaks - das menschliche Gehirn erreicht. Denn dort verursacht es seine als angenehm empfundene Wirkung, die letztlich süchtig macht.

Konkret soll der Impfstoff das Immunsystem anregen, damit dieses Antikörper erzeugt. Die verbinden sich mit dem Nikotin und verhindern ein Eindringen in das Gehirn.

Nun ist aber der Nikotin-Anteil im Blut zu klein, um diese Wirkung von selbst zu erzeugen. Die Forscher haben herausgefunden, dass das Nikotin vom Immunsystem erkannt wird, sobald man es mit einem grossen Proteinmolekül verbindet.

Den Rückfall verhindern

Wolfgang Renner, Gründer und Geschäftsführer von Cytos, sagt gegenüber swissinfo, dass der Impfstoff vor allem entwickelt wurde, um einen Rückfall zu vermeiden.

"Sie kennen die Situation. Man hat aufgehört zu rauchen, es geht einige Tage gut. Dann raucht man doch wieder eine und ist wieder voll drin", beschreibt Renner eine bekannte Situation.

Diesen Drang nach dem Griff zu einer Zigarette wolle man mit dem Impfstoff verhindern, sagt Renner weiter. Gegenwärtig würden in Grossbritannien 40 Freiwillige, die mit dem Rauchen aufhörten, in Tests die minimal erforderliche Menge Impfstoff herausfinden. Laut Renner befinden sich diese Tests in der Endphase.

Stiche

Eine grössere Studie mit rund 360 Rauchern soll im Herbst dieses Jahres beginnen und sollte bis Mitte 2004 Resultate bringen.

Geplant ist, dass jede Person drei bis vier Mal geimpft wird, um zu sehen, ob der Impfstoff auch die beabsichtigte Wirkung erzielt.

Auf dem Markt sind zur Zeit noch andere Methoden, das Laster aufzugeben: Klebepflaster, Kaugummi oder Sprays. Auch ein Antidepressivum gibt es: Zyban von GlaxoSmithKline.
All diese Methoden kommen gegenwärtig auf einen Erfolgquotienten von 17 bis 20 Prozent.

"Sollte es einen erfolgreichen Impfstoff gegen das Rauchen geben, dann werden die Auswirkungen für die Volksgesundheit riesig sein", sagt Jean-François Etter, Dozent am Institut für Präventivmedizin der Universität Genf.

"Es wäre eine echte Revolution in der Raucherprävention und der Behandlung von Tabak-Süchtigen", findet Etter.

Cytos will den Impfstoff in rund vier Jahren auf den Markt bringen. Auch die US-Firma Nabi und die englische Xenova arbeiten an einem Impfstoff gegen das Rauchen.

"Die Frage bleibt, ob es der Wissenschaft gelingt, einen Impfstoff zu entwickeln, der genügend wirksam ist, um das Nikotin tatsächlich zu blockieren", warnt Etter vor voreiliger Euphorie.

Ethische Debatte

Die Aussicht auf einen Impfstoff gegen das Rauchen wirft auch eine Reihe von ethischen Fragen auf.

Nebst all den Personen, die Raucher oder Raucherinnen sind, könnten in Zukunft auch Kinder vorsorglich geimpft werden, um zu verhindern, dass sie mit Rauchen beginnen.

Studien zeigen, dass rund 80 Prozent aller Raucherinnen und Raucher vor dem zwanzigsten Altersjahr damit begannen. Eine Impfung hätte dies möglicherweise verhindert.

"All die Fragen rund um das Impfen gegen das Rauchen müssen noch diskutiert und beantwortet werden", sagt François Etter. Doch wegen all der technischen und wissenschaftlichen Fragen sei die ethische Debatte – verglichen mit der Innovation – bisher in den Hintergrund gerückt.

swissinfo, Vincent Landon
(Übertragen aus dem Englischen von Urs Maurer)

Fakten

In der Schweiz gibt es zwei Millionen Raucher, bei einer Bevölkerung von rund 7 Millionen.
Damit liegt die Schweiz in Europa auf Platz 3. Mehr geraucht wird nur noch in Ungarn und Griechenland.
Rauchen - so wird geschätzt – fordert pro Jahr in der Schweiz etwa 8000 Todesopfer.
Einer Studie zufolge kosten Krankheiten im Zusammenhang mit Rauchen die Schweizer Wirtschaft 1995 rund 10 Milliarden Franken.
In den vergangenen Jahren begannen immer mehr Teenager mit Rauchen.
56 Prozent der Raucherinnen und Raucher in der Schweiz möchten aufhören.

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