Mobilität für Wildtiere

Den Wildtieren in der Schweiz soll mit der Sanierung und dem Bau weiterer solcher Übergänge auch das Überleben erleichtert werden. Keystone

Wildtiere in der Schweiz sollen sich in Zukunft wieder freier bewegen können. Dazu müssen bestehende Wild-Korridore saniert und neue gebaut werden.

Dieser Inhalt wurde am 17. Januar 2002 - 11:49 publiziert

Von den 303 Wildtier-Korridoren in der Schweiz sind 47 unbenutzbar und die Hälfte in ihrer Funktion stark beeinträchtigt. Unter dem Motto "Grünes Licht für Wildtiere" wird das zuständige Ministerium für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) nun aktiv.

Zum Überleben wichtig

Etliche Korridore werden saniert, 51 Passagen neu gebaut. Eine neue Richtlinie soll Klarheit schaffen und Konflikte lösen zwischen den Mobilitäts-Bedürfnissen von Mensch und Tier.

Mobilität sei für das Überleben der Wildtiere wichtig, hielten UVEK-Vertreter am Donnerstag vor den Medien in Bern fest. Sie diene der saisonalen Wanderung, dem genetischen Austausch zwischen den Populationen und der Ausdehnung von Verbreitungs-Gebieten, die wegen der Zerschneidung der Landschaft zu eng geworden seien.

Jährlich 20'000 Wildtiere überfahren

"Mehr als 70'000 Kilometer National-, Kantons- und Gemeindestrassen sowie 5000 Kilometer Bahnlinien ziehen sich durch die Schweiz", sagte Willy Geiger, Vizedirektor des Bundesamts für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL). Davon beeinträchtigt werde ein anderes, für den Menschen weitgehend unsichtbares Netz, das schon wesentlich älter sei.

Diese Verkehrs-Wege der Wildtiere, besonders die festen Routen, die Wildtier-Korridore, kreuzen sich auch mit Verkehrs-Wegen der Menschen. Dort gibt es laut Geiger auch die eigentlichen Konflikte, denn es kommt immer wieder zu Unfällen zwischen Wildtieren und Fahrzeugen. Pro Jahr werden nach BUWAL-Angaben mindestens 20'000 grössere Wildtiere überfahren.

Noch gravierender als dies sei jedoch für Wildtiere die Barrieren-Wirkung der Verkehrslinien. Besonders das Mittelland werde zu einem "Tierpark mit Wildtier-Gattern". Die Teilpopulationen einzelner Wildtiere, zum Beispiel der Feldhasen, könnten in diesen "Teil-Gehegen" unter eine fürs Überleben nötige kritische Grösse fallen.

Vom Frosch zum Rothirsch

Das UVEK sieht denn auch Handlungsbedarf: Zunächst sollen die heute blockierten Korridore für Wildtiere wieder durchgängig gemacht werden. Dazu sind 78 neue oder wieder hergestellte Wildtier-Passagen notwendig. 14 davon sind in Betrieb, im Bau oder geplant. 13 sind zu sanieren und an 51 Stellen wird ein grösseres Bauwerk errichtet.

"Das zweite Ziel besteht darin, keine weiteren Wildtier-Korridore durch Verkehrswege oder Überbauungen zu unterbrechen", sagte Geiger weiter. Die Schweiz habe sich im Europarat verpflichtet, Lebensräume von Tieren und ihre Verbindungs-Strukturen zu erhalten oder wiederherzustellen.

Strassenbauer gegen Ökologen

Bei der Umsetzung von Wildübergängen sei es in der Vergangenheit fast jedes Mal zu Streit zwischen Strassenbauern und Ökologen gekommen, sagte Willy Burgunder, Vizedirektor der Bundesamtes für Strassen (ASTRA). Viele der Streitigkeiten hätten vor Bundesgericht geendet.

BUWAL und ASTRA seien deshalb gemeinsam beauftragt worden, eine Richtlinie zu erarbeiten. Diese lege fest, gestützt auf das Inventar der Korridore in der Schweiz, wo Wildübergänge mit Unterstützung des Bundes realisiert werden müssten.

Die Richtlinie trat am 10. November 2001 in Kraft. Sie sieht je nach Breite des zu überquerenden Verkehrsweges und nach Tierart drei mögliche Varianten vor.

swissinfo und Agenturen

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen