Nach Amoklauf: Bundesrat Schmid sieht im Gewehr zu Hause keine Gefahr

Bundesrat Samuel Schmid: Armee-Sturmgewehre sind keine Gefahr für die Öffentlichkeit. Keystone

Bundesrat Samuel Schmid sieht im Gewehr zu Hause keine Bedrohung für die Gesellschaft. Der kriminelle Akt in Zug steht für den VBS-Chef in keinem Zusammenhang mit dieser Tradition der Schweizer Milizarmee. Bundesrat Kaspar Villiger warnte vor einer "Sicherheits-Hysterie".

Dieser Inhalt wurde am 29. September 2001 - 19:42 publiziert

In einem Interview in der "Neuen Luzerner Zeitung" vom Samstag erinnert Schmid daran, dass es sich bei der Tatwaffe von Zug nicht um eine Dienstwaffe handelt. Zudem habe der Täter nie der Armee angehört, erklärt der Vorsteher des Eidg. Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) weiter.

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Warnung vor Entfremdung

"Es war ein furchtbarer krimineller Akt eines kranken Menschen. So furchtbar, dass sich die Frage nach der Schuldfähigkeit stellt." Er wisse nicht, was jemanden zu einer solchen Tat verleiten könne. "Sicher ist einzig, dass es Menschen gibt, die sich innerlich von der Gesellschaft, vom Staat verabschiedet haben."

Nach der Tat von Zug dürfe es nun nicht zu einer Entfremdung zwischen Bürgern und Politik kommen. "Wir müssen in und durch die Verwaltung Bürgernähe praktizieren", erklärt der Verteidigungsminister weiter. Die Politik und ihre Verwaltung müssten Gesichter bekommen.

"Wir leben in einer hochkomplexen, verrechtlichten Gesellschaft. Ich habe ein wenig Verständnis für denjenigen der sagt, diese Welt geht für mich nicht mehr auf."

Replik auf US-Intervention "ein Risiko"

Schmid nahm auch Stellung zur Terrorbekämpfung im Zusammenhang mit den Ereignissen in den USA. Er sieht die Schweiz durch die bevorstehende militärische Aktion der USA und ihrer Verbündeter nicht direkt gefährdet. Wesentlich unsicherer sei die Reaktion darauf. "Hier besteht ein Risiko für die Schweiz."

"Wir machen uns planerische Gedanken, etwa was die WK-Ausbildung anbelangt, ob speziell Bewachungen geübt werden müssen oder anderes", sagt Schmid in dem Interview weiter. "Wir haben die Hände nicht im Hosensack, lesen nicht einfach Zeitungen, schauen CNN und warten."

Villiger warnt vor "Sicherheitshysterie"

Bundesrat Kaspar Villiger warnte seinerseits nach der Bluttat in Zug vor einer "Sicherheitshysterie". Das Ereignis habe alle erschüttert, sagte der Finanzminister in der "Samstagsrundschau" von Schweizer Radio DRS.

Jeden Morgen beim Erwachen frage er sich, ob es wirklich wahr sei. "Wir müssen jetzt trotz allem aufpassen, dass wir nicht in Hysterie ausbrechen", sagte Villiger. Zwischen der offenen Gesellschaft und der totalen Sicherheit gebe es fast immer einen unüberwindbaren Zielkonflikt. "Wir würden viel Wert verlieren, wenn wir in eine Sicherheitshysterie verfielen", sagte der Finanzminister.

Die Tat sei von einer Einzelperson begangen worden, die unter einem Hass gegenüber dem Staat gelitten haben. Vielleicht sei es auch kein Zufall, dass die Tat im jetzigen Zeitpunkt geschehen sei.

Es mache ihm manchmal Sorgen, dass in letzter Zeit die Diffamierung gegenüber der Classe politique zugenommen habe. Aber es gebe keinen totalen Schutz, sagte Villiger weiter.

Dreifuss: "Jetzt erst recht"

Auch Bundesrätin Ruth Dreifuss macht sich nach dem Amoklauf von Zug Gedanken: In ihrer Nähe zu Bürgerinnen und Bürgern wolle sie keine Abstriche machen, sagte Dreifuss in einem Interview mit dem Zürcher "Tages-Anzeiger".

Auf ihre persönliche Sicherheit angesprochen sagte die Ministerin, dass sie jetzt erst recht wieder den Bus nehme, wenn sie zur Arbeit fahre. Ein Fahrgast habe dies am Freitag auch bemerkt und sich bei ihr dafür bedankt.

Angestaute Wut gegenüber Behörden und Politik waren nach einhelliger Ansicht von Fachleuten der Grund für die Tat des Amokläufers von Zug. Dies beunruhigt auch die Bundesrätin.

"In einer etwas anonymisierten Gesellschaft wird der Politiker, die Politikerin zur Referenzfigu, zum Blitzableiter", sagte Dreifuss in dem Interview weiter. Deshalb müssten frustrierte Menschen, die sich in Briefen und Telefonaten gegen empfundene Ungerechtigkeiten äusserten, ernster genommen werden.

swissinfo und Agenturen

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